Montag, 20. Dezember 2010

Als ich noch kein Spieler war (13): Heiße Karten

Prolog:
Vor ungefähr zehn Jahren schlenderte ich mit einer Freundin über einen Flohmarkt und sah: es!!
HEISSE KARTEN! - „Spiel, Spannung, Schabernack“ versprach der Untertitel. Und genauso hatte ich es auch in Erinnerung. Lächerliche 50 Pfennig sollte das Exemplar kosten, und bei diesem Sonderangebot musste ich natürlich sofort zugreifen und mich den Rest des Tages nur noch an diesem herrlichen Fund berauschen.


Zum Abschied merke meine Freundin an, sie habe den Eindruck, ich hätte mich über das Spiel viel mehr gefreut als über ihren Besuch...
Ja, was war das denn jetzt für eine Äußerung?! Wir zwei konnten uns schließlich beliebig häufig verabreden, aber so ein tolles Spiel für 50 Pfennig: Das gab es nun wirklich nicht alle Tage!

Hinterher habe ich die Schachtel ausgepackt, die Kartengrafik betrachtet, die Regel gelesen und beschlossen... dass es wohl besser sei, HEISSE KARTEN nie wieder zu spielen und einfach nur in guter Erinnerung zu behalten.

HEISSE KARTEN ist ein Stichspiel mit hohem Ärgerfaktor. Alle geraden Zahlen zählen positiv, alle ungeraden negativ. Weil die geraden Zahlen stechen, können einem die anderen Spieler üble Minuspunkte andrehen.
Obwohl in der Anleitung statt von „Spielern“ konsequent von „Kindern“ die Rede ist, spielten wir HEISSE KARTEN sogar noch in fortgeschrittenen Jugendjahren, als wir bereits alt genug für alkoholische Experimente waren.

Ein Abend ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ich spielte mit meinem besten Freund und dessen älterem Bruder. Der Bruder brachte eine Flasche Wodka mit und lud uns zu stimmungsfördernden Mixgetränken ein. Es war zwar nicht so gedacht, dass am Ende des Abends neben dem Orangensaft auch der Wodka leer wurde; doch die Karten erwiesen sich als dermaßen heiß, da ergab es sich einfach.

Aufgrund einer architektonisch sehr fragwürdigen Raumaufteilung lag das Zimmer meines Freundes logistisch heikel. Um zur Toilette zu gelangen, musste man erst durchs Wohnzimmer gehen. Dort saßen die Eltern und sahen fern. Sich hier ein paar Sekunden lang zusammenzureißen, möglichst nicht zu schwanken und auch nicht unkontrolliert loszukichern, wurde zu einer zunehmend brenzligen Prüfung.

Ansonsten ist zu dem Abend noch anzumerken, dass ich haushoch verlor und dass ich nur geglaubt hatte, alt genug für alkoholische Experimente zu sein.

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