Donnerstag, 7. August 2008

Die Goldinsel

Goldinsel mit fünf Buchstaben? Na logo: Catan! Denn Catan kriegt dauernd Kinder, und viele Kinder sichern die Rente.

Was aber tun catanlose Verlage? Sie zimmern sich ihre Goldinsel selbst: Man nehme dazu ein ganz ordentliches Spiel vergangener Tage und tackere noch irgendwas dran. (Oder in Verlagssprache: Man nehme einen total erfolgreichen Longseller und erzähle die beliebte Geschichte weiter.)

Wie geht DIE GOLDINSEL? Es gibt zwölf Schatzinseln, aber jeder Spieler hat nur sechs Grabungslizenzen. Ja, richtig gelesen, auch als Pirat darf man nicht einfach buddeln, wo es grad gefällt. Buddeleien müssen behördlich abgesichert sein. Wer das noch nicht wusste, ist auf verfälschende Hollywood-Filme hereingefallen.
Seine Lizenzen will man auf möglichst lukrativen Inseln ablegen und ganz unbedingt auch auf der „wahren Schatzinsel“. Denn wer dort kein Zertifikat unterbringt, scheidet aus.
Aber welche ist die wahre Insel? Das wird geheim ausgelost. Die entsprechende Karte kommt beiseite. Man darf sie nicht einsehen, jedoch alle anderen. Folglich hilft es weiter, möglichst viele Inselkarten zu ergattern. Jede, die man kennt, scheidet als wahre Schatzinsel aus.

Was passiert? Zunächst laufen die Spieler mit ihrer Kapitänsfigur durchs Piratennest. Die ausgespielte Handkarte bestimmt die Zugweite, eine mögliche zweite Karte gestattet obendrein eine Sonderaktion (die Mannschaft erweitern, dem Gegner Inselkarten klauen, geheime Schatzplättchen auf den Inseln angucken). Das Ziel lautet, so schnell wie möglich alle Grabungslizenzen aufzuklauben und gleichzeitig noch genügend Informationen zu sammeln, um sechs Inseln ausschließen zu können.
Ist das geschafft, setzt man die Segel. Dies geschieht nach demselben Spiel-Prinzip, nur dass man jetzt statt des Kapitäns das Schiff bewegt und nicht etwa Sachen einsammelt, sondern Grabungslizenzen ablädt. Das Tempo hoch zu halten ist weiterhin wichtig, denn DIE GOLDINSEL endet, nachdem ein Spieler sechs Lizenzen auf Inseln unterbringen konnte.


Was taugt es? Das Deduktions-Element, das die Spieler zwingt, die wahre Goldinsel zu ermitteln, ist an sich interessant und könnte das Prunkstück des Spieles sein, wird jedoch durch viele andere Mechanismen an den Rand gedrängt und bleibt im Ansatz stecken. Wie überhaupt DIE GOLDINSEL zu viele Regeln enthält, die zu wenig zum Spiel beitragen.
Auch das Karten-Management in der Schifffahrtsphase besitzt durchaus seine Reize. Aber zuvor und währenddessen will das Spiel in seinen 45 Minuten zu viel auf einmal und findet keine klare Linie. Das sind die Piraten nicht gewohnt, nachdem sie im gesamten ersten Teil von CARTAGENA gerade mal einen einzigen Tunnel durchqueren. (Gemäß § 17 der Fluchtwegeverordnung, versteht sich.)


CARTAGENA – DIE GOLDINSEL von Rüdiger Dorn für zwei bis vier Spieler, Winning Moves.

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