Sonntag, 14. Dezember 2008

Die Hängenden Gärten

In handelsüblichen Legespielen gruppieren wir die Teile brav nebeneinander und vor unseren Augen wachsen die tollsten südfranzösischen Mittelalter-Landschaften.
Geht aber auch anders: DIE HÄNGENDEN GÄRTEN stapeln wir! Mit Karten, die in jeweils sechs Segmente unterteilt sind. Terrassen, Parks, Arkaden und Brunnen sind hier abgebildet. Oder nichts.
Und weil Terrassen, Parks usw. nur auf bereits ausliegenden Karten errichtet werden dürfen, muss man die eigenen Landschaften dauernd überdecken. Nur leere Segmente dürfen ohne Kartenunterlage sein. Philosophen würden sagen: „Nur das Nichts vergrößert die Basis.“

Wie geht DIE HÄNGENDEN GÄRTEN? Reihum wählt jeder eine der ausliegenden Baukarten und montiert sie in den eigenen Garten. Wenn nun mindestens drei gleichfarbige Segmente nebeneinander liegen, darf der Spieler hier einen Tempel platzieren und erhält dafür eine Punktetafel. Von den Tafeln gibt es unterschiedliche Sorten, und mehrere gleiche zu ergattern, zählt besonders viele Punkte. Je größer die getempelte Fläche, desto größer die Auswahl an Tafeln. Ab einer Fläche von sechs gleichen Farben bekommt man sogar zwei davon.

Was passiert? Philosophen würden sagen: „Baby, reich mir doch mal die Nagelschere...!“ Soll heißen: Oft passen fünf Segmente der erhalten Karte wirklich ganz hervorragend, nur das doofe sechste überdeckt ganz ungünstig einen der Brunnen und zerteilt die mühsam aufgebaute Fünferfläche. Der Impuls, die Karten nach Bedarf zurechtzustutzen, erfordert viel Charakterstärke.
Manchmal braucht man aber auch gar keine Schere und sieht bloß den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mit geschicktem Bauen lassen sich durchaus ein paar zusätzliche Wertungsmöglichkeiten herausschlagen. Ansonsten dominiert 1. Spekulation: Auf große Flächen gehen oder auf kleine? Taucht eine gewünschte Tafel noch im Markt auf oder ist der Zug abgefahren? ... und 2. Glück: Liegt keine brauchbare Karte aus, muss man wohl eine unbrauchbare nehmen. Dieser Fall ist besonders für den Startspieler sehr ärgerlich.

Was taugt es? Zu viert kommt man zu selten an die Reihe, um eine auf große Flächen ausgelegte Strategie mit viel Aussicht auf Erfolg zu betreiben. Damit geht ein interessanter Aspekt des Spiels verloren. Zu zweit und zu dritt gehört DIE HÄNGENDEN GÄRTEN wegen seines originellen Spielprinzips und des gelungenen Spannungsbogens zu den besseren Neuheiten des Frühjahrs 2008.

DIE HÄNGENDEN GÄRTEN von Din Li für zwei bis vier Spieler, Hans im Glück.

P.S.

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