Dienstag, 11. August 2026

Got Five!

Got Five: Cover

Got none …

Wie geht GOT FIVE? Wir deduzieren. Auf meinem Plättchenhalter befinden sich fünf verschiedenfarbige Zahlensteine. Ihre Werte sind für mich unsichtbar, für meine Mitspieler:innen sichtbar.
Ich soll herausfinden, welche Zahlen ich habe. Gelingt mir das zuerst, habe ich gewonnen. Meine Hilfen sind: a) Irgendwer hat bei Spielbeginn die Zahlen auf meinem Halter aufsteigend sortiert. b) Ich besitze ein Tableau, auf dem ich die Zahlenverteilung im Spiel ablesen kann. Als blaue Steine gibt es beispielsweise nur die 3, 8, 13, 18 und so weiter. Und wenn meine kleinste Zahl eine blaue ist, weiß ich schon mal, dass ich weder die grüne 1 noch die rosafarbene 2 besitzen kann.
Ebenso kann ich alle Zahlen ausschließen, die ich auf den Haltern meiner Mitspieler:innen sehe. Und weil ich einen Folienstift habe und auf dem Tableau rummalen kann, lässt sich das alles sehr leicht nachhalten.

Was passiert? Bin ich am Zug, decke ich einen Stein in der Tischmitte auf. Fünf Steine liegen dort ohnehin schon offen (auch deren Zahlen schließe ich natürlich aus), nun sind es sechs. Einen der Steine wähle ich für eine Abfrage. Ich kann entweder fragen, wo dieser Stein – sagen wir, es ist eine blaue 13 – bei mir einsortiert werden müsste. Und erfahre nun etwa, dass diese 13 nach ganz links gehörte, also kleiner ist als jede meiner Zahlen. So ergibt sich: Meine blaue Startzahl muss mindestens eine 18 sein, was wiederum alle Zahlen aller Farben unter 18 auf meinem Halter komplett ausschließt.

Got Five: Halter

Die zweite mögliche Abfrage bezieht sich auf die Anzahl der Markierungspunkte auf einem Stein. Es sind entweder einer, zwei oder drei, und genau das kann ich (indirekt) abfragen: ein üblicher Zug, wenn das Eingrenzen keine großen Fortschritte mehr bringt oder für einen bestimmten Stein nur noch wenige Möglichkeiten bleiben.
So taste ich mich vorwärts. Und irgendwann kann ich lösen. Oder wer anderes ist schneller. Oder ich löse, und es ist leider falsch und ich bin raus. Das passiert, weil man sich manchmal eben doch vertut – oder zockt, um schnell zu sein.

Was taugt es? GOT FIVE! ist eines der leichteren Logikrätsel, strengt nicht sonderlich an und spielt sich – anders als die meisten Spiele des Genres – sehr locker. Das Tableau hilft enorm, um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Got Five: Tableau

Manche Spieler:innen schlussfolgern etwas gewiefter als andere und können aus den gegebenen Informationen etwas mehr herausholen. Manche fragen auch etwas gewiefter ab. Sehr entscheidend ist dennoch das Glück: Werden Steine aufgedeckt, die mir neue Informationen bringen? Werden Steine aufgedeckt, die sich gut für Abfragen nutzen lassen? Bringen meine Abfragen merkliche Fortschritte?
Wer anfängt, hat einen großen Vorteil. Nämlich oft einen Zug mehr. Und allein schon die Zahlenverteilung auf den Haltern entscheidet viel. Manche Kombinationen sind leichter zu knacken, andere schwerer. Einer meiner Mitspieler hat sich den Spaß gemacht, aufgrund der für ihn sichtbaren Startkonstellation zu prognostizieren, wer gewinnen wird – und hatte meistens recht.
GOT FIVE! will aber sicherlich kein knallharter Logikwettbewerb sein, bei dem immer dieselben Genies gewinnen und sich daraufhin intelligenter fühlen dürfen als wir Normalsterbliche. Es ist ein bisschen Gehirnjogging ohne Schwitzen. Es ist wie ein entspannendes Sudoku am Nachmittag, nur mit mehreren Personen. Auch wenn es mich nicht nachhaltig an den Tisch lockt, finde ich GOT FIVE! für das, was es (meiner Meinung nach) sein will, völlig in Ordnung. Weil es zuverlässig und niedrigschwellig tut, was es tun soll, kommt GOT FIVE! in meinen öffentlichen Spielerunden sehr gut an.


**** solide

GOT NONE! von Yoann Levet für zwei bis vier Spieler:innen, Blue Orange.

3 Kommentare:

KK hat gesagt…

Wer GOT FIVE auf die gleiche "solide"-Stufe stellt wie CRYPTID, weiss offenbar kleine wirklichen Deduktionsspiele zu schätzen. Gegen das stark glückslastige Deduzieren bei GOT FIVE verdient CRYPTID mindestens ein AUSSERORDENTLICH, mE aber sogar ein GENIAL.

Thomas Bornheim hat gesagt…

Es ist seit der Erfindung der Kritik mindestens problematisch, die Kategorie "wirkliches" {Genre}(Deduktion, Strategie, Glück) {Gattung} (Spiel) aufzustellen, und dann auch noch zu behaupten, man wisse, was genau die Qualitätsdimensionen seien.

Achtung: das war eine Einleitung.

Es wird in der Rezension doch gut dargelegt, dass es sich hier um ein gefälliges und schnell zugängliches Familienspiel handelt. Cryptid ist dann das nächste Level. Und dann kommt vielleicht Planet X oder Turing Machine (vom gleichen Autor wie Got Five).

Das Urteil des Kritikers lese ich in diesem Fall als: für den Spielekenner Udo (und seinem Mitspieler wie bei Ihnen) durchgefallen. Aber für Spielerunden mit nicht durchgängig Initiierten ist es offenbar eine große Freude.

Diese Veränderung in Udos Bewertungen verfolge ich seit Jahren und empfinde sie (als jemand, der selbst einige hundert Spiele kennt und andere zum Spielen bewegt) gut nachvollziehbar. Ich persönlich konnte Cryptid leider(!) nicht so einfach auf den Tisch bringen wie Got Five. Werde es aber jetzt nochmal versuchen. Danke!

Sebastian hat gesagt…

Ich denke "KK" hat den Text gar nicht gelesen. Schade, denn noch transparenter und expliziter kann die Einordnung doch gar nicht erfolgen: "finde ich GOT FIVE! für das, was es (meiner Meinung nach) sein will, völlig in Ordnung".

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