Samstag, 14. Juni 2014

Vor 20 Jahren (18): Café International

Wer Jochen Corts’ Artikelreihe auf der Homepage von Spiel des Jahres verfolgt, wird wissen: CAFÉ INTERNATIONAL wurde vor 25 Jahren Spiel des Jahres. Wenn CAFÉ INTERNATIONAL nun in meiner Serie „Vor 20 Jahren“ auftaucht, könnte man dies als Beleg dafür werten, dass ich aus der Provinz stamme und sich die Neuigkeiten der Spieleszene nicht schnell genug bis zu mir herumsprachen.

Jedoch: Nichts könnte falscher sein als dieser Eindruck! Tatsächlich habe ich schon vor mehr als 25 Jahren als damaliger Besucher des örtlichen Jugendzentrums damit begonnen, eine Spielesammlung für eben jenes Jugendzentrum aufzubauen, indem ich mit dem Geld des Jugendzentrums endlich alle Spiele kaufen durfte, die ich als Besucher des Jugendzentrums schon immer mal spielen wollte. Hach, war das toll! Und CAFÉ INTERNATIONAL war als Spiel des Jahres natürlich auch im Fundus.

Denn CAFÉ INTERNATIONAL war und ist im besten Sinne ein Spiel für alle. (Den Begriff „Familienspiel“ vermeide ich an dieser Stelle absichtlich, weil er mir zu eng gefasst ist und weil ich mich weigere zu glauben, dass ausschließlich Familien so genannte „Familienspiele“ spielen. Ich jedenfalls habe gewiss um die 100 Partien CAFÉ INTERNATIONAL gespielt – und keine einzige davon mit meinen Eltern.)
CAFÉ INTERNATIONAL war leicht erklärt und gefiel nahezu jedem. Es war lange Zeit eins meiner Standardspiele, die ich in neue Runden hineintrug, deren Erfahrung und Vorlieben ich noch nicht einschätzen konnte. Manchmal frage ich mich, warum heutzutage so wenige Spiele dieser Art erscheinen. Oder erscheinen sie, nur nimmt man sie aufgrund eigener Übersättigung nicht mehr wahr?


Zurück zum Ursprungsgedanken: Vor 20 Jahren war ich also natürlich längst mit CAFÉ INTERNATIONAL vertraut. Das Spiel taucht nur deshalb fünf Jahre nach seiner Prämierung in meiner Serie auf, weil mein schönstes Spielerlebnis mit CAFÉ INTERNATIONAL jetzt 20 Jahre zurückliegt. Mit anderen Worten: Nach der ausufernden Einleitung komme ich nun endlich zu meiner kleinen Geschichte. Die Einleitung musste allerdings ausufernd sein, um irgendwie zu übertünchen, dass die kleine Geschichte diesmal wirklich sehr klein ist.

Sie spielt in Hamburg. Ich besuchte eine Freundin in ihrem Studentenwohnheim und war angehalten, Spiele mitzubringen. Was merkwürdig war, denn die besagte Freundin spielte überhaupt nicht gern. Aber auf ihrem Flur wohnten zwei amerikanische Studentinnen, die Spielen toll fanden. Ich hatte ADEL VERPFLICHET und CAFÉ INTERNATIONAL im Gepäck, und CAFÉ INTERNATIONAL wurde mir förmlich aus der Hand gerissen: Hey, guck mal, wie geil sieht das denn aus!?

Okay, das sagte man damals wahrscheinlich nicht, sondern vielleicht eher „pretty“, „nice“, „great“, „wow“, „hilariously funny“ – irgendwas in der Richtung oder sogar alles zusammen. Jedes Porträt wurde einzeln gewürdigt und mit Geschrei kommentiert. Am meisten grölten die Amerikanerinnen über die Darstellung der Deutschen – bis sie dann das Amerikanerpaar sahen. Da fielen sie vor Lachen unter den Tisch.

Ich bin später zwei oder drei Mal mit der Kritik konfrontiert worden, CAFÉ INTERNATIONAL transportiere doofe Klischees. Dann erinnere ich mich an diesen Abend im Studentenwohnheim und denke: Hey, das könnte vielleicht sogar gewollt sein.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Auch wenn man nicht J. Corts Artikelreihe verfolgt, weiss man vielleicht, dass CI vor 25 Jahren SdJ wurde. Achja, die Einleitung sollte ja länger werden...Nichts für Ungut und danke für deine nette Seite. Michael

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