Dienstag, 6. September 2011

Merkator

Während eines Krieges Geschäfte zu machen, lehne ich kategorisch ab. Man hat ja Prinzipien.
Der Dreißigjährige Krieg allerdings dauert geschlagene 30 Jahre. 30 lange, lange Jahre! – Und 30 entsetzlich lange Jahre ganz ohne Geschäfte...? Das geht nicht. Man trägt ja Verantwortung.

Wie geht MERKATOR? Ich habe Aufträge. Beispielsweise den, ein Gewürz und eine Pflaume in Danzig abzuliefern. Gelingt dies, erhalte ich einen weiteren Auftrag der nächsthöheren Stufe. Die Zahl meiner Aufträge vermehrt sich also. Mehr als fünf darf ich aber nicht haben. Die überschüssigen oder sogar mehr tausche ich gegen Geld. Für Geld kaufe ich entweder Handelsvergünstigungen oder Karten, die bei Spielende unter bestimmten Bedingungen Siegpunkte zählen. Weitere Siegpunkte bringen die vorhandenen Aufträge entsprechend ihrer Stufe.
Der Ablauf ist verblüffend einfach: Bin ich am Zug, darf ich reisen, wohin ich will (sofern ich die nötigen Zeitmarken abgeben kann). Am Zielort bekomme ich alle ausliegenden Waren und erfülle Aufträge. In Nachbarorten wird Ware nachgefüllt. Und ob ich will oder nicht: Alle Mitspieler dürfen mitreisen, um ebenfalls Aufträge zu erfüllen. Dafür zahlen sie mir Zeitmarken.

Was fühlt es sich an? Taktisch und trocken. Fast alle Informationen liegen offen: die Warenbestände und Aufträge der anderen Spieler, sogar die Stapel, von denen ich neue Aufträge nachziehen würde. Ich kann berechnen, wie effektiv und sinnvoll mein Spielzug sein wird. Keinen Einfluss habe ich allerdings darauf, ob aktuell für mich passende oder unpassende Aufträge zu erhalten sind, wie viele Waren in den Städten liegen und ob mich das regelmäßig vorkommende Ereignis „Warenverlust“ betrifft.
Verstärkt noch durch die nüchterne Gestaltung bietet MERKATOR wenig, womit man warm werden könnte. Es gibt zwar durchaus strategische Entscheidungen zu treffen, insbesondere bei der Frage, wie viele seiner Aufträge man zu Geld macht und worin man das Geld investiert. Der große Unterschied zu anderen Rosenberg-Spielen aber ist: Bei AGRICOLA und LE HAVRE schmiede ich Pläne. Ich fiebere mit, bis ich wieder an die Reihe komme. Bei MERKATOR hingegen warte ich, dass ich an die Reihe komme. Meine Entscheidungen fühlen sich mehr wie Augenblicksentscheidungen an, determiniert durch die äußeren Umstände. MERKATOR besitzt interessante Mechanismen und Taktik und Optimierung, aber eine dynamische Spannungskurve ergibt sich daraus nicht.

Was taugt es? Von den komplexen Rosenberg-Spielen hat dieses für mich den geringsten Spielreiz.

MERKATOR von Uwe Rosenberg für einen bis vier Spieler, Lookout Games.

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