Samstag, 28. Juli 2018

Bring mich nicht mit (24): Conex

Sommerferien sind klassischerweise die Zeit für kleine Mitbringspiele. Doch REZENSIONEN FÜR MILLIONEN macht keine Sommerferien. Völlig folgerichtig geht es hier deshalb um solche Spiele, die man besser nicht mitbringt.


So geht Marketing: Obwohl viele Spiele mittelmäßig sind, gilt es, unverdrossen immer wieder so zu tun, als sei das vorliegende irgendwie besonders. Sonst kauft es ja keiner. Und so geht die Bring-mich-nicht-mit-Serie: Obwohl alle vorgestellten Spiele langweilig sind, gilt es, unverdrossen immer wieder so zu tun, als sei das vorliegende irgendwie besonders langweilig. Sonst liest das ja keiner.

CONEX – so steht es als Präambel in der Anleitung – sei „kein normales Kartenspiel“. Seine Entwicklung sei – und das wiederum steht auf der Schachtel – das Ergebnis „orchestrierter Handwerkskunst“ „multidisziplinär“ arbeitender „Produzenten, Designer, Künstler und Spiele-Enthusiasten“.

Außerdem ist CONEX ein Legespiel. Farbsegmente auf den Spielkarten zeigen, wie Karten auf bereits liegende Karten gelegt werden dürfen. Entsprechend der Zahl im Farbsegment zählen sie dann Punkte. Achtung, Spoiler, ich verrate die beste Strategie: Sie besteht darin, so zu legen, dass es möglichst viele Punkte bringt. Habe ich die Wahl, meine Karte für vier oder für zwei Punkte anzulegen, wähle ich die Variante mit vier Punkten.

Um den strategischen Ansatz des Spiels zu vertiefen, lösen manche Karten zudem einen Würfelwurf aus. Mit unterschiedlichen Folgen: Vielleicht darf ich außer der Reihe eine Karte ziehen. Oder ich darf zwei ziehen. Zukünftig habe ich mehr Auswahl. Oder ich gewinne einen „2x-Stern“. Der bringt, wenn man ihn einsetzt, doppelte Punktzahl. Und, Achtung, ich spoilere erneut: Die beste Strategie im Umgang mit dem 2x-Stern ist: ihn einzusetzen!

Gewiss: Man hat meist mehrere Karten auf der Hand und muss somit mehrere Möglichkeiten prüfen. Und es gibt ein paar Legeregeln: Karten dürfen nicht mehrere Karten berühren und auch nicht über die Tischkante ragen. Aber nur weil man Dinge beachten muss und DesignerProduzentenKünstler den Spiele-Enthusiasten bei der Komposition unter die Arme gegriffen haben, wird aus einer Gruppenübung an Belanglosigkeit noch kein besonderes Spiel.

Trotzdem bin ich bereit, mich mit dem Marketing von Haba darauf zu einigen, dass CONEX ungewöhnlich ist. Denn wären alle Kartenspiele wie CONEX, müsste man das Kartenspielen aufgeben und zu einem der großen Irrtümer der Menschheit erklären.

Und nachdem sich nun herausgestellt hat, dass die angebliche Besonderheit von CONEX nur ein Lockvogel war, damit es jemand kauft, nehmen Sie es mir hoffentlich nicht übel, dass sich auch die von CONEX ausgehende Langweilige nicht wesentlich von anderen langweiligen Spielen unterscheidet. Übrigens habe ich das in der Einleitung auch gar nicht behauptet, sondern allenfalls als Möglichkeit in den Raum gestellt. Sie wissen schon: damit es jemand liest.


** misslungen

CONEX von Prospero Hall für zwei bis vier Spieler, Haba.

1 Kommentare:

Thomas hat gesagt…

Herrlich, diese Rezension. Wie man doch über ein langweiliges Spiel so unterhaltsam schreiben kann. Danke für Ihre ehrliche Meinung!

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