Samstag, 24. März 2012

Pictomania

Rezensionen, die am Sonnabend in meinem Blog erscheinen, erhalten die wenigsten Klicks. Und das ist in diesem Fall auch gut so, denn: Dass ich ein Partyspiel mit Malen toll finde, muss ja nun wirklich nicht alle Welt wissen.

Wie geht PICTOMANIA? Alle malen und raten gleichzeitig – soweit es eben gleichzeitig geht...
Auf einem (sehr wackligen, grottenschlechten, fast unbrauchbaren und absolut ärgerlichen!!!) Kartenhalter werden sechs Karten mit je sieben einander ähnlichen Begriffen aufgestellt, beispielsweise „Dorf“, „Stadt“, „Metropole“, „Bauernschaft“, „Campingplatz“, „Zeltstadt“, „Vorstadt“. Die Wörter sind durchnummeriert; zusätzlich ist jeder Themenkarte ein Symbol zugeordnet. Indem alle Spieler eine zufällige Nummernkarte und eine zufällige Symbolkarte ziehen, erfahren sie ihre Malaufträge und legen los.
Nebenbei oder hinterher gibt man Tipps auf die Zeichnungen der anderen ab. Dazu besitzt jeder Spieler Zahlenkarten von eins bis sieben. Glaube ich, mein Nachbar malt Begriff drei, egal von welcher Themenkarte, lege ich verdeckt meine Drei vor ihm ab. Will ich nicht mehr weiterraten und weitermalen, schnappe ich mir einen Punktechip aus der Mitte und steige aus.

Was passiert? Etwas als Erster zu erraten, zählt viele Punkte. Deshalb belässt es die Taktiker-Fraktion bei rudimentären Strichzeichnungen und versucht, vor allem schnell zu sein. Andere stecken viel Liebe in ihr Kunstwerk und begutachten erst nach dessen säuberlicher Vollendung die Schmierereien der Konkurrenz. Die Punktwertung versucht, allzu arges Schmarotzertum in Grenzen zu halten. Je mehr Mitspieler ein Bild nicht erkennen, desto mehr Strafpunkte bekommt der Maler. Und wer am häufigsten falsch rät, kassiert ebenfalls Abzüge, indem sein Aussteiger-Chip plötzlich minus statt plus zählt. Diese Wertung ist zwar durchdacht, aber weder sofort einleuchtend, noch einfach im Handling. Einigen Spielern stehen bei der Erklärung Fragezeichen ins Gesicht geschrieben.
Der Gag bei PICTOMANIA erschöpft sich nicht bloß in hektischem Aktionismus. Seine größte Stärke zeigt das Spiel, sobald sich die Runde an Themenkarten mit höherem Schwierigkeitsgrad heranwagt. Soll man einen der Begriffe „Chaos“, „System“, „Ewigkeit“, „Vergänglichkeit“, „Abstraktion“, „Unerkennbarkeit“ oder „Komplexität“ darstellen und zugleich von den sechs anderen abgrenzen, kommt es nicht mehr auf rein gegenständliches Malen, sondern auf Symbolik an. Sowohl das Erstellen als auch das Deuten einer Skizze werden zu einem intellektuellen Vergnügen; die Auswertung der Bilder mündet in Diskussionen. So holt PICTOMANIA auch Mitspieler ins Boot, die ein ausschließlich albernes Partyspiel ablehnen würden.

Was taugt es? Eine zusätzliche Sofort-Losspiel-Regel und Kartenhalter, die ihren Namen verdienen, hätten PICTOMANIA gut zu Gesicht gestanden. Die Begeisterung, die dieses Spiel bei mir und in den meisten meiner Runden auslöst, ist trotzdem außerordentlich.

PICTOMANIA von Vlaada Chvátil für drei bis sechs Spieler, Pegasus Spiele.

1 Kommentare:

Udo Bartsch hat gesagt…

Leider streikt momentan die Kommentar-Funktion. Auf Bitte von André Bronswijk stelle ich seinen Kommentar hier ein:

"Zum Glück kann man Samstags-Blogs auch an anderen Tagen noch lesen. Schön, dass dir das Spiel gefällt! :-)

Info aus der Pegasus-Redaktion: Eine Schnellstartregel für die zweite Auflage ist so gut wie fertig und geht vermutlich nächste Woche schon mal online. Auch ein neuer Kartenhalter kommt dann ins Spiel. Und ein Tiefziehteil zur besseren Aufbewahrung der Komponenten. Und ein besserer Schwamm zum Wegwischen der Zeichnungen. Und das Cover wird noch schöner. Und ... und ... und ..."

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