Dienstag, 2. April 2019

Neom

In der folgenden Rezension taucht der Name eines anderen Spieles fast genauso oft auf wie der des rezensierten Spiels. Ich könnte bei dieser Gelegenheit natürlich ein Quiz machen, um welches Spiel es sich handelt. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die Lösung wirklich subtil genug versteckt habe.

Wie geht NEOM? Man kann es kaum anders sagen: wie 7 WONDERS, nur mit Straßen. Und mit Plättchen. Diese Plättchen draften wir. Man wählt eins und baut es mit passender Wegeverbindung in seine Stadt. Oder wirft es gegen Geld ab. Oder wirft es ab, um stattdessen ein „Ankergebäude“ zu bauen, was den Weltwundern aus 7 WONDERS entspricht.
Manche Bauten kosten Geld, manche erfordern Waren. Waren werden entweder von den eigenen Plättchen produziert oder man kann sie sich – ähnlich 7 WONDERS übrigens – bei anderen Spielern gegen Bezahlung ausborgen. Wie 7 WONDERS geht auch NEOM über drei Durchgänge. Es gewinnt der Spieler mit der punktbesten Stadt.
Vereinfacht gesagt, gibt es folgende Plättchensorten: Wohnungen (bringen Punkte, insbesondere wenn viele von ihnen über Straßen direkt miteinander verbunden sind), Geschäfte (bringen Geld; auch Geld zählt am Ende merklich Punkte), Industrie (bringt Waren, stört durch Abgase aber benachbarte Wohngebiete), Öffentliche Gebäude (bringen mal dies, mal das, also die Abwechslung ins Spiel).
Und in jeder Epoche gibt es ein Katastrophen-Plättchen. Wer es auswählt, ist nicht vom Ungemach betroffen und bewirkt, dass andere Spieler Geld zahlen oder Plättchen abreißen müssen. Wer wenig Geld hat und sich eine Katastrophe nicht erlauben könnte, ist oft deren Auslöser.


Was passiert? NEOM geht – wie 7 WONDERS – schön flott und animiert – wie 7 WONDERS – dazu, verschiedene Extremstrategien auszuloten. Dabei ist man immer auch vom Glück abhängig. Plättchen können in einer günstigen oder ungünstigen Reihenfolge oder gar nicht bei einem ankommen. Man sollte sich an den Mitspielern orientieren und einen anderen Kurs fahren als der Nachbar.
Die Katastrophen bringen bei aller Gemeinheit Würze ins Spiel. Es hat sich bewährt, ihr Auftauchen einzukalkulieren, entweder indem man schützende Gebäude baut oder Geld hortet oder einige Plättchen überwiegend für den kurzfristigen statt für einen langfristigen Nutzen platziert, so dass es nicht allzu traurig wäre, diese Plättchen später wieder abzugeben.
Der größte Mehrwert gegenüber 7 WONDERS ergibt sich daraus, dass NEOM ein Legespiel ist. Plättchen mit guten Straßenverbindungen sind in der Anschaffung teurer. Plättchen, die Waren schon eine Epoche früher als üblich ins Spiel bringen, kappen Wege. Neben Geld- und Warenmanagement ist man also zusätzlich noch mit Straßen-Management beschäftigt. Es ergeben sich schöne Zwänge und Dilemmata.

Was taugt es? Wie eventuell schon zart angeklungen ist, nimmt NEOM gewisse Anleihen bei 7 WONDERS. Vieles, was in 7 WONDERS Spaß macht, macht auch in NEOM Spaß, ohne dass ich es als das besondere Verdienst von NEOM ansehen kann.
Aber: Trotz vieler gespielter Partien reizt NEOM immer noch zu Wiederholungen, und daran haben die 7 WONDERS hinzugefügten Elemente eindeutig ihren Anteil. Auch zu zwei und allein funktioniert NEOM ordentlich. NEOM ist ein stimmiges, rundes Gesamtpaket, das bei angenehm kurzer Spieldauer einen tollen Spannungsbogen erzeugt und sich nicht so schnell verbraucht.
Am wenigsten gelungen finde ich die „Ankergebäude“. Prinzipiell sind sie eine gute Sache, aber sie bringen – obwohl jedes einzelne in der Anleitung hervorragend erklärt wird – Probleme mit sich. Mit einigen lässt sich deutlich leichter punkten als mit anderen. Das entschärft sich, wenn diese Plättchen zu Spielbeginn gedraftet werden.
Genau genommen sieht die Spielregel das auch vor. Doch die Symbolik dieser Plättchen ist winzig und teilweise schwer verständlich. Jeder – und dies nicht nur in der ersten, sondern auch in späteren Partien – will erst mal die Anleitung konsultieren, um zu erfahren, was er da bekommen hat. Weil es nur eine Anleitung gibt, zieht sich die Orientierungsphase hin. Und kaum wurden die Plättchen weitergegeben, besteht dieselbe Situation erneut. Man hat neue Plättchen und rätselt, was diese wohl bedeuten. Ich glaube, es hätte dem Spiel gutgetan, sich auf weniger und dafür klarere und gut ausbalancierte Ankergebäude zu beschränken.


***** reizvoll

NEOM von Paul Sottosanti für einen bis fünf Spieler, Lookout Spiele.

2 Kommentare:

Raphael hat gesagt…

Danke für die Rezension. Ich kann mir gut was darunter vorstellen, da es mit einem anderen Spiel, dass ich kenne verglichen wurde.

Michael K. hat gesagt…

Raphael, bitte sag uns Lesern doch, mit welchem Spiel Neom verglichen wird. Es ist furchtbar ärgerlich, wenn man so lange rumrätseln muss.

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