Mittwoch, 21. Oktober 2020

Azul – Der Sommerpavillon

Ich habe tatsächlich eine ganze Weile überlegt, ob ich es einleitend irgendwie begründen sollte, dass ich ein Spiel bespreche, welches schon seit einem Jahr auf dem Markt ist. Oder mich gar dafür entschuldige. Aber … mmh, nö. Dann lieber gar keine Einleitung.

Wie geht AZUL – DER SOMMERPAVILLON? Genau wie bei AZUL nehmen wir reihum Fliesen aus Manufakturen. Die Regeln dabei sind sehr ähnlich. Ich sammle meine Fliesen jedoch einfach auf einem Haufen und kann unbesorgt so viele nehmen, wie ich möchte.
Anschließend wird gebaut, und während bei AZUL durch meine Vorsortierung bereits entschieden war, was wo landen wird, verläuft diese Phase jetzt spielerischer. Mein Tableau zeigt für jede Farbe sechs Baufelder. Die Kosten, um eine Fliese abzulegen, betragen eins, zwei, drei, vier, fünf oder sechs gleichfarbige Fliesen.
Mein Ziel ist es, Fliesen gleicher Farbe nebeneinander zu bauen und Farbflächen zu vervollständigen. Außerdem möchte ich bestimmte Freifelder auf dem Spielplan umschließen, weil ich dann bis zu drei Bonusfliesen erhalte.


Was passiert? Die erste Spielphase ist in DER SOMMERPAVILLON deutlich unbeschwerter als in AZUL. Zwar kann ich schlauer oder weniger schlau agieren, doch anders als in AZUL lauern hier keine Fallen, in die ich hineintappen könnte und deren Minuspunktlawinen mich aus dem Spiel katapultieren. DER SOMMERPAVILLON ist kein gemeines Spiel.
Allerdings ist diese Spielphase nun auch wesentlich weniger spannend. Viele Fliesen sind besser als wenige Fliesen, und bald ergibt sich obendrein recht klar, welche Farben man gerade benötigt und welche nicht. Aus der Spielphase, die AZUL so taktisch und besonders gemacht hat, ist hier ein unkompliziertes Raffen geworden.
Andererseits ist aus der zweiten Spielphase, die in AZUL nur die Auswertung der ersten war und deren Wertungsmodalitäten manche Spieler*innen überfordert hatten, nun ein Legespiel erwachsen. Die Reihenfolge, in der man seine Felder belegt, lohnt durchaus eine Überlegung. Timing spielt eine Rolle, um Bonusfliesen möglichst dann zu bekommen, wenn die passenden ausliegen. Und dass bis zu vier Fliesen straffrei mit in die nächste Runde genommen werden dürfen und die kommenden Jokerfarben im Voraus bekannt sind, lässt Raum für Taktierereien.


Was taugt es? AZUL – DER SOMMERPAVILLON besitzt neue Qualitäten. Dass das Spiel friedlicher ist, kommt Menschen entgegen, die nicht mehrere Züge im Voraus berechnen wollen, um möglichen Schaden tunlichst von sich abzuwenden.
Für mich ist aber genau das die Tücke, die AZUL bei aller Eleganz so reizvoll und spannend macht: Klar will ich viele Fliesen ergattern, doch wer im falschen Moment den Hals nicht voll genug kriegen kann, fällt rein. In Phase eins steckt in AZUL bereits so viel tiefes Spiel, dass ich keine ausgedehnte Legephase vermisse.
DER SOMMERPAVILLON spielt sich nach meinem Empfinden angenehm, aber eben unspektakulärer und konventioneller und verschenkt einen Teil der ursprünglichen AZUL-Qualitäten.


**** solide

AZUL – DER SOMMERPAVILLON von Michael Kiesling für zwei bis vier Spieler*innen, Next Move.

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