Rein zahlenmäßig sind die Monster meinen Einleitungen klar überlegen – aber sind sie auch genauso stark?
Wie geht MASSENWEISE MONSTER? Ich lege insgesamt neun Plättchen in mein drei mal drei Felder großes Raster. Die Plättchen zeigen Wege (Geraden, Kurven, Doppelkurven und Bücken) sowie mindestens zwei Monster. Mit den Wegen möchte ich Ein- und Ausgänge verbinden, die Monster möchte ich gezielt sammeln und effizient anordnen.
Am Ende gibt es für jeden korrekten Weg sowie für jede Monsterart Punkte. Fledermäuse beispielsweise zählen nur, wenn senkrecht oder waagerecht mindestens eine weitere Fledermaus angrenzt. Werwölfe zählen einen festen Punktwert, aber wer die meisten Werwölfe besitzt, bekommt einen Bonus. Schleim bringt einen Punkt für jede Kurve in meinem Bau. Skelette punkten für auf den Plättchen abgebildete Diamanten. Und so weiter.
Was passiert? Am Anfang ist das recht verwirrend, und notgedrungen guckt man immer wieder auf die Übersicht: Welche der neun Monstersorten zählt noch mal wie? Nach ein paar Partien weiß man das dann aber auswendig. Durch die Wegeverbindungen wird man auch geleitet: Ob ich eine Kurve oder eine Brücke brauche, weiß ich schon ohne Kenntnis der Monstersorten. So ergibt sich eine gedankliche Vorsortierung, welche Plättchen für mich eher in Frage kommen als andere.
Orientierung bietet mir auch mein Schlussplättchen, das ich schon von Beginn an kenne: Jede:r bekommt ein geheimes Teil, das als neuntes und letztes im Raster platziert werden muss. So habe ich etwas, auf das ich hinspiele. Die meisten Monsterarten punkten höher, wenn ich viele dieser Monster habe. Ist mein Schlussteil eines mit Fledermaus und Werwolf, würde ich auf jeden Fall noch eine zweite Fledermaus nebenan haben wollen und mich vermutlich auch um die Werwolf-Mehrheit bemühen.
Der Auswahlmechanismus ist einfach und dennoch erstaunlich raffiniert: Im Spiel zu fünft stehen pro Runde neun Plättchen zur Wahl, zunächst als verdeckter Stapel. Jede:r wird exakt eines dieser Plättchen bekommen. Bin ich dran, darf ich eines der bereits aufgedeckten Plättchen nehmen. Ist keines aufgedeckt oder gefallen die mir nicht, decke ich ein neues Plättchen auf und darf nun dieses nehmen oder muss vorläufig passen. Komme ich wieder an die Reihe, durchlaufe ich exakt dieselbe Routine und könnte nun also auch ein Plättchen nehmen, das ich zuvor verschmäht habe – falls es da noch liegt.
Das ist ein kleiner Zock: Ist das, was ich kriegen kann, bereits gut genug? Oder hoffe ich, dass im Stapel noch etwas Besseres auftaucht? Da ich sehe, was die anderen auf ihre Tafeln legen, kann ich auch realistisch abschätzen, welche Teile begehrt sein dürften und vermutlich nicht lange im Pool liegen bleiben.
Was taugt es? Sind alle mit dem Spiel vertraut, dauert MASSENWEISE MONSTER wegen seiner einfachen Grundstruktur tatsächlich nur die auf der Schachtel angegebenen 20 Minuten und bietet für diese Spieldauer reichlich Puzzelei und Poker. Wegen der kurzen Spieldauer und der merklichen Lernkurve hieß es in meinen Gruppen im Anschluss oft: noch mal!
Bei allem Ziehglück hängt vieles von meinen Entscheidungen ab. Über mehrere Partien hinweg kann ich probieren, meinen Highscore in die Höhe zu treiben. Ich kann verschiedene Strategien testen, um auszuloten, was funktioniert und was nicht.
Wenn ich die Ergebniszettel vieler Partien vergleiche, sind manche Monster ganz offenbar beliebter als andere. Manche sind eher die Punktebringer, andere eher die Ergänzungsmonster. Ich sehe das nicht als Manko an, teilweise ergibt sich das auch schon aus der Häufigkeit dieser Monster im Spiel.
Nicht so glücklich bin ich mit der Illustration. Bei manchen Teilen mit zwei abgebildeten Wegen ist nicht auf den ersten Blick klar zu unterscheiden, welches Monster zu welchem Weg gehört. Und so toll und wichtig Übersichten sind: Die in MASSENWEISE MONSTER sind etwas unübersichtlich geraten, ein Fehler ist drauf, und manche der Kurztexte haben meine Mitspieler:innen verwirrt.
***** reizvoll
MASSENWEISE MONSTER von Michael Luu für zwei bis fünf Spieler:innen, Lookout Spiele / Asmodee.



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