Dass ich nicht der Typ bin, der immer hoch hinauswill, erkennt man wohl schon an meinen Einleitungen.
Wie geht PROJECT SKYLINE? Wir bauen Hochhäuser auf verschiedenfarbigen Baugründen. Im Szenario „New York“ gewinne ich Punkte, wenn meine Hochhäuser das Feld „Zentrales Wahrzeichen“ mit anderen auf dem Spielplan aufgedruckten Monumenten verbinden. Hochhäuser gehören solange mir, wie meine Etage die oberste ist. Andere Spieler:innen können mich überbauen.
Meine vier Handkarten bestimmen, wo und wie oft ich Etagen setze. Ich darf in meinem Zug nur Karten derselben Farbe spielen. Mit allein meinem Startdeck, das aus je zwei Karten in vier Farben besteht, wäre ich sehr eingeschränkt. Aber ich darf pro Zug eine weitere Standardkarte hinzukaufen (Währung: Siegpunkte) oder alternativ eine Karte entsorgen und durch eine bessere aus dem Markt ersetzen. Marktkarten gehören oft zu mehreren Farben zugleich und lassen sich deshalb flexibler einsetzen.
Marktkarten haben außerdem die cooleren Effekte: Ich darf Etagenteile versetzen. Ich erhalte für bisherige Errungenschaften Punkte. Ich bebaue zwei Felder gleichzeitig. Ich baue unabhängig von der Farbe des Untergrundes neben Wasser oder neben einem Monument. Das ist deshalb mächtig, weil ich mit Standardkarten nur Felder ihrer Farbe bebauen darf.
Was passiert? Diese Limitierung ist ein Charakteristikum von PROJEKT SKYLINE. Will ich das Wahrzeichen mit dem 4-Punkte-Monument verbinden, muss ich grüne und rote Felder überbrücken. Fange ich im ersten Zug mit Grün an, um später mit Rot weiterzumachen, kann es passieren, dass meine Hochhäuser im Grünen überbaut sind, bis ich wieder an die Reihe komme. Ich werde die Verbindung also wieder nicht schaffen.
PROJEKT SKYLINE ist ein konfrontatives Spiel. Da ich die Punkte für Verbindungen jede Runde neu kassiere, solange die Verbindungen bestehen, wäre es ratsam, mich nicht zu lange unbehelligt zu lassen. Andererseits: Man will ja lieber für sich selbst spielen statt gegen andere. Habe ich drei weiße und eine rote Karte auf der Hand, spiele ich wohl lieber die weißen, auch wenn sie nichts zerstören. Und manchmal gibt es das Blatt auch gar nicht her, fremde Verbindungen zu kappen.
Außerdem punkten auch noch andere Dinge. Sind alle Felder eines Farbgebietes besetzt, erfolgt dort eine Mehrheitswertung. Deshalb lohnt sich auch Ausbreitung in der Fläche statt ständigem Überbauen in der Höhe. Im Szenario „Tokyo“ zählt es außerdem viele Schlusspunkte, wenn ich mich in der gesamten Stadt verteilt habe.
Am Ende ist es wie so oft in konfrontativen Spielen: Wer zu häufig überbaut wird, gewinnt nicht. Und wer zu häufig andere überbaut, gewinnt auch nicht.
Was taugt es? PROJECT SKYLINE ist ungewöhnlich. Das Spiel ist zudem mechanisch stringent, kommt nach wenigen Runden in Fahrt und behält bis zum Schluss ein gutes Tempo. PROJECT SKYLINE enthält zwei Spielpläne und damit zwei Szenarios, die sich in ihren Charakteristiken merklich voneinander unterscheiden. Soweit also alles super.
Dass PROJECT SKYLINE bei mir den Sprung von „spiele ich mit“ zu „schlage ich vor“ nicht schafft, liegt an dem letztlich etwas unfreien Spielgefühl. Meine Handkarten nehmen viel vorweg. Habe ich zwei graue, eine weiße und eine rote Karte auf der Hand, liegt es nahe, Grau zu spielen und eine der beiden anderen zu entsorgen, um vom Markt eine dritte graue Karte zu erwerben. Und weil ich Marktkarten nur dann nehmen darf, wenn sie farblich mit der entsorgten Karte übereinstimmen, muss ich, sofern eine grau-weiße im Markt liegt, aber keine grau-rote, auch nicht überlegen, was ich entsorge. Es muss die weiße sein.
Der Deckbau ist klar taktisch geprägt. Für langfristige Überlegungen dauert das Spiel üblicherweise zu kurz. Karten, die ich erwerbe, kann ich danach vielleicht noch dreimal einsetzen, bei ungünstigem Mischen auch seltener als erhofft.
Für ein Spiel, das vermutlich gar nicht länger dauern soll als eine Stunde, ist das alles vollkommen in Ordnung. Weil PROJECT SKYLINE jedoch so originell und interessant vom Üblichen abweicht, habe ich das unbestimmte Gefühl, das Spiel könnte oder müsste noch mehr Spaß machen. Aber weder mein eigenes Empfinden während einer Partie noch die Bewertungen aus meinen Runden bestätigen das.
**** solide
PROJECT SKYLINE von Florian Maas für zwei bis vier Spieler:innen, Piatnik.









































