Freitag, 21. November 2014

Vor 20 Jahren (23): Auf Heller und Pfennig

Vor rund 20 Jahren war ich auf einer Geburtstagsparty im damals noch Bad-losen Fallingbostel zu Gast. „Party“ klingt natürlich fantastisch, „Party“ klingt, als stehe man mitten im Leben. Ich muss allerdings zugeben, dass ich den ersten Teil dieses Events im Wohnzimmer verbracht und gespielt habe, während die anderen Gäste in Keller und Küche womöglich die coolste Fete ihres Lebens feierten. Aber das ist man sich als Nerd eben schuldig.

Ich spielte mit drei anderen Nerds, die sich aus Sorge vor Sex, Drugs & Rock’n’Roll (oder was immer Verstörendes auf Parties abgeht – woher soll ich das wissen?) dem Geschehen ebenfalls fern hielten und ein gepflegtes, überschaubares Brettspiel der wilden, unberechenbaren Orgie vorzogen.

Wir spielten AUF HELLER UND PFENNIG, das ich der Gastgeberin Daniela geschenkt hatte – allerdings spielten wir nicht dieses, sondern ein anderes Exemplar. Meins musste eingeschweißt bleiben. Denn so ausgeklügelt und von langer Hand vorbereitet meine Geschenkidee auch war: Am Ende war sie dann doch nicht so ausgeklügelt.

Ursprünglich hatte ich MANHATTAN gekauft, und direkt am Wochenende vor dem Geburtstag ein unauffälliges gemeinsames Spielen lanciert – bei dem sich herausstellte, dass MANHATTAN Daniela nicht sonderlich begeisterte, AUF HELLER UND PFENNIG aber umso mehr.

Kein Problem. Ich tauschte MANHATTAN kurzerhand um und fühlte mich auf der sicheren Seite. Doch dummerweise hatte das Vor-Spielen Daniela so sehr auf den Geschmack gebracht, dass sie sich AUF HELLER UND PFENNIG von anderen – unbefugten – Personen wünschte, was mein superduper Geschenk zu einem zweitklassigen Duplikat degradierte!
Und ganz peinlich: Ich musste nun noch einmal in den Laden und das Spiel ein weiteres Mal umtauschen! Man würde mich für einen Nerd halten. Oder gar für einen Trottel.

Diese Sorge teilte ich später am Abend einer ehemaligen Klassenkameradin mit, die – tut mir Leid, es wird immer wirrer, aber so ist das eben auf diesen unkontrollierbaren Vergnügungsveranstaltungen – eigentlich in Bern wohnte, doch gerade auf Heimatbesuch in Fallingbostel war, und sie sprach die weisen Worte: „Für einen Trottel halten sie dich nur, wenn du dich selber für einen Trottel hältst!“

Sie unterbreitete mir auch noch andere von kosmischem Wissen durchdrungene Ratschläge, beispielsweise dass ich meinen Talenten folgen und beruflich schreiben solle. „Haha“, dachte ich damals. „So ein Quatsch! Worüber soll ich denn schreiben?“ Auf diese offenbar benebelte Frau hörte ich lieber nicht! – Und wurde Lehrer.
Und ich ging in den Spieleladen, tauschte AUF HELLER UND PFENNIG um, und alle hielten mich für einen Trottel, weil ich mich selber für einen hielt.

Vor 20 Jahren (22): Auf Heller und Pfennig und ein bisschen Tabu
Vor 20 Jahren (24): Tichu

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