Freitag, 11. Juni 2010

Als ich noch kein Spieler war (3): Malefiz

In meinem Elternhaus gab es (zunächst!) nur sehr wenige Spiele. Meine Eltern spielten so gut wie gar nicht, und deshalb reichten eine Standard-Spielesammlung und ein MENSCH ÄRGERE DICH NICHT völlig aus. Doch nur eine Straße weiter wohnten Verwandte von mir, bei denen das Spielen nicht als reine Kindersache angesehen wurde. Hier machte jeder mit, und für mich als kleiner Knirps war das ein ganz besonderes Erlebnis.

Das Familienspiel schlechthin war MALEFIZ. Meine Tante musste meist ein bisschen überredet werden, weil sie eigentlich dies oder jenes zu tun hatte, doch sobald sie mitspielte, merkte man, dass sie es gerne tat. Und MALEFIZ war wirklich ein herrliches Ärgerspiel mit viel Geschrei und Debatten, wer denn nun wen herauswerfen sollte, das Hindernis wo hinstellen und wo auf keinen Fall.

Meist entstanden lange Barrikadenschlangen, Runde um Runde ging es nur noch voran, wenn jemand eine Eins würfelte. Manchmal arbeiteten auch zwei kollegial zusammen - bis einer eine Barrikade zwischen sich und seinen Partner schob oder oberfies den anderen von hinten meuchelte. In solchen Fällen geriet MALEFIZ an den Rande des Spielabbruchs.

Ein traditioneller Zug meiner Tante war, einen Hindernis-Stein direkt ins Ziel zu stellen. Manchmal stapelte sie dort sogar mehrere auf. Mein Cousin versuchte jedes Mal zu erklären, wie sinnlos dies sei, da man das Ziel sowieso mit exakter Würfelzahl erreichen müsse. Aber sie war nicht davon abzubringen.

Bekanntermaßen wird man als Kind von Erwachsenen dauernd hereingelegt; deshalb fürchte ich, das Ganze war ein perfider Trick, um das Spielende mittels Materialentzug zu beschleunigen. Denn Beschleunigung hatte MALEFIZ durchaus nötig. Wenn abends meine Mutter kam, um mich abzuholen, saßen wir oft noch mitten in einer Partie. Und dann konnte ich auf keinen Fall weg: Ach, bitte, bitte, bitte...!

Damals habe ich natürlich nicht über den Rand des MALEFIZ-Brettes hinausgedacht. Heute erkenne ich, dass man bettelnden Kindern nicht allzu oft nachgeben sollte. Die orientierungslosen Geschöpfe kommen sonst schnell vom rechten Pfad ab und wollen plötzlich ihr ganzes Leben lang nichts anderes mehr tun, als wieder und wieder MALEFIZ zu spielen. (Und ähnliches Zeug.) - Glaubt mir!

Mein Cousin und ich wären damals übrigens nie auf die Idee gekommen, Gelb oder Grün zu nehmen. Warum, zeigt das Brett:


2 Kommentare:

Felix hat gesagt…

Blau ist eindeutig die beste Farbe!!!

Maddin =:-) hat gesagt…

Hehehe -

und schon DOPPELKOPF als nächstes angekündigt. Da fehlen dann ja nur noch RISIKO und FLOTTENMANÖVER (die große, edle MB-Version vom Schiffe versenken), dann könnte man meinen, Du hast mein Leben gelebt, Udo...

=;-)

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