Dienstag, 25. Oktober 2011

Nürnberg

Das Schönste an der Nürnberger Messe ist der Tag davor. Traditionell besuchen wir eine Lokalität, in die sich niemand sonst aus der Spieleszene verirrt, und grooven uns bei sehr leckerem Bier und regionaler Kost auf die kommenden Tage ein. – Dass die Brauer-Zunft auf dem Spielplan von NÜRNBERG gleich die erste ist, nehme ich folglich mit besonderem Wohlwollen zur Kenntnis.
Das Zweitwichtigste eines jeden Nürnberg-Besuchs ist der Kauf von Oblaten-Lebkuchen. Mmmmmh, lecker. Und, siehe da: Welche Zunft ist in NÜRNBERG die Nummer zwei? Die Bäcker! Genial.

Wie geht NÜRNBERG? NÜRNBERG kann als Börsenspiel betrachtet werden. Interessanterweise stehen die Kurse aller Waren für sämtliche der vier Durchgänge von Anfang an fest. Womit sich zu welchem Zeitpunkt Gewinn machen lässt, ist also offensichtlich. Allerdings ist Gewinn nicht das primäre Ziel. Vielmehr geht es darum, bei Rundenende die Mehrheit einer Warensorte zu besitzen. Dann bekommt man nebst einem Handwerker auch das Wappen der Zunft; und viele verschiedene Wappen zählen ordentlich Punkte. Zweitens benötigt man die Waren als Tauschobjekte. Für die Waren bekommt man weitere Handwerker oder Stadtbewohner. Der Besitz von Handwerkern wird am Schluss per Mehrheitswertung entlohnt, Stadtbewohner bringen verschiedene Vergünstigungen.
NÜRNBERG ist auch ein Arbeiter-Einsetzspiel. Jeder startet mit vier Figuren. Mindestens eine muss pro Runde geheim in eine der Zünfte geschickt werden. Es dürfen auch mehrere pro Runde sein, aber nur in verschiedene Zünfte. Die Figur darf anschließend Waren einkaufen oder verkaufen oder gegen Handwerker oder Stadtbewohner eintauschen. Sind über mehrere Runden alle Figuren gespielt, endet der Durchgang.

Wie fühlt es sich an? Zunächst einmal ungewöhnlich. Man wundert sich, wie schnell das Startkapital verpulvert ist und wie schwer es ist, trotz offen liegender Informationen alle Aktionen gewinnbringend einzusetzen.
Nach mehreren Partien stellt sich jedoch eine gewisse Routine ein: Es lohnt sich, zusätzliche Figuren anzuwerben, weil man dann noch den Durchgang weiterspielen kann, während andere schon draußen sind. Und es lohnt sich meist nicht, zu viele Figuren gleichzeitig loszuschicken. Man fängt an, die Dinge auszusitzen, und NÜRNBERG fängt an, länglich zu werden.
Am Schluss zählt ungefähr alles Punkte. Das lässt sich bis ins letzte Detail sowieso nicht optimieren, deshalb scheint es ein gutes Prinzip zu sein, vorrangig Wappen anzupeilen und vom Rest mitzunehmen, was man kriegt. Nach zwei, drei Partien ähneln sich die Verläufe. Es fühlt sich jetzt nicht mehr so ungewöhnlich an wie zu Anfang.

Was taugt es? Bierbrauer und Lebkuchenbäcker in Nürnberg: Das kann gar kein schlechtes Spiel ergeben, und deshalb ergibt es auch kein schlechtes Spiel. Die verdeckte Zunftwahl, das Knapsen mit dem Geld, das Hoffen auf einen hilfreichen Stadtbewohner: alles in Ordnung. NÜRNBERG ist mal wieder genau die Sorte Spiel, bei der ich sage: „Klar bin ich mit dabei.“ Selber vorschlagen würde ich es allerdings nicht, und damit ist es ein lupenreiner Fall für die Abteilung „solide“.

NÜRNBERG von Andreas Steding für zwei bis fünf Spieler, White Goblin Games.

2 Kommentare:

keller hat gesagt…

Udo, hast du mal über einen Flattr-Button nachgedacht? Dann könnte ich dir was von meinen Millionen abgeben. Oliver

Udo Bartsch hat gesagt…

Ach, ich möchte dir nicht zumuten, dass du jeden Monat klicken musst. Gib mir doch einfach deine Bankverbindung, und ich buche per Lastschriftverfahren ab, wenn ich was brauche.

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