Freitag, 16. Juni 2023

That’s Not a Hat

„Hätt’ ich einen Hut, würd’ ich ihn ziehen.“ (Olaf)

Wie geht THAT’S NOT A HAT? Wir versuchen, uns ein paar läppische Bildkarten zu merken – und scheitern. Bei Spielbeginn hat jede:r eine Bildkarte offen vor sich liegen. Das Spiel startet, indem jemand eine zusätzliche Karte vom Stapel nimmt (einen Rucksack vielleicht), diese Karte auf ihre Rückseite dreht und sie in der dort angegebenen Pfeilrichtung weitergibt mit den Worten: „Hier hast du einen schönen Rucksack.“
Wer beschenkt wurde, hat nun zwei Karten, und gibt, weil man nur eine Karte haben darf, seine vorherige weiter. Sagen wir, es ist ein Apfel. Dazu wird auch diese Karte auf ihre Rückseite gedreht, wieder gibt der Pfeil die Richtung für die Weitergabe vor: „Hier habe ich einen schönen Apfel für dich“.
Und immer so weiter. Nach ein paar Spielzügen sind alle Karten verdeckt, und die ersten Spieler:innen kommen durcheinander, zumal manche Karten linksherum und andere rechtsherum weitergegeben werden. Wer glaubt, ein falsch deklariertes Geschenk erhalten zu haben, darf die Ansage anzweifeln. Die Karte wird überprüft. Wer falsch angesagt oder falsch angezweifelt hat, bekommt die Karte als Strafkarte. Mit einer neuen Karte vom Stapel geht der Geschenkereigen weiter. Alles, was verdeckt ist, bleibt weiterhin verdeckt.


Was passiert? THAT’S NOT A HAT wird üblicherweise unterschätzt. Man denkt, so schwer kann das nicht sein, und irrt grandios. Die Überforderung führt zu vielen lustigen Situationen, insbesondere wenn alle auch über sich selbst lachen können.
In meiner ersten Partie konnte sich niemand auch nur drei Karten merken, und eine Mitspielerin weigerte sich, ihr Geschenk zu benennen, mit der wunderbaren Begründung, es solle ja „eine Überraschung sein“. Mit Übung kaschiert man Gedächtnislücken ausgebuffter und behauptet dann einfach irgendwas. Der Klassiker: Man sagt ausgerechnet eins von den Geschenken an, die bereits ausgeschieden sind und als Strafkarte offen sichtbar für alle da liegen. Und ebenfalls ein Klassiker: Man kommt trotzdem damit durch.
Noch besser als Gedächtnislücken zu kaschieren, ist es natürlich, möglichst lange keine Gedächtnislücken zu haben. Wer ehrgeizig ist, betreibt THAT’S NOT A HAT als knallhartes Konzentrationsspiel, rekapituliert im Geiste immer wieder, was als nächstes von links oder von rechts kommen wird und lässt sich durch nichts ablenken.


Was taugt es? THAT’S NOT A HAT ist bei aller Lustigkeit ein anstrengendes Spiel. Nach einer, zwei oder spätestens drei Partien in Folge hatten meine Gruppen immer genug. Das spricht aber nicht gegen das Spiel, solange die Lust besteht, es bei anderer Gelegenheit wieder hervorzuholen. Und meistens ist das so.
Obwohl in allen Partien gelacht wird, ist THAT’S NOT A HAT kein Partyspiel im üblichen Sinn. Zum Spielgefühl gehört ein gewisses Unwohlsein wie in der Schule, wenn man Angst hat, beim Abfragen an die Reihe zu kommen. THAT’S NOT A HAT macht nervös. Für mich erhöht das den Thrill. Allerdings gibt es Spieler:innen, denen ihre Unzulänglichkeiten so peinlich sind, dass sie am liebsten gar nicht mehr mitspielen möchten. Es ist also kein Spiel für wirklich alle. Für mich aber definitiv.
Mir imponiert, mit welch geringem Aufwand (ganz wenige Regeln und nur eine Sorte Material) THAT’S NOT A HAT sehr viel Spiel kreiert: Es unterhält, es erzeugt starke Emotionen und es fordert obendrein heraus.


***** reizvoll

THAT’S NOT A HAT von Kasper Lapp für drei bis acht Spieler:innen, Ravensburger.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wir hatten sehr viel Spaß in unseren Runden mit diesem Spiel. Es ist sehr schnell erklärt und ich denke jedes Mal, oh nein, welcher Begriff steht nochmal auf der Karte, in kann den doch unmöglich so schnell wieder vergessen haben. Gerade wenn man mehrere Partien hintereinander spielt, muss man aufpassen, nicht alte Begriffe zu nennen :)

DanielG hat gesagt…

Genauso schön ist dann auch, wenn einfach 3 Karten angeblich ein Kuchen sind... und niemand sich traut anzuzweifeln.
Das hier ist jetzt wirklich der Kuchen, Ehrenwort.
Schon zweimal verschenkt, und selbst memo-Verweigerer spielen es mit.

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