Samstag, 2. Juni 2018

Iquazú

Manche Rezensionen müssen sein, weil man sie dem Spiel schuldig ist. Und nach diesem Satz dämmert rund eine Million Lesern: Ähm … ist dies wohl so eine?
Ja, genau. Und warum? Weil IQUAZÚ in meinen Spielegruppen zu den bestbewerteten Spielen der Saison gehört. Sicher nicht unter denjenigen, die Kenner- oder Expertenspiele spielen wollen. Aber es gibt ja tatsächlich noch sehr viele andere Spieler.

Wie geht IQUAZÚ? Es ist ein Mehrheitenspiel. Wir platzieren Edelsteine unserer Farbe in fünf Spalten. Ist die linke gefüllt, wird sie ausgewertet, und die Mehrheitenbesitzer punkten. Anschließend werden auch die fünf Zeilen gewertet. Hier gewinnen die Mehrheitenbesitzer Plättchen mit unterschiedlichen Funktionen.
Das Spielfeld verändert sich nun: Die linke Spalte wird abgedeckt und ist aus dem Spiel, rechts kommt eine neue Spalte hinzu. Edelsteine, die man weiter rechts platziert, nehmen also an mehreren Wertungen teil. Allerdings kosten sie auch mehr. Einen Edelstein auf einem Feld der ersten Spalte abzulegen, kostet eine Karte in der Farbe des Feldes. In der fünften Spalte kostet es fünf.


Was passiert? Anfänger unterschätzen den Wert der Spalten weiter rechts und die Bedeutung von Tempo. Wer am Zug ist, platziert entweder einen Stein. Oder er zieht vier Handkarten. Ballert man seine Karten raus, muss man oft nachziehen und verliert Züge. Spart man seine Karten, erreicht man keine attraktiven Plätze.
Der Königsweg ist deshalb, außer der Reihe nachzuziehen, wofür man diejenigen Plättchen erobern muss, die genau das erlauben. Und wenn es erst mal läuft, dann läuft es: Wer viele Hartkarten hat, kann weiter in die zweite, dritte, vierte Spalte spielen, erobert deshalb erneut die Plättchen (bei Gleichstand gewinnt der am weitesten rechts liegende Edelstein), hat wieder mehr Handkarten und so weiter.
Aber man spielt ja nicht nur gegen Anfänger. Und jetzt ergeben sich interessantere Dynamiken. Wird die linke Spalte längere Zeit links liegen gelassen, wird es in den anderen Spalten umso voller. Und so können sich wahre Wertungs-Kettenreaktionen ergeben, bei denen ein Spieler zwischen mehreren Wertungen nicht ein einziges Mal an die Reihe kommt. Timing wird nun umso wichtiger, um im entscheidenden Moment handlungsfähig zu sein.


Was taugt es? Mehrheiten … na ja, nicht gerade hip. Und wohl deswegen fliegt IQUAZÚ unter dem Radar. Mit schnörkellosen Regeln und in kompakter Spieldauer bietet es einige taktische Möglichkeiten; das dynamische Spielfeld empfinde ich als neuartig. IQUAZÚ sieht außerdem hübsch aus, der Spielaufbau ist mechanisch gut umgesetzt.
Ein Thema ist allerdings nicht vorhanden. Und die Raumaufteilung auf dem großen Spielbrett erweist sich als unpraktisch. Es gibt keinen Platz für Nachzieh- und Ablegestapel, und so landen Karten immer wieder auf der umlaufenden Siegpunktskala und verschieben die schlecht sichtbaren Anzeigersteine.
Ich kann würdigen, dass andere Menschen sehr gerne IQUAZÚ spielen und ich bin auch freiwillig mit dabei. Neugierig auf weitere Partien bin ich allerdings nicht. Dazu habe ich so etwas schon zu oft gespielt. Die Muster wiederholen sich.


**** solide

IQUAZÚ von Michael Feldkötter für zwei bis vier Spieler, Haba.

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