Samstag, 20. Juni 2026

Fifty

Fifty: Cover

Ääh … Stopp!

Wie geht FIFTY? Ich notiere geheim fünf Zahlen zwischen 1 und 49 und hoffe, dass die anderen Spieler:innen andere Zahlen notieren. In der Auswertung werden die Zahlen von 1 bis 49 aufgerufen, und ich gewinne Punkte, je länger nach meiner Zahl niemand anderes „Stopp!“ ruft und damit anzeigt, diese Zahl notiert zu haben. Angenommen, ich habe die 18, und erst sechs Zahlen später ist von irgendwem die 24 belegt, gewinne ich sechs Punkte.
Woher man wissen will, welche Zahlen die anderen aufschreiben? Man weiß es nicht. FIFTY ist Intuition oder Psychologie – oder pures Glück. Ich kann es gleich mit der 1 probieren in der Hoffnung, dass niemand sonst so tief rangeht. Es kann aber sein, dass jemand die 2 hat. Oder ebenfalls die 1. In Fall einer Mehrfachnennung gibt es übrigens Trostpunkte.

Was passiert? Einen gewissen Anhaltspunkt bieten die Tabuzahlen. In jeder Runde sind irgendwelche Zahlen verboten, beispielsweise alle mit einer 7 hinten. Und notiere ich nun 36, gewinne ich, wenn ich gewinne, mindestens zwei Punkte, da die 37 niemand haben kann. Allerdings klappt das natürlich nur, wenn ich alleine auf der 36 bin. Und das Manöver ist sehr durchschaubar, weshalb ziemlich sicher jemand oder mehrere bei der 38 auf der Lauer liegen. Vielleicht bin ich schlauer als die und schreibe 39. Oder um noch schlauer zu sein als die, die 39 schreiben: Ich schreibe 40.

Fifty: Material

Es ist schon erstaunlich, wie wenig genügt, um den Eindruck zu vermitteln, es könne sich lohnen, über die Auswahl der Zahlen nachzudenken. Und wie wenig genügt, um Spielspaß, Spannung und Schadenfreude zu erzeugen. Wenn ich „Stopp!“ rufe und mir damit das Vorrecht erobere, Punkte zu gewinnen, bin ich es auch, der bis zum nächsten „Stopp!“ weiterzählt. Das schafft emotionale Beteiligung. „41“, sage ich und rücke den Glasstein auf meiner Wertungstafel voran. „42“ … und setze den nächsten Schritt. „43?“ … und bibbere schon. Klappt es noch einmal?
Auch bei anderen fiebere ich mit: Kann denn wirklich niemand dazwischengrätschen, wenn ein Glückspilz Zahl auf Zahl auf Zahl ansagt und damit einen Punkt nach dem nächsten sammelt? Und kaum komme ich endlich selber mal zum Zug, heißt es gleich wieder: „Stopp!“ Grrr! FIFTY lebt davon, dass die Teilnehmer:innen ihr Glück oder Pech auch ein bisschen zelebrieren.

Was taugt es? FIFTY bereitet für 15 Minuten zuverlässig Spaß und versetzt die meisten Gruppen eine positive Stimmung. Natürlich: Es gibt immer welche, die solch ein simples Spiel ablehnen, und mit denen ist es gleich weniger lustig.
FIFTY ist minimalistisch. Es ist einfach, es hat immer denselben Ablauf, man hat Glück oder Pech und freut oder ärgert sich drüber. Für das Wenige ist FIFTY schon wirklich gut. Andererseits ist es eben wirklich wenig, und ich fürchte, für so wenig wird man das Spiel dann eben doch nicht regelmäßig hervorholen.


**** solide

FIFTY von JinWoo Seo für drei bis sieben Spieler:innen, iello.

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