Donnerstag, 23. Juli 2009

Montego Bay

Oho, Queen Games hat ein neues Schachtelformat ausgeheckt! Doch die Grafik wirkt so, als käme sie mit den geänderten Flächen noch nicht ganz zurecht: Der unattraktive Schriftzug ruiniert das Cover, und von der Seite lässt ein hellbrauner Grundton die Schachtel unattraktiv und billig wirken. Was deshalb tragisch ist, weil innen drin alles so schön aussieht wie eh und je.

Wie geht MONTEGO BAY? Jeder Spieler besitzt zwei Hafenarbeiter, die ihre Bewegung möglichst vor einem Lager mit vielen Rumfässern beenden sollten. Die ergatterten Fässer werden nach eigenem Gutdünken auf Schiffen verstaut. Alle voll beladen Schiffe legen sofort ab sowie bei Rundenende zusätzlich das am Kai vorderste. Sobald ein Schiff lostuckert, erfolgt eine Mehrheitswertung der geladenen Fässer.
Der eigentliche Witz ist der Figuren-Rundlauf. Geheim und gleichzeitig wird für jeden Mann erst die Zugweite festgelegt, anschließend rennen alle in einer vorher bekannten Reihenfolge los. Landet ein Arbeiter auf einem besetzten Feld, schubst er den Kollegen auf die gegenüber liegende Seite der Lagerhalle, wo dieser hoffentlich viel weniger, manchmal ärgerlicherweise aber auch mehr Fässer vorfindet.

Was passiert? Ein bisschen Zock, ein bisschen Berechnung, ein bisschen Erahnen, was die anderen wohl tun wollen - und ansonsten auf das Beste hoffen. Der Bewegungs-Mechanismus passt zu einem kleinen, flockigen Spiel. Ganz rund wirkt der Ablauf allerdings nicht, denn für die Zuletzt-Ziehenden ergeben sich bisweilen dröge Blockade-Situationen.
Und offenbar erschien den Machern "klein und flockig" als nicht ausreichend und es sollte unbedingt noch eine bodenständige Zutat mit hinein. Tja, und was könnte nun bodenständiger sein als die gute alte Mehrheitsgeschichte...?
Das Herumtaktieren mit den Fässern ist nicht besonders interessant, passt nicht stimmig ins Geschehen und nimmt dem restlichen Spiel viel Wind aus den Segeln. Ebenso halbfertig wirkt auch „Lazy Jack“. Die Spezialfigur soll ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit schaffen, doch Regel- und Material-Aufwand stehen in keinem rechten Verhältnis zum Effekt.

Was taugt es? MONTEGO BAY ist weder Fisch noch Fleisch. In der riesengroßen Schachtel steckt vergleichsweise wenig Spiel. Insofern ist die Sache mit der Cover-Optik dann eigentlich auch wieder egal. Aber schön, dass wir mal drüber geredet haben.

MONTEGO BAY von Michael Feldkötter für zwei bis vier Spieler, Queen Games.

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