Freitag, 18. Februar 2011

Die verbotene Insel

„Erlebe das Abenteuer... wenn du dich traust!“ Uuh, ganz ehrlich, bei derart düsteren Regeleinleitungen bekomme ich schon ein bisschen Gänsehaut. Und wenn die Landschaftsplättchen obendrein „Klippen der Verzweiflung“, „Höhle des Grauens“ oder „Brücke des Verderbens“ heißen, wird mir die Sache definitiv zu... na gut, na gut, ich geh ja schon. Alles nur für meine Leser. Ich hoffe, die Nachwelt wird es mir danken.

Wie geht das Spiel? Wer PANDEMIE kennt, findet sich leicht rein. Denn DIE VERBOTENE INSEL ist dasselbe, nur abgespeckt: weniger verschiedene Karten, vereinfachtes Reisen, unkomplizierterer Katastrophenmechanismus.
Statt eines festen Spielplanes, auf dem sich Seuchenwürfel ausbreiten, spielt das Geschehen auf einer 24 Plättchen großen Insel, von der Teile nach und nach versinken. Die Spieler sammeln Karten, geben sie untereinander weiter, und wenn einer vier gleiche Motive an einem vorgegebenen Ort abwirft, erhält er ein Artefakt dafür. Hat die Gruppe alle vier Artefakte beisammen, muss sie sich nur noch auf dem Hubschrauber-Landeplatz (pardon: „Landeplatz der Versager“) versammeln, einer muss die Karte „Helikopter“ spielen, ein anderer die Gläser hervorholen, ein Dritter den Champagner öffnen, und das war´s.

Was passiert? Jeder Spieler deckt bei Zugende mehrere Ortskarten vom Stapel auf. Jede Karte bestimmt ein Plättchen, das nun überschwemmt wird. Das ist zunächst nicht schlimm, sondern ähnlich einer gelben Karte beim Fußball nur ein unverbindlicher Warnhinweis. Doch wie bei PANDEMIE sorgen unregelmäßig eintreffende Ereignisse dafür, dass bereits abgearbeitete Karten wieder gemischt, auf den Stapel gelegt und erneut gezogen werden. Hat die Gruppe das überschwemmte Feld nicht zwischenzeitlich trockengelegt, kriegt dieses nun die rote Karte und geht unter. Handelt es sich um den Hubschrauber-Landeplatz oder das letzte Feld, auf dem man ein Artefakt hätte bergen können, stirbt die Gruppe der Verlierer auf der Insel der Genitivattribute einen Tod des Horrors.

Was taugt es? Wie auch PANDEMIE ist DIE VERBOTENE INSEL sehr kommunikativ. Eine Gruppe, die sich nicht abspricht, gemeinsam ihre Möglichkeiten erörtert und die Züge optimiert, besitzt keine wirklichen Erfolgs-Chancen. Den Rest entscheiden die Zufälle des Kartenstapels.
DIE VERBOTENE INSEL verdichtet den Spielreiz von PANDEMIE auf eine halbe Stunde. Die Spielzüge sind weniger komplex, aber trotzdem nicht trivial. DIE VERBOTENE INSEL hat zwar nicht viel, was PANDEMIE nicht auch hätte, aber eines eben doch: noch mehr Variabilität! Es gibt weiterhin unterschiedliche Rollen, so dass immer andere Kombinationen möglich sind. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, vor Beginn des Spiels den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Und neu ist nun die veränderbare Spielfläche. Mit 24 Plättchen lassen sich diverse Inselformen kreieren. Leichtere und schwierigere.

DIE VERBOTENE INSEL von Matt Leacock für zwei bis vier Spieler, Schmidt.

Link: Editionen für Millionen: DIE VERBOTENE INSEL

2 Kommentare:

Felix hat gesagt…

Ja klar! Ändere nachträglich den Titel des letzten Eintrags, damit mein Kommentar jetzt aussieht, als wäre ich ein Idiot :(

Das Spiel klingt aber schön, davon ab. ;)

Anonym hat gesagt…

Die verbotene Insel hat einiges, was Pandemie nicht hat:
- einen einfachen Zugang
- eine kurze Spieldauer
- ein attraktiveres Thema
...
- mehr Genetivattribute ;)

Je nach Zeitrahmen, Mitspielern usw. kann Die verbotene Insel also das geeignetere Spiel sein als Pandemie.

Eines noch: Es ist hier oft so, dass sich der Schwierigkeitsgrad bei geringerer Mitspielerzahl erhöht (was nicht durch die weniger gezogenen Flutkarten ausgeglichen wird); zu zweit kann man sich nur auf 2 Artefakte gleichzeitig konzentrieren und muss viel abwerfen, was dann erst viel später wieder ins Spiel kommt als zu viert. Da können 4 Artefakte gleichzeitig gesammelt werden und das Übergeben von Artefaktkarten durch den Boten erhält mehr Bedeutung. Dafür erscheint es teilweise zu einfach.
Emfpehlung: zu viert in einem höheren Level anfangen als zu zweit oder das Kartenlimit an die Spielerzahl anpassen (z. B. 6 Karten zu zweit, 5 zu dritt, 4 zu viert).

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