Dienstag, 22. Mai 2018

Vor 20 Jahren (62): Siedler – Städte und Ritter

Gleich mal vorweg: Ich war’s nicht!

Klar, ich kann und will gar nicht abstreiten, dass ich mit von der Partie war, also rein rechtlich durchaus als Beteiligter gelten kann. Aber die Sache war nicht meine Idee – obwohl die Idee mit Spielen zu tun hatte und mit sehr, sehr lange Spielen, also grundsätzlich eine dieser Ideen war, auf die ich üblicherweise auch gerne komme.

Der Vorschlag kam beim gemeinsamen Abendbrot und er lautete: „Hey, lasst uns doch die ganze Nacht durchspielen und direkt danach zur Arbeit fahren.“ Als Hardcorespieler zuckte ich natürlich mit keiner Wimper. Denn … äh … ich musste am nächsten Morgen nicht zur Arbeit, nur die beiden anderen. Und ehrlich gesagt: Sonst hätte ich auch gekniffen. Tief in meinem Inneren bin ich nämlich gar nicht der Hardcorespieler, als der ich mich so gerne darstelle. Außer spielen muss ich gelegentlich auch mal schlafen.

Diese Geschichte von zwei Hardcore-Spielerinnen und einem, der nur so tat, als ob, spielt im Mai vor 20 Jahren. Und in der alten Heimat. Der hatte man zwar den Rücken gekehrt, ließ sich aber wenigstens zu den wichtigsten Feiertagen (Weihnachten und Straßenfest) mal blicken. Zu Weihnachten traf man dann sehr alte Bekannte, auf dem Straßenfest die weniger alten. Und möglicherweise verabredete man sich für den Sonntag nach dem Fest zum Spielen.

Es begann im Garten eines unserer Elternhäuser ganz harmlos mit ein paar Runden LIGRETTO. Es war warm, die Sonne schien, und eine Analyse des Fotos von damals ergibt, dass ich vermutlich nicht gewonnen habe. Ganz der Anfänger, hatte ich mich an den Kopf des Tisches gesetzt, und den anderen damit die Möglichkeit eröffnet, Kartenstapel „im Eifer des Gefechts“ so auszulegen, dass ich schlecht rankam. Und jede Wette: So wurden sie gelegt. So hundsgemein das ist: Der Hund hat meiner Erinnerung nach trotzdem nicht mitgespielt und ist nur zufällig im Bild.


Der Nachmittag wechselte zu Abend. Wir wechselten ins Haus und zu DIE SIEDLER VON CATAN – STÄDTE UND RITTER. Ich besaß diese Erweiterung nicht und habe sie auch nie gekauft. Was aber nicht heißen soll, dass ich sie nicht mochte. Nur begann schon damals diese Not, dass immer weniger Spielzeit übrigblieb, um Spiele früherer Jahrgänge zu pflegen. Und so ging auch bei SIEDLER der Trend dahin, es ohne viel Brimborium nur noch in der Basisversion zu spielen.

So weit, so gut. Was statt eines Höhepunktes meine Geschichte im Ausklang ein bisschen zerfleddert: Ich kann nicht mehr sagen, wie viele Partien wir spielten und wie sie ausgegangen sind. Ich erinnere mich an keine speziellen Begebenheiten. Ich weiß auch nicht mehr genau, bis wie viel Uhr wir durchhielten und was es hinterher zum Frühstück gab. Sämtliche Details sind futsch. Geblieben ist nur die Scham: Verdammt, da waren zwei, die beim Spielen noch krasser drauf waren als ich! Eigentlich sollte ich das echt nicht erzählen, aber ich kann es nicht mehr länger mit mir herumtragen. Ich möchte Beichte ablegen.


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