Mittwoch, 14. Januar 2009

Byzanz

„Garantiert jeder“, sagt der Schachtelrückseitentext, gewinne bei den Versteigerungen. Und „sogar die mit der kleinsten Ausbeute räumen garantiert noch kräftig ab“. – Na, das ist doch wohl die Chance, oder? Gerade auf einem Basar finde ich wiederholte Gewinngarantien absolut vertrauenswürdig. Wo, bitte, soll ich unterschreiben?

Wie geht BYZANZ? Die Spieler sammeln Karten. Besitzt man drei Karten einer Warenart, gibt man sie ab und erhält garantiert Punkte dafür: so viele wie die beste der drei Karten wert ist. Eine gute Kombination wäre also 1, 1, 4 (vier Punkte), weniger gut 3, 3, 3 (drei Punkte). Weil es aber ein Handkartenlimit gibt, erzielt man garantiert nicht immer die tollsten Kombinationen.
Zweimal pro Durchgang erhalten die Spieler Karten: Zuerst per Versteigerung. Die Bank bietet Kartenpakete an, die von Mal zu Mal aus weniger Waren bestehen. Jeder Spieler kauft eines dieser Pakete. Geboten und gezahlt wird mit Handkarten. Alles, was zur Bezahlung verwendet wurde, sammelt die Bank in einem Pool und verschenkt es am Ende: Beginnend mit demjenigen, der das letzte und somit kleinste Paket ersteigert hat, darf jeder Spieler alle Waren einer Sorte entnehmen.

Was passiert? Nach einem Durchgang hat jeder begriffen, dass hier garantiert für jeden etwas übrig bleibt. Komme ich bei der Versteigerung erst spät zum Zuge, fällt mein anschließendes Bankgeschenk umso üppiger aus. Dieser ausgleichende Mechanismus hält die Versteigerungs-Phasen kurz und die Gebote niedrig: Es lohnt sich nicht, für irgendwelchen mittelmäßigen Kram zu bieten. Wenn sowieso jeder was kriegt, sollte das eigene Paket schon möglichst gut reinpassen.
Längere Bietrunden werden zudem dadurch verhindert, dass jeder nur einen Teil seines Blattes für die Gebote einsetzen kann. Der Rest ist ja das, was man gerade sammelt.

Was taugt es? BYZANZ ist ein Versteigerungsspiel, bei dem kaum Versteigerungs-Flair entsteht. Bei anderen Auktionsspielen kommt es darauf an, den besten Preis zu finden. Hier eher darauf, dass im richtigen Moment die passenden Karten aufgedeckt werden. BYZANZ flutscht einwandfrei, hinterlässt aber das Gefühl, einem Regelapparat zu folgen und dabei wenig selbst zu entscheiden. Auch wenn der Schachtelrückseitentext meint, BYZANZ sei anspruchsvoll, behaupte ich das Gegenteil: Hier steckt weniger drin als es den Anschein hat. Zeitvertreib für zwischendurch. Garantiert ordentlich - aber nicht außerordentlich.

BYZANZ von Emanuele Ornella für drei bis sechs Spieler, Amigo.

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