Samstag, 21. September 2019

Bring mich nicht mit (27): Go5

Sommerferien sind klassischerweise die Zeit für kleine Mitbringspiele. Aber mittlerweile sind ja gar keine Sommerferien mehr. Völlig folgerichtig wendet sich REZENSIONEN FÜR MILLIONEN jetzt kleinen Spielen zu, die man besser nicht mitbringt.

Verlage im Pech. Menschen haben ein Spiel erfunden, finden es selber ganz toll, ihre Verwandten, Nachbarn und Kegelfreunde finden es auch ganz toll, doch bei einer näheren Prüfung in der Redaktion stellt sich leider heraus, dass das blumig angepriesene Werk („Abwechslung, Taktik und Spannung prägen [Titel des Prototyps] von Spielrunde zu Spielrunde – ACHTUNG SUCHTGEFAHR!“) leider nur eine Abwandlung von MONOPOLY oder MENSCH ÄRGERE DICH NICHT darstellt.

Schade. Schade um die Zeit. Schade um die Mühe. Schade um die Hoffnungen. Einfach schade.

Manchmal hat man aber auch Glück und das blumig angepriesene Werk („Abwechslung, Taktik und Spannung prägen GO5 von Spielrunde zu Spielrunde – ACHTUNG SUCHTGEFAHR!“) erweist sich weder als Abwandlung von MONOPOLY noch von MENSCH ÄRGERE DICH NICHT.

Sondern von ROMMÉ. Abwandlungen von ROMMÉ gibt es noch nicht ganz so viele, und eine – RUMMIKUB – wurde in einem vorigen Jahrtausend auch mal Spiel des Jahres. Das Spielprinzip ist also fast hip. Da geht noch was.

Aber was? Wie man von erfahrenen Autoren immer wieder hört, besteht die Kunst beim Spieleerfinden in der Reduktion. Klassiker sind deshalb Klassiker, weil sie so wunderbar auf den Punkt kommen. Alles, was drin ist, muss auch drin sein, nichts ist zu viel. Folgerichtig ist auch ROMMÉ reduziert. Alles, was drin ist, muss auch drin sein, nichts ist zu viel.

Für mehr Abwechslung, Taktik und Spannung bleibt da nur eins: rrr… rrre… rrred… rrranbasteln! Das geht schon mal damit gut los, dass die Karten mehr Eigenschaften bekommen als nur Farbe und Zahl. Wie wär’s obendrein mit Rautenmuster und verschiedenfarbigem Musterhintergrund? Das ergibt: viel mehr Sammelmöglichkeiten! Und warum sollte es neben den positiven Jokern nicht auch negative Karten geben, beispielsweise Stoppkarten, die den Mitspieler aussetzen lassen. Mal Pause machen ist megaaktuell. Entschleunigen, durchatmen, in sich gehen – Trends unserer Zeit.

Und so weiter. Es ist sicherlich nicht nötig, sämtliche Vorzüge gegenüber ROMMÉ aufzuzählen, die GO5 so abwechslungsreich, taktisch und spannend machen, dass man vor dessen Suchtgefahr in Großbuchstaben warnen muss. Der Nürnberger-Spielkarten-Verlag hat mit einem über Jahre hinweg sehr guten Programm viel Kundenvertrauen geschaffen; da greift man einfach unbesehen zu. Speziell bei GO5 muss man sogar unbesehen zugreifen, sonst würde einem die Grafik auffallen, und dann griffe man doch nicht zu.

Aber zurück noch mal zum Kundenvertrauen.
Kundenvertrauen ist so mühsam zu erwerben und so leicht zu verspielen. GO5 ist andersrum. Leicht zu erwerben, mühsam zu spielen. Sozusagen das Kundenvertrauen-Negativ. Ob das wohl positiv ist?

** misslungen


GO5 von Armin Mumper für zwei bis vier Spieler, Nürnberger-Spielkarten-Verlag.


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