Sonntag, 11. April 2021

Vor 20 Jahren (100): Land unter

Lag es an den Schweinen? Oder an den Mitspieler*innen? LAND UNTER fand ich im Jahr 2001 vom Fleck weg toll, während mich vier Jahre zuvor ZUM KUCKUCK! nicht nachhaltig angefixt hatte. Man könnte nun fragen: Ja, und?! Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Und dann komme ich mit meinen 5000 Jahren Spielerfahrung und sage: Hah! Sehr viel!

LAND UNTER ist nämlich ZUM KUCKUCK! mit anderer thematischer Einkleidung und somit anderer Grafik. Allerdings nicht unbedingt in hübscher. Im Gegenteil war LAND UNTER in der 2001er-Ausgabe (Verlag Berliner Spielkarten) reichlich trashig geraten und zeigte vermenschlichte Schweine mit Schnorcheln und Gummistiefeln. Erst 2002 bei Amigo bekam das Spiel Schafe verpasst und war prompt viel niedlicher.

Ich löse auf: Schnorchelschweine oder Piepvögel – mir doch egal. Dass dasselbe Spiel vier Jahre später viel besser ankam, lag wohl an den Mitspieler*innen. Waren die im Jahr 2001 einfach klüger? Na, zumindest waren sie weniger erfolgsfixiert (was Spielen mit Zufallsanteil größere Akzeptanz verschafft). Und die Gruppe war größer. Und LAND UNTER bzw. ZUM KUCKUCK! spielt man besser zu fünft als zu dritt.


Falls jemand das Spiel (Autor: Stefan Dorra) nicht kennt: ein Versäumnis. Wir wählen verdeckt eine unserer Zahlenkarten von 1 bis 60 und decken auf, und im Regelfall fällt herein, wer die zweithöchste Karte gespielt hat. Er / sie bekommt zur Strafe eine fiese Flutkarte, überdeckt damit die eventuell schon vorhandene, und wer nun die schrecklichste Flut hat, verliert ein Leben.

Die Ungewissheit, welches die zweithöchste Karte der Runde ist, mag man nun lustig oder willkürlich finden (von 59 bis 4 habe ich da vermutlich schon so ziemlich alles erlebt). LAND UNTER hat darüber hinaus aber noch clevere Elemente, die das Chaos wohltuend mit Taktik würzen.

1. Die zweithöchste Karte der Runde ist nicht grundsätzlich fatal. Sie bedeutet nur, dass ich eine Flut bekomme. Hat aber wer eine noch schlimmere Flut aus der Vorrunde und kann sie nicht überdecken, trifft es trotzdem nicht mich. Oft fallen Nichtsahnende herein. Sie fühlen sich wunderbar sicher mit ihrem mittelhohen Wasserstand, doch leider gelingt es den anderen, ihre höheren Fluten zu überdecken, und der mittelhohe Pegel ist plötzlich der höchste!

2. Wir starten mit unterschiedlich vielen Lebenspunkten. Blätter mit Extremwerten versprechen mehr Planungssicherheit und bringen deshalb weniger Leben. Trotz zufälliger Kartenverteilung haben wir halbwegs faire Voraussetzungen. Weiterer Ausgleich ergibt sich dadurch, dass jede*r mal mit jedem Blatt spielen muss. Wir geben die Karten nach der Runde reihum weiter. Und wer sich da ein bisschen die Verteilung merkt, kann daraus Vorteile ziehen.

Eine Pointe würde diesem Artikel guttun, aber da müsste ich jetzt irgendwas erfinden, und wenn so etwas rauskommt, ist es immer doof. So wie bei jener neuen Mitspielerin, die, wie sie hinterher erklärte, um ihre „Chancen zu optimieren“, sich zu Spielbeginn einfach ein Leben zu viel zuteilte – was gleich beim ersten Blättertausch herauskam und einen echt üblen Eindruck hinterließ. Nicht zuletzt bei ihrer Mitbewohnerin, mit der sie eine gemeinsame Haushaltskasse führte. Auf Vertrauensbasis ...


2 Kommentare:

Martin G. hat gesagt…

Juhu, die 100. Ausgabe meiner Lieblingsrubrik auf dieser schönen Seite. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. Ich freue mich auf die nächsten 100. Es bereitet mir immer wieder Freude, diese kleinen Anekdoten zu lesen.

Eventuell kannst Du die ersten Ausgaben demnächst unter der neuen Rubrik „Vor 40 Jahren“ neu veröffentlichten. ;)

Martin Schmoll hat gesagt…

Lustiges Spiel!
Bei uns lief es immer als
SCHÄFCHEN VERSENKEN!! :-)

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