Freitag, 9. November 2018

Krass kariert

Relativ unbemerkt hat KRASS KARIERT den „À la carte“-Preis der Fairplay gewonnen. Weil es sich bei BELRATTI ganz gut bewährt hat, aus der Prominenz der Fairplay Klickzahlenkapital zu schlagen, versuche ich den Trick einfach ein zweites Mal und richte mich bei der Auswahl meiner Besprechungen weiter nach dem, was bei der Fairplay heiß ist.

Wie geht KRASS KARIERT? In diesem Stichspiel wollen wir unsere Handkarten loswerden. Wer als Letzter noch Karten hat oder sich dreimal nicht am Stich beteiligt, verliert ein Leben. Ist einer mausetot, verliert er das Spiel und alle anderen gewinnen.
Um bei einem Stich mitzumachen, muss man, wie man es zum Beispiel aus KARRIERE POKER kennt, die Kombination des Vorgängers überbieten, indem man entweder eine wertvollere Kombination oder dieselbe Kombination mit höheren Kartenwerten spielt. Drilling schlägt Dreier-Straße schlägt Paar schlägt Zweier-Straße schlägt Einzelkarte.
Hinzu kommt: Wie bei BOHNANZA werden die Handkarten nicht umsortiert. Als Kombination darf man nur solche spielen, die direkt nebeneinander stecken. Wenn ich das Blatt wie auf dem Foto unten hätte, müsste ich also erst die 4 loswerden, um später 9, 10 und 11 als Dreier-Straße spielen zu können.
Solange man es nicht dreimal tut, ist es gar nicht schlecht, auch mal zu passen, denn: Jetzt erhält man eine von zwei „Reservekarten“ und steckt sie an beliebiger Stelle ins Blatt. Zum Beispiel würde ich eine 4 gerne neben die andere 4 stecken, weil ich die beiden als Paar erheblich leichter loswerde. Meine Reservekarten darf ich mir allerdings nicht aussuchen. Der Kartengeber hat beim Austeilen zufällig irgendwelche zwei vor mir abgelegt, und das sind sie dann.


Was passiert? KRASS KARIERT ist ein Spiel, das man im ersten Anlauf möglicherweise noch nicht so ganz erfasst. Die Kombination der Elemente wirkt etwas gewollt und unintuitiv. Das Spiel wird besser, wenn man es häufiger spielt.
Erst dann offenbaren sich die Möglichkeiten und es zeigt sich, dass auch die Sonderkarten fein abgestimmt sind. Einerseits gibt es solche, die gute Blätter noch stärken und dabei helfen, die Hand schnell runterzuspielen. Und es gibt reine Stänkerkarten, die man dem glücklichen Gewinner in seinen Stich werfen darf und die ihn zwingen, Karten vom Stapel nachzuziehen.
KRASS KARIERT ist deshalb dreierlei: Erstens ein Ärgerspiel, das schön emotional werden kann, wenn einer ordentlich Karten reingedrückt bekommt. Zweitens ein vordergründig herkömmliches Kartenloswerd-Stichspiel, bei dem man sich sein Blatt klug einteilen und manchmal auch ein bisschen zocken muss und bei dem man drittens taktisches Karten-Management betreibt, um bestimmte Kombinationen auf der Hand überhaupt erst entstehen zu lassen.

Was taugt es? Das ist in Summe zweifellos eigenständig und originell. Es hat seinen Reiz, das Beste aus seinem Blatt herauszuholen oder anderen in die Suppe zu spucken, indem man unerwartet eine noch bessere Kombination zückt oder jemandem kurz vor Schluss drei Karten aufhalst.
Dennoch schätze ich KRASS KARIERT nur als schönes Spiel für eine Saison ein. Weil oft viele Runden gespielt werden müssen, bis endlich ein Verlierer feststeht, ziehen sich die Partien in die Länge. Vor allem aber erreicht KRASS KARIERT dabei nicht den Spielfluss und die Eleganz, die ein (trotz taktischer Elemente) glücksbetontes Ärger- und Ablegespiel zum Dauerbrenner machen.
KRASS KARIERT ist von vielem ein bisschen, wegen seiner Kleinschrittigkeit dann aber doch nichts so richtig. Die besten Erfahrungen mit KRASS KARIERT habe ich mit geübten Spielern gesammelt. Der Ausgang der „À la carte“-Wahl ist für mich deshalb nachvollziehbar.


**** solide

KRASS KARIERT von Katja Stremmel für drei bis fünf Spieler, Amigo.

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