Samstag, 27. Juni 2009

Fairy Tale

„Magische Länder und uralte Legenden, starke Bündnisse und tragische Heldenopfer, glorreiche Anführer und boshafte Verräter, das sind die Zutaten für eine großartige Geschichte. Eure Geschichte!“ -
Ach, ich wünschte, ich brächte auch mal so viel Phantasie auf wie diese Schachtelrückseitentexter! Denn in meinem Kopf geht FAIRY TALE so:

Wie geht FAIRY TALE? Jeder Spieler bildet eine Auslage von zwölf Karten. Sie sollen möglichst viele Punkte zählen. Gespielt wird vier Durchgänge lang. Auf eine Sammelrunde, in der man fünf Karten sammelt, folgt eine Ausspielrunde, in der man drei der fünf Karten ausspielt und zwei wieder wegwirft.
Sammeln geht so: Ich bekomme fünf Karten vom Stapel, wovon ich eine behalte und vier meinem Sitznachbarn gebe. Vom anderen Sitznachbarn bekomme ich ebenfalls vier Karten, eine davon behalte ich, drei gebe ich weiter. Und immer so fort.
Ausspielen geht so: Jeder wählt eine seiner Karten. Gleichzeitig werden sie aufgedeckt. Einige Karten haben Effekte auf andere Karten und bewirken etwa, dass jeder Spieler eine grüne Karte auf den Rücken drehen muss, wodurch sie ihren Wert verliert. Andere Karten wiederum kontern diese Effekte.

Was passiert? Das Sammeln ist immer auch Spekulieren: Will ich Karten mit hohem Grundwert? Oder lieber solche, die erst dann wertvoll werden, wenn meine Auslage bestimmte Bedingungen erfüllt? Schaffe ich es, diese Bedingung zu erfüllen?
Und sammle ich lieber friedlich vor mich hin und hoffe, dass mir nichts Böses geschieht? Oder wappne ich mich mit ein paar Effekten?
Da ich ja nur drei meiner fünf Karten ausspiele, kann ich zwei Karten an mich nehmen, die ich nicht brauche. Beispielsweise solche, die meine Mitspieler ganz verzweifelt suchen, um endlich ihre vorwitzig ausgelegten Bedingungskarten zu erfüllen.
Aber was mache ich, wenn ich eine tolle Karte für mich und eine übertolle Karte für einen Mitspieler hereingereicht bekomme? Nun, da der Mitspieler zwei Plätze entfernt sitzt, kann ich das Problem geschickt weiterschieben. Ich nehme die tolle Karte, und die übertolle Karte soll bitte mein Nebenmann entsorgen. Und wehe, er tut es nicht und denkt nur an sich selbst. Dann sage ich, er ist doof und stinkt!

Was taugt es? Als unglaublich cooler Typ (siehe Blog-Motto) besitze ich selbstverständlich!!! die japanische Originalausgabe . Und wie das so ist, wenn man von irgendwas das Original besitzt, findet man das Original unschlagbar gut, und alles, was danach kommt, hat irgendwelche Macken. So auch hier. Die Symbolsprache ist es. „Open YOU 1 Schwert-Karte“ (Original) entspricht genau meinem sprachlichem Niveau und ich komme damit klar. Die nicht sprachbasierten Piktogramme der Neuausgabe hingegen verwirren mich.
Ansonsten ist FAIRY TALE natürlich immer noch dasselbe tolle, absolut harmonisch komponierte Spiel wie eh, das innerhalb einer Viertelstunde zu vielfältigen Entscheidungen nötigt und wegen der kurzen Spieldauer spielerische Experimente erlaubt, ohne dass bei einem Fehlschlag gleich der komplette Spieleabend drauf gegangen wäre. Schwierig ist lediglich der Einstieg. Für ein Viertelstundenspiel ist sehr viel Einarbeitung nötig. Das lohnt sich erst, wenn man es viele Viertelstunden spielt.

FAIRY TALE von Satoshi Nakamura für zwei bis fünf Spieler, What´s your game / Heidelberger.

1 Kommentare:

F hat gesagt…

Danke, Udo, für die schöne Rezension - letztlich auf deine Empfehlung hin habe ich dieses sonst eher unbeachtete Spiel gekauft und finde es großartig! :)

Ein Wort zu den Spielkarten: Die aktuelle Version von "What's your game" ist für mich deutlich ansprechender illustriert. Die Kartenqualität erscheint mir jedoch eher schwach (zumindest würde ich den stärkeren Amigo-Karten z.b. mehr zutrauen), wobei man sich hierbei jedoch mit günstigen Schutzhüllen für Sammelkarten in Standardgröße gut helfen kann, erhältlich ab ~1€.

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