Dienstag, 22. März 2011

Schwarzer Freitag

SCHWARZER FREITAG ist wahrscheinlich nichts für Kamillenteetrinker. Und was trinke ich gerade...? Hoppla, mir fällt grad wieder ein, man soll ja im Internet nicht zu viel Privates ausplaudern. In diesem Fall muss die Einleitung jetzt leider sinnlos verpuffen. Schade, aber nicht zu ändern.
Puff.

Wie geht das Spiel? SCHWARZER FREITAG simuliert die Dynamiken an der Börse, speziell das Auf und Ab von Kursen. Und zwar nicht in Abhängigkeit von irgendwelchen Ereigniskarten oder Wirtschaftsnachrichten. Sondern in rein technischer Abhängigkeit von Kauf- und Verkaufaktionen. Hype erzeugt Hype – bis irgendwann die Blase platzt und die Kurse einbrechen.
Um dies zu simulieren, dienen je 25 hölzerne Aktienköfferchen in fünf Farben, die sich teils in der Bank, teils in einem Stoffbeutel und teils (als Aktie) im Besitz der Spieler befinden. Immer wieder bewirken Spiel-Ereignisse eine „Preisänderung“: Nun werden Koffer aus dem Beutel gezogen, und je mehr von einer Farbe auftauchen, desto kräftiger steigt der Kurs. Für Crashs sorgen schwarze Koffer, die sich erst nach und nach im Beutel sammeln. Werden zwei oder mehr von ihnen gezogen, wirkt sich das schädlich auf die Kurse aus.
Über die Beutelfüllung bestimmen die Spieler mit: Der Kaufen einer Aktie führt dazu, dass zeitversetzt ein gleichfarbiger Koffer von der Bank Richtung Beutel wandert. Beim Verkauf einer Aktie wird ein gleichfarbiger Koffer dem Beutel vorenthalten. Nichtsdestotrotz ist auch viel Zufall im Spiel. Das Vorhandensein eines Koffers im Beutel bedeutet noch lange nicht, dass er auch gezogen wird.

Was passiert? Der Einstieg fällt schwer. Viele Kleinigkeiten sind zu beachten, und die Spielregel versteckt sie eher, anstatt sie hervorzuheben. Eine Übersicht, wann welche Kursveränderungen vorzunehmen sind, wäre hilfreich gewesen.
Weil SCHWARZER FREITAG sehr mechanistisch ist, fällt einiges an Verwaltung an: Koffer von hier nach da befördern, aus dem Beutel ziehen, Kurse ändern, Preise ausrechnen. Doch der eigentliche Grund, warum die meisten meiner Mitspieler (und ein gewisser Kamillenteetrinker) SCHWARZER FREITAG nicht sonderlich spannend finden, ist ein anderer, nämlich das Spiel selbst.

Was taugt es? Man muss sich schon sehr für die ausgefeilte Maschine hinter dem Spiel begeistern, um von so mancher Negativ-Erfahrung unbeeindruckt zu bleiben: Oft zeichnet sich früh im Spiel ab, welche Aktien die erfolgreichen sein werden. Wer von diesen Sorten am wenigsten abbekommt, wird auch später nichts nachkaufen können, denn nun sind die Kurse viel zu hoch. Allein die Sitzreihenfolge kann bereits einiges entscheiden: Finden zwei Preisänderungen statt, ohne dass ich zwischendurch an die Reihe komme, hat die Konkurrenz nach der ersten (dem steilen Anstieg) ihre Aktien zu Geld gemacht, während meine Papiere nach der zweiten (dem Crash) plötzlich viel weniger wert sind. Weil SCHWARZER FREITAG die Spieleraktionen rigide limitiert, holt man Rückstände selten auf.
Solche Härten sind für ein Spekulationsspiel thematisch in Ordnung. Nur leuchtet mir nicht ein, warum ich einen Regelapparat wie bei SCHWARZER FREITAG brauche, wenn am Ende etwas herauskommt, das sich auch nur wie ein weiteres Spekulationsspiel anfühlt. Die Andersartigkeit von SCHWARZER FREITAG bleibt im Abstrakten.

SCHWARZER FREITAG von Friedemann Friese für zwei bis fünf Spieler, Kosmos.

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