Donnerstag, 18. April 2019

Solenia

Ich hatte mal einen Mathelehrer, der folgende Regelung etablierte: Schrieb man zumindest die Aufgabentexte ab, galten die Hausaufgaben als gemacht. Vorrangig zählte also das Bemühen, nicht das Können.
Diese eventuell schon länger als 20 Jahre zurückliegende Geschichte fällt mir gerade ein, nachdem ich schon mindestens fünfzehn Minuten ergebnislos über einer möglichen Einleitung brüte.
Glücklicherweise bin ich auf REZENSIONEN FÜR MILLIONEN der Boss, also bestimme ich. Und zwar dies: Es geht hier ums Bemühen, nicht ums Können. Wenn ich ab jetzt „Einleitung“ schreibe, gilt die Einleitung als geschrieben.

Einleitung.


Wie geht SOLENIA? Wir sammeln Ressourcen und tauschen sie in vorgegebenen Kombinationen gegen Siegpunkte.
Die Feinheiten: Wer am Zug ist, legt eine seiner cool aussehenden Loch-Karten auf ein leeres Rohstofffeld und bekommt nun bis zu zwei dieser Rohstoffe. Die Karte sollte benachbart zu eigenen Karten oder zum Luftschiff liegen, das sich immer genau in der Spielplanmitte befindet. Tut sie das nicht, muss man Rohstoffe zahlen, um die Karte spielen zu dürfen.
Außer auf Rohstoff- kann man Karten auch auf Auftragsfelder legen und einen Auftrag erfüllen: Rohstoffe abgeben, Punkte kassieren.
Einige Karten bewirken obendrein, dass das Luftschiff ein Feld vorwärts fliegt. Das wiederum bewirkt, dass das hinterste der fünf Spielplansegmente entfernt, gewendet und vorne wieder angelegt wird. Liegen Karten auf diesem Segment, bringen sie ihrem Besitzer nun noch ein zweites Mal Rohstoffe oder Punkte, bevor sie aus dem Spiel entfernt werden.
Worin liegt der Sinn, die Segmente zu wenden? Der Spielplan zeigt auf einer Seite Tag, auf der anderen Nacht. Auf beiden Seite sind die Rohstoffvorkommen unterschiedlich verteilt und auch die Nachfrage unterscheidet sich: Aufträge der Nachtseite verlangen häufiger Rohstoffe, die es überwiegend auf der Tagseite gibt (und umgekehrt).


Was passiert? Das hängt von der gespielten Version ab. Es gibt das Anfängerspiel, das Fortgeschrittenenspiel und eine Variante des Fortgeschrittenenspiels. (Spoiler: Ich habe an jeder der drei Versionen etwas auszusetzen.)
Das Anfängerspiel verläuft in herkömmlichen Bahnen. Man beschafft sich Rohstoffe und schaut, wie man sie alsbald in Punkte umwandeln kann. Irgendwie klappt das schon, irgendwas ergibt sich. Jeder Spieler hat acht Lagerräume. Überfüllungsprobleme sind selten.
Man könnte denken, es lohne sich, auf die komplexen Aufträge abzuzielen (viele Rohstoffe gegen viele Punkte), weil man dann seltener Aktionen für Aufträge verwendet. Tatsächlich lohnt sich eher die Simpel-Strategie, denn erledigte Aufträge schenken außer Punkten auch noch einen Gratis-Rohstoff; obendrein honoriert die Schlusswertung Massenabfertigung.
Letztlich egal, denn SOLENIA spielt sich ohne Überraschungen oder Besonderheiten: Ist im Lager noch viel Platz, holt man sich Nachschub. Wird es eng im Lager, erfüllt man einen Auftrag. Vieles ergibt sich aus den drei Handkarten und den gerade verfügbaren Aufträgen.
Emotion entsteht, falls überhaupt, in Form von Ärger, wenn man ausgerechnet dann Waren durch abfallende Plansegmente bekommt, während das Lager voll ist. Einfluss darauf hat man kaum. Ob die anderen Spieler das Luftschiff bewegen werden, kann man höchstens erahnen.
In der Grundversion spielt sich SOLENIA gefällig, harmonisch, schnörkellos und unspektakulär. Anders – nämlich frustrierender – fühlt es sich an, wenn man im Profispiel mit nur noch sechs Lagerplätzen auskommen muss. Ohne dass man mehr Einfluss aufs Geschehen hätte, sind die Folgen, wenn man mal aus dem Rhythmus kommt, wesentlich härter.
Läuft es, erfüllt man Aufträge, leert das Lager, und durch Auftrags-Belohnungen und Ausschüttungen der entfernten Segmente füllt es sich fast von allein wieder auf. Aber manchmal läuft es eben nicht. Die Ausschüttungen verfallen wegen Platzmangel. Und man muss einen ganzen Zug opfern und obendrein Waren abwerfen, nur um dafür andere Waren nehmen zu können in der Hoffnung, dass Spieler B unter den zwei Aufträgen, die er erfüllen könnte, nicht ausgerechnet denjenigen wählt, der zu der eigenen Warenkombination passt.
In der Variante der Variante können sich die Spieler durch das Erledigen von Aufträgen individuelle Eigenschaften freischalten – was aber nichts am grundsätzlichen Dilemma ändert, dass es flutscht oder eben auch nicht. Die sehr klein gewählte Symbolik bereitet kein Vergnügen. Alles wird nur noch ein bisschen umständlicher. Deshalb gefällt mir SOLENIA in der Grundversion noch am besten.

Was taugt es? SOLENIA ist attraktiv gestaltet und folgt spielerisch klaren und logischen Prinzipien. Die Idee eines rotierenden Spielplans ist betörend. Nur entwickelt sich daraus zu wenig und SOLENIA bleibt im Herkömmlichen stecken.


*** mäßig

SOLENIA von Sébastien Dujardin für einen bis vier Spieler, Pearl Games.

1 Kommentare:

Roland Goslar hat gesagt…

Ableitung

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