Donnerstag, 23. Januar 2020

Deep Blue

„Der Taucher: Gluck, gluck, weg war er.“ – Diese hochkarätige Schiller-Parodie fanden wir, als ich Kind war, tatsächlich witzig und erzählten sie uns immer wieder. Heute kann ich mich darüber nur noch wundern. Zum Glück hat sich der Humor in den vergangenen Jahrzehnten auch dank Privatfernsehen und Social Media prächtig weiterentwickelt, so dass in Deutschland nur noch über wirklich Witziges gelacht wird.

Wie geht DEEP BLUE? Wir tauchen nach Schätzen. Jede*r Spieler*in verfügt über zwei Schiffe. Mit denen tuckern wir über den Spielplan. Bei einem Wrackplättchen darf getaucht werden. Wer das tut, zieht einen Edelstein nach dem anderen aus dem Beutel, bis entweder eine tödliche Dosis Gefahrensteine gefunden wurde. Oder bis man freiwillig aufhört. Im Falle des Aufhörens kriegt man den Wert der geborgenen Schätze ausbezahlt. Im Falle des Scheiterns gibt es ein paar Trostmünzen.

Oft kassiert die Konkurrenz mit. Wer ebenfalls vor Ort oder zumindest auf einem Nachbarfeld ankert, darf hinzueilen und passiv am Tauchgang teilnehmen. Gefahrensteine lassen sich mittels passender Handkarten abwehren. So kann es geschehen, dass Mittauchende einen gescheiterten Tauchgang überleben und sogar fettere Beute machen. Oder dass diese lästigen Zecken schon mitten im Tauchgang eliminiert werden.
Wir haben also Handkarten, mit denen wir auf die Funde aus dem Beutel reagieren. Es gibt einerseits Karten zur Gefahrenabwehr. Und es gibt Karten, die für herausgezogene Edelsteine Prämien ausschütten. Und das sogar im Falle des späteren Ablebens.
Außerdem gibt es noch Karten, um die eigenen Schiffe fahren zu lassen. Und Karten, die als Geld fungieren, um damit weitere Karten zu kaufen. Womit eine gute Gelegenheit gekommen wäre, um mal die vier Aktionsmöglichkeiten aufzuzählen: Wer am Zug ist, kann entweder eine neue Karte kaufen oder seine Schiffe ziehen oder einen Tauchgang starten oder seinen Ablagestapel (dort landen alle Karten nach Benutzung) mischen und drei davon ziehen. Am Schluss gewinnt natürlich der Reichste.


Was passiert? Zu wenig. DEEP BLUE suggeriert, ein Deckbauspiel zu sein. Allerdings decken sich alle nur zu Spielbeginn mit Karten ein. Später wird es als Zeitverlust angesehen.
DEEP BLUE suggeriert, man könne sich gezielt in verschiedene Richtungen entwickeln: ein Deck, das mehr Geld generiert, einerseits; ein Deck, das mehr Sicherheit verspricht, andererseits. Und tatsächlich werden sich die Decks unterschiedlich entwickeln, jedoch nicht gezielt. Man hat weder die nötige Auswahl beim Einkaufen noch die nötige Anzahl Kaufaktionen, um sein Spiel im Sinne einer Strategie zu beeinflussen.
Viele der Spielhandlungen sind nicht spannend. Taucht jemand anderes, zücke ich als passiver Beteiligter ab und zu eine Karte, ansonsten schaue ich zu. Bin ich nicht mal an der Tauchstelle, schaue ich ausschließlich zu. Ein heruntergespieltes Blatt wieder auf die Hand zu ziehen, kann dauern, weil ich pro Aktion nur drei Karten zurückbekomme. Und bis ich nach dieser Mini-Aktion wieder an der Reihe bin … schaue ich zu.


Was taugt es? DEEP BLUE ist toll gestaltet und hervorragend ausgestattet. Das Spiel macht sehr neugierig und fängt auch sein Thema gut ein. Allerdings steckt hinter all dem großen Material-Aufwand vergleichbar wenig Substanz. Zu selten lässt mich DEEP BLUE relevante Entscheidungen treffen.
Gemessen am Glücksanteil betreibt DEEP BLUE zu viel Brimborium um Kartenkauf, Karteneinsatz und Kartennachziehen. Kartenerträge und Sonderbedingungen durch die Wrackplättchen machen es außerdem kompliziert. Vielen Mitspieler*innen musste ich mehrfach vorrechnen, wie viel Geld sie sich nun eigentlich ertaucht hatten.
Emotionale Höhepunkte erlebt man immer dann, wenn man mal selber unter Wasser geht. Doch das zu tun, ist nicht attraktiv, falls sich zu viele Spieler*innen einklinken. Deshalb wählt man gerne eine andere Aktion und DEEP BLUE kommt nicht recht voran.


*** mäßig

DEEP BLUE von Daniel Skjold Pedersen und Asger Harding Granerud für zwei bis fünf Spieler*innen, Days of Wonder.

9 Kommentare:

Micha A. hat gesagt…

Der/die/das zwanghafte Genderisierungswahn*in ist ziemlich nervig zu lesen. Muss nun jede*r männliche Form*in um ein*e weibliche Form*in ergänzt werden? Oder gar der/die männliche Form*in durch ein*e weibliche Form*in ersetzt werden? Warum nicht die Tischin, die Stuhlin und die Staubsaugerin? Man kann es mit der political Correctness*in auch übertreiben...

Udo Bartsch hat gesagt…

Ich hoffe, darüber entsteht nun keine Diskussion. Ich nehme deine Kritik zur Kenntnis, werde das Gendersternchen aber bis auf Weiteres beibehalten, weil ich es ausprobieren möchte.

Timo Onken hat gesagt…

Im ganzen Text sind drei Stellen gegendert, richtig schlimm! ;)
Ich finde es super, dass Udo hier nach seiner tollen Aktion gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wieder ein inklusives Zeichen setzt.

Der Siedler hat gesagt…

Keine Sorge, ich fange nicht an zu diskutieren - Um Himmels Willen! Ich möchte nur zum Ausdruck bringen, dass ich die Einführung des generalisierenden *-Femininiums für ebenso falsch und störend halte wie Micha.
Trotzdem schaue ich natürlich weiterhin alle paar Tage bei Dir vorbei, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt.

Anonym hat gesagt…

Warum eigentlich nicht diskutieren? Klar, es geht hier ja eigentlich um Deep Blue, andererseits sind die Kommentare hier die einzige öffentliche Interaktionsmöglichkeit. Und wenn man "so etwas" schon anfängt, dann sollte man sich dem auch stellen, denke ich.

Zum "inklusiven Zeichen" von Timo Onken bzw. zur Thematik an sich: Wir müssen wirklich ein glückliches Land sein, wenn wir
a) kein drängenderes Problem haben als diese Genderunsitte (die, nebenbei gesagt, auch sehr viele Frauen nur mit einem Kopfschütteln abtun) und
b) dieses „gravierende“ Problem bereits durch eine eigenwillige, nicht standardisierte und Texte schwerer lesbar machende Schreibweise behoben wird.
Hier geht es auch nicht darum, ob es eine, drei oder 20 Stellen im Text sind, sondern dass dadurch einer von wenigen propagierten Unsitte Vorschub geleistet wird und man (ich vermeide das Wort "gutmenschenhaft“, weil man bei dessen Verwendung gleich in die rechte Ecke gestellt wird) auf jeden Zug aufspringt, der Deutschland noch…ja was? "bunter"? inklusiver? …was auch immer machen soll – ganz egal, wohin er fährt. Soweit ich es beobachte gibt es solche Diskussionen in anderen Ländern in keinster Weise, nur in Deutschland wird mal wieder aus dem Nichts ein Problem erschaffen (ähnlich wie bei der unsäglichen "w/m/d"-Thematik).
Bevor dies aber nun falsch interpretiert wird: Ich bin nicht gegen eine Gleichberechtigung von Frauen und ja, auf diesem Gebiet liegt sicher noch einiges im Argen. Aber ich bin mir relativ sicher, dass durch den *-Feminismus lediglich Texte umständlicher lesbar werden, aber keine einzige Frau gleichen Lohn erhält oder in eine führende Position kommt.

Michael Maschke hat gesagt…

Man(n) kann es auch mit der political incorrectness übertreiben.

Florian hat gesagt…

Ich fand die Rezension sehr hilfreich. Vielen Dank!

Timo Onken hat gesagt…

Es geht ja nicht nur um die feminine Form, sondern auch um alle, die sich nicht im 2-Geschlechter-System wiederfinden. Bitte diese bei der Thematik nicht vergessen :)
zu a) Klar gibt es immer wichtigere Themen, wie den Klimawandel oder Nazis, die unsere Freiheitsrechte torpedieren wollen, aber es gibt auch immer noch genug Zeit, um über andere Themen zu reden. Für Sport, Wetter und die Börse ist ja auch immer noch Zeit.
zu b) Mir wäre eine einheitliche Form auch lieber, aber wir sind eben noch am Anfang und Sprache wandelt sich nicht von heute auf morgen. Aber es lässt sich ja gesellschaftlich sicher eine Lösung finden - den Stern finde ich da schon ganz elegant. Und mit etwas Übung lässt sich das auch leicht lesen. Ich musste mich da auch 'warmlesen'.
Diskussionen in diese Richtung gibt es übrigens in mehreren europäischen Ländern, Frankreich und Spanien nenne ich hier mal.
Du hast natürlich recht, dass allein eine Anpassung der Sprache nicht reicht, aber es ist ein Schritt. Denn Sprache hat auch Einfluss auf unsere Denkweise.
Ich fordere euch nicht auf eure Texte zu gendern, aber nehmt es einfach hin, wenn andere es tun. Andersrum natürlich auch! Da sind in beiden "Lagern" ätzende Hardliner unterwegs.
Ich glaube, das halten wir und hält auch die Sprache aus.
Das noch dazu, mehr kommt von mir nicht mehr :)

Martin Schmoll hat gesagt…

Also ich habe beim lesen die Sternchen gar nicht mehr bemerkt.

Als Udo sie anfangs verwendet hat, sind sie mir noch aufgefallen, inzwischen aber nicht mehr.

Das * finde ich angenehmer als das das BinnenI das früher von SchreiberInnen benutzt wurde.

Ich denke das Deutsche ist eine sehr männliche Sprache, auch z.B. die Nachnamen (Müller, Meier, Schulze statt Müllerin, Meierin oder Schulzin basieren auf männlichen Berufsbezeichnungen). Das kann man ruhig ein wenig auflockern.

Früher hießen unverheiratete Frauen noch Fräulein. Heute ist das nicht mehr so und das ist gut so. Warum hießen unverheiratete Männer nicht Männlein oder Männchen?!

Was ich sagen will:
Wenn man will, kann (und vielleicht auch sollte) man sich daran gewöhnen.
Wenn man das nicht will, kann (aber muss man sich nicht) drüber aufregen.

Und irgendwann wird es normal sein...

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