Samstag, 10. Oktober 2009

Bring mich nicht mit (8): What´s missing?

Sommerferien sind klassischerweise die Zeit für kleine Mitbringspiele. Aber mittlerweile sind ja gar keine Sommerferien mehr. Völlig folgerichtig wendet sich REZENSIONEN FÜR MILLIONEN deshalb nun solchen Spielen zu, die man besser nicht mitbringt.

WHAT´S MISSING? bildet den perfekten Abschluss dieser nachsommerlichen Bring-mich-nicht-mit-Serie, denn es packt all unser Nichtverstehen, unsere tiefe Verstörung und die entsetzlichen Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Hobbys in eine einzige prägnante Frage: Was in aller Welt fehlt hier bloß? Was fehlt? WAS? Und es sei hiermit verraten: Es ist der Spielspaß, verdammich!

Auch bei WHAT´S MISSING fehlt er ganz dringend, und hier verstärken sogar noch ungeeignete Materialien den Negativeindruck. 7,4 mal 7,4 Zentimeter messen die Motive auf den Bildkarten. Das klingt eigentlich gar nicht so winzig, und wäre es ein Spiel, bei dem man sich die Karten in Ruhe beliebig vor die Augen halten kann, käme man wohl klar. Man ahnt jedoch: Solch ein Spiel ist es nicht.

Die Spielidee kennt man aus guten Fernsehzeitschriften: Finden Sie die Unterschiede zwischen Bild A und B. Bild A liegt in der Tischmitte. Sein persönliches Bild B hat jeder auf der Hand. Außer in der ersten Runde geht es immer nur um einen einzigen Unterschied. Wer ihn zuerst findet (bei jedem Spieler wird es zwangsläufig ein anderer sein), schreit: „Stop!“ oder „Halt!“ oder „Spielspaß!“ und legt seine Bildkarte in die Mitte. Sie bildet nun die nächste Suchvorlage. Wer zuerst seine Karten los ist, gewinnt. Und wenn die anderen nicht gestorben sind, dürfen sie sogar noch die weiteren Platzierungen ausspielen.

Darüber, ob es Spaß macht, nach Unterschieden in immer denselben zwei Bildern zu suchen, lässt sich eventuell noch verschiedener Meinung sein. Und immerhin ist das Spiel nicht zu 100 Prozent monoton, sondern besitzt eine kleine Langzeit-Dynamik: Wenn man die Bilder kennt, muss man sie nicht mehr wie anfangs noch komplett absuchen, sondern weiß inzwischen, wo überhaupt Unterschiede versteckt sein können, und checkt einfach diese Stellen ab.

Meine Toleranzgrenze ist allerdings schon vorher überschritten, nämlich wenn da irgendwo auf dem Tisch ein ziemlich kleines Bildchen herumliegt, womöglich noch in verkehrter Ausrichtung, und um ein Detail auf diesem Bild soll ich jetzt mit anderen in einen Wettbewerb treten... Das ist ähnlich motivierend, als sollte man neben einem Ventilator um die Wette Kartenhäuschen bauen.

WHAT´S MISSING? von Christophe Boelinger für zwei bis sechs Spieler, Ludically / Asmodee.

Was war: Bring mich nicht mit (7): 7
Was kommt: Bring mich nicht mit (9): Cardcassonne

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