Montag, 21. Januar 2019

Reef

Normalerweise würde ich an dieser Stelle den Witz mit den Plastiksteinen und den Korallen machen, aber den habe ich dummerweise schon für „Gern gespielt im November“ verbraten. Jetzt fällt mir kein zweiter ein.
Und falls die Generation nach uns in einem Webarchiv zufällig auf diesen Artikel stößt und sich wundert, dass wir im Jahr 2019 über Korallensterben, Plastik im Meer und Umweltsünden tatsächlich noch Witze gerissen haben: Na gut, im Nachhinein war das wohl unangemessen. Aber: WIR HABEN DAS ALLES NICHT GEWUSST.

Wie geht REEF? Schaffe, schaffe, Koralle baue. Bin ich am Zug, nehme ich entweder eine Baukarte aus der Auslage oder ich spiele eine aus meiner Hand. Jede Karte zwingt mich zunächst dazu, die beiden abgebildeten Korallensteine auf meinem Tableau zu verbauen. Entweder auf leere Felder oder auf einen bestehenden Turm, der maximal vier Steine hoch werden darf. Anschließend werte ich die auf der Karte abgebildete Formation, sofern sie von oben betrachtet in meinem Korallen-Ambiente sichtbar ist. Ist sie mehrfach sichtbar, erhalte ich auch mehrfach Punkte.


Was passiert? Verflixterweise passen die Bausteine bis auf ganz wenige Ausnahmen niemals zur gewerteten Formation. Die Karte sagt, ich soll zwei rote verbauen. Gewertet werden aber gelbe. Die Karte sagt, ich soll Gelb und Lila bauen, gewertet wird aber Rot.
So kommt es darauf an, mehrere Züge vorauszuplanen. Bis zu vier Handkarten darf ich ansammeln, bevor ich eine spielen muss, und mit diesen vier Handkarten lässt sich mitunter ein schöner Kettenzug kreieren, indem ich jetzt das baue, was ich im nächsten Zug werten will, und dann zugleich das vorbereite, was im übernächsten Zug Punkte bringt.
Besondere Rechentiefe ist trotzdem nicht erforderlich, normales Vorstellungsvermögen genügt. Eine Partie REEF geht deshalb üblicherweise rasch. Man erkennt, was man aus der Auslage gebrauchen könnte, und nimmt es. Oder wenn mal nichts so recht passt, spielt man mal was aus und hofft, dass sich die Situation im nächsten Zug verbessert hat. Tja, und manchmal überzeugt alles nicht und man muss einen ungeliebten Kompromiss eingehen.
Angesichts der Kürze des Spiels kein Problem. Manchmal kommt mir REEF gar zu kurz vor. Hat man erst mal eine Richtung eingeschlagen, bleibt nicht mehr die Zeit, um noch groß etwas daran zu ändern. Man konzentriert sich auf Höhe oder auf Ausdehnung. Oder man konzentriert sich auf Farben. Aber nicht auf alles gleichzeitig.
Letztendlich ist es Glückssache, ob zu der gewählten Richtung regelmäßig passende Karten in der Auslage auftauchen. Will man partout das machen, was schon der Vordermann macht, sinkt die Chance natürlich. Und auch im Spiel zu zweit sinkt sie wegen des langsameren Kartendurchlaufs. Zu zweit gefällt mir REEF deshalb weniger gut.


Was taugt es? REEF ist kein hochtaktisches Spiel. Aber ein Spiel, in dem ich abwäge, spekuliere, hoffe und mir über die beste Positionierung meiner Korallensteine Gedanken machen muss. Ich kann probieren, mit jeder gespielten Karte Punkte zu holen. Oder ich optimiere mein Bauwerk über mehrere Züge hinweg für eine Mega-Wertung.
Die gebotene Tiefe passt zur Spieldauer und zur Regelmenge. Die Abläufe sind leicht verständlich und geradezu logisch. REEF besitzt Eleganz. Interaktion gibt es allerdings kaum. Ab und zu schnappt einer einem eine Karte weg. Und tunlichst sollte man beachten, wann das Spielende droht (der letzte Stein einer Farbe wird verbaut), um noch rechtzeitig seine tollsten Karten herunterzuspielen. In einem derart kompakten Spiel wie REEF genügt mir das aber an Miteinander.
Die Regel lässt keine Fragen offen. Das Material ist schön anzuschauen (WIR HATTEN ES JA NICHT GEWUSST). Einige Steine fühlten sich anfangs allerdings klebrig an.


***** reizvoll

REEF von Emerson Matsuuchi für zwei bis vier Spieler, Next Move.

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