Freitag, 9. Oktober 2020

Spielejahrgang 2019/20:
Was vom Jahrgang übrig bleibt (Teil 2: Anthrazit)

Mit den Spielen im Anthrazitbereich ist es immer so eine Sache. Ich behalte sie – und dann stauben viele von ihnen ein. Weil man sie nicht einfach mal so auf den Tisch legt, nach einiger Zeit die Regeln teilweise vergessen hat, die Feinheiten sowieso, und sich wieder einarbeiten muss. Tja, und wenn ich mich ohnehin einarbeiten muss, nehme ich doch lieber gleich eine Neuheit. Dann habe ich noch was davon.

Natürlich: Ich hätte auch ganz viel davon, das ältere Spiel wiederzuspielen. Nämlich ziemlich sicher Spaß, der bei der Neuheit alles andere als gesichert ist. Aber so funktioniert mein Leben leider nicht. Es wäre zu einfach.

Außer dem Neuheitenfluss, den ich nun mal abzuarbeiten habe, sehe ich mittlerweile aber noch einen zweiten Grund, der mich abhält, all die ganzen aufbewahrten Eurogame-Klassiker aus dem Regal zu ziehen: Viele davon sind sich ganz schön ähnlich. Man optimiert halt. Mal mit Karten, mal mit Würfelpool, mal mit Arbeiterfiguren. Aber in der Rückschau ist manches gar nicht mehr so originell, wie es damals schien.

Das könnte irgendwann auch auf PALADINE DES WESTFRANKENREICHS zutreffen, das ich in diesem Jahr besonders gern gespielt habe und das ich wegen seiner eleganten Struktur weiterhin sehr hoch einschätze. Natürlich muss ich es behalten, denn natürlich möchte ich es gerne wieder spielen. In drei Jahren können wir noch mal drüber reden, ob es tatsächlich dazu kam.

Mein Lieblingsspiel unter den komplexeren war aber in diesem Jahr ein anderes: MARCO POLO II. Ich weiß nicht, ob es sich für den Verlag ökonomisch gelohnt hat, das Spiel zu überarbeiten. Aus meiner Sicht als Fan von MARCO POLO hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Erst im Nachhinein fällt auf, dass Teil 1 teilweise einem unnötig starren System unterlag. Tatsächlich geht es noch besser. MARCO POLO II ersetzt Zwänge konsequent durch Möglichkeiten, ist abwechslungsreicher geworden und verlangt flexiblere Spielweisen.

Am Ende meiner Rückschau komme ich wieder da an, wo ich vor vier Tagen gestartet war: bei den kleinen Spiele, die sich so leicht behalten, so leicht einstecken und so leicht wiederspielen lassen. Zwei Kandidaten aus dem Kennersegment traue ich das in diesem Jahr besonders zu: dem so stimmigen und variablen DER KARTOGRAPH mit seiner wunderbar niedrigen Downtime, dem schönen Thema und dem nötigen Quentchen [korrigiert, U.B.] Quäntchen [noch mal korrigiert, U.B.] Quontchen Interaktion.

Und natürlich dem Spiel, an dem in diesem Jahr kein Weg vorbeiführt: DIE CREW. Was wir hier mit einfachen Regeln und Karten versuchen, erinnert mich vom Gruppengefühl und Grad der Intensität an HANABI. Und es kann vielleicht noch mehr Menschen abholen, denn Stichspiele sind einigermaßen vertraut. Ganz sicher wird die Reise auch noch weitergehen. Wenn es gelungen ist, allein schon ins Grundspiel 50 Missionen zu packen, bin ich, was Zugaben und neue Herausforderungen angeht, sehr zuversichtlich.

3 Kommentare:

Der Siedler hat gesagt…

Quäntchen schreibt man übrigens seit 24 Jahren nicht mehr mit einem e nach dem u, sondern mit ä. Die Nutzung der alten Rechtschreibung beißt sich dann doch ein bisschen mit den verquasten *-Kombinationen in anderen Beiträgen hier. Die waren 1996 nämlich noch nicht so richtig in Mode.

Sternenfahrer hat gesagt…

Das Quentchen mit 'ä' zu schreiben, war aber schon vor 24 Jahren ein eher unsinniger Vorschlag, weswegen es sich vielerorts nicht durchsetzen könnte.

Daniel hat gesagt…

Kompromissvorschlag:
Quëntchen ...
Konsequenterweise kannst du auch ein Querpelchen einführen :)

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