Donnerstag, 18. November 2010

Als ich noch kein Spieler war (11): Schach

Als Mittelstufenschüler war ich ein Schachgenie. Zu dieser Auffassung konnte ich gelangen, a) weil ich meinen Schachcomputer gelegentlich sogar auf den höheren Stufen besiegte, b) weil keiner meiner Klassenkameraden gegen mich bestand. Täglich nahm ich Figuren und ein Brett mit in die Schule, und wenn ich ein Opfer fand, dann spielten wir. Ich spielte gegen jeden, selbst wenn meine überforderten Gegner gerade mal rudimentär die Regeln beherrschten. Völlig egal. Ich war ein Genie, und das sollten ruhig alle am eigenen Leibe erfahren.

Mit großem Interesse verfolgte ich damals im Fernsehen die Schach-Sendungen von Helmut Pfleger. Beim „Turnier der Großmeister“ spielten Cracks gegeneinander und kommentierten ihre Züge. Brennend interessant; man konnte sich fürs Tagesgeschäft so einiges abgucken: Ich wusste, wie eine Springergabel funktioniert, was ein Abzugsschach ist, warum man eine Rochade macht und dass Türme sich in freien Linien besonders wohl fühlen. Um unbedarfte Spieler niederzuhalten, reichte dieses Wissen völlig aus.

Doch wie man wirklich SCHACH spielt, wusste ich nicht. Ich kannte zwar die Namen einiger Eröffnungen, aber nicht ihren Sinn, ja, ich hatte nicht einmal begriffen, worum es beim SCHACH insgesamt ging: SCHACH ist ein Angriffsspiel mit dem Ziel, den gegnerischen König matt zu setzen. Ich aber spielte es wie ein Buchhalter. Ich machte irgendwelche risikolosen Züge und wartete auf die Fehler meines Gegenübers. Jeden Figurenvorteil nahm ich mit, und irgendwann war die entstandene Übermacht groß genug, dass selbst ich ein Matt fertig brachte.

Dass andere Menschen tatsächlich noch besser SCHACH spielen konnten als ich, wurde mir erst deutlich, als ich an Könner geriet. In weniger als 30 Zügen hauten die einen vom Brett, ohne dass man sich erklären konnte, was da eigentlich schief gelaufen war. - Ich begann zu ahnen, dass eine vertiefende Beschäftigung mit SCHACH in Arbeit ausarten würde. Und prompt verlor ich die Lust an diesem Spiel.
Genie arbeitet nicht.

1 Kommentare:

Heinrich Glumpler hat gesagt…

Spielen statt Büffeln: Schachen

Kommentar posten

Aufklärung über den Datenschutz
Wenn Sie einen Kommentar abgeben, werden Ihre eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie beispielsweise Ihre IP-Adresse) an den Google-Server übermittelt. Mit dem Absenden Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Aufzeichnung Ihrer angegebenen Daten einverstanden. Auf Wunsch können Sie Ihre Kommentare wieder löschen lassen. Bitte beachten Sie unsere darüber hinaus geltenden Datenschutzbestimmungen sowie die Datenschutzerklärung von Google.