Wenn es in Legespielen neuerdings Punkte für Flickenteppiche gibt, dürfen Einleitungen auch unvollständi
Wie geht FROSTED BLOOMS? Wir legen Legeteile (Pentominos). Auf zwei ihrer Felder ist Wasser abgebildet, auf den anderen drei unterschiedliche Tulpensorten. Jede Runde bekomme ich ein Teil und lege es bei mir an. Anschließend werte ich eine meiner drei Handkarten und ziehe eine neue nach. Wir spielen mit identischen Decks aus denselben zehn Karten.
Meine Wertungskarten belohnen, dass ich bestehende Flächen gleicher Elemente mit meinem Legeteil vergrößere. Zeigt die Karte Wasser und eine weiße Tulpe, will ich möglichst gleichzeitig ein bestehendes Wassergebiet und ein Beet mit weißen Tulpen vergrößern.
In der Wahl meines Teils bin ich nicht frei. Bestenfalls fünf Plättchen habe ich zur Auswahl. Sie sind als Rondell angeordnet, das wir mit einer gemeinsamen Figur umkreisen. An jedem Plättchen, das ich in meinem Zug überspringe, muss ich ein Geldstück ablegen, das bekommt, wer irgendwann dieses Plättchen nimmt. Besitze ich kein Geld, muss ich das nächste Plättchen im Uhrzeigersinn nehmen.
Mit den Wertungskarten erziele ich etwa die Hälfte meiner Punkte. Baue ich so, dass Lücken entstehen, kommen entsprechend der Lückengröße sofort Arbeiter, Scheunen oder Windmühlen hinein. Auch sie punkten. Je löchriger ich baue, desto schwieriger wird es allerdings, viele gleiche Elemente aneinanderzulegen und mit meinen Karten zu punkten.
Eine dritte Punktequelle sind zufällig ausgeloste Ziele. Ich soll acht oder gar zehn lila Tulpen als Gruppe kombinieren oder zwei oder drei oder vier Scheunen aufstellen. Um diese Wertungen liefern wir uns ein Wettrennen.
Was passiert? FROSTED BLOOMS bricht mit Legespielgewohnheiten. Einigen Spieler:innen fällt es anfangs schwer, überhaupt Lücken zu lassen. Da die Vorteile einleuchten, sobald wer anderes das tut, lernt man das aber.
FROSTED BLOOMS ist zudem ein grüblerisches Spiel. „Bestenfalls“, schrieb ich oben, habe ich fünf Plättchen zur Auswahl. Meine Mitspieler:innen freuen sich wahrscheinlich, wenn es weniger sind. Denn viele Spieler:innen können die komplexen Legeteile nicht allein durch Vorstellungskraft beurteilen, sondern müssen den Anbau ausprobieren. Und so kann manche Entscheidungsfindung arg lange dauern, zumal man die Teile auch auf ihre Rückseite wenden darf, was weitere Möglichkeiten eröffnet.
In einigen Runden wurde bemängelt, es gebe einen Startspieler:innenvorteil. Was sich nicht von der Hand weisen lässt: Liegt das Ziel aus, zehn Wasserfelder zu verbinden, sind das für die Startperson sichere und leicht verdiente Punkte. Und auch bei anderen Zielen sind Startpersonen potenziell immer einen Schritt voraus. Allerdings kann man nicht auf beliebig viele Vorhaben gleichzeitig spielen. Und der Nachteil, das Spiel mit nur einer Münze zu beginnen, schränkt die Startspieler:in auch merklich ein.
Ob es einen Vorteil gibt, hängt meines Erachtens von den ausgelosten Zielen ab. Grundsätzlich geben die Ziele eine gewisse Spielrichtung vor (deswegen sind es ja Ziele). Attraktive Gebäudeziele unterstützen eine Bauweise, die auf Lücken setzt. Und ohne attraktive Tulpenziele gewinnt man mit einer Flächenstrategie wohl selten einen Blumentopf.
Was taugt es? FROSTED BLOOMS ist interessant. Wir müssen anders denken als in anderen Legespielen. Trotz teilweise langer Wartezeiten ist es auch interaktiv. Beim Wettlauf auf die Ziele muss ich mich immer wieder orientieren, wie ich im Verhältnis zu den anderen dastehe. Die Ziele geben mir einen langfristigen, die Handkarten einen kurzfristigen Fokus. Meine Pläne mit den ausliegenden Teilen und meinem Geldvorrat in Einklang zu bringen, ist ein herausforderndes Dilemma.
Ich spiele FROSTED BLOOMS gerne. Für ein derart verkopftes Legespiel finde ich allerdings nicht viele Mitspieler:innen. Und ich selber fühle mich in fluffigeren und intuitiveren Legespielen ebenfalls wohler.
**** solide
FROSTED BLOOMS von Bruno Cathala und Ludovic Maublanc für eine:n bis vier Spieler:innen, Synapses Games / Elznir Games.



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