Mittwoch, 3. März 2010

Sultan

Es ist kaum zu fassen, was sich die herrschende Klasse heutzutage herausnimmt: Im prächtigen Palast des Sultans, so lesen wir in der Spielregel, werden Runde für Runde kostbare Edelsteine feilgeboten. Wer die wertvollste Sammlung erwirbt, wird neuer Schatzmeister.
Typisch Orient, solch ein Geschacher! In unseren Kulturkreisen käme garantiert niemand auf die Idee, Posten für Geld zu verkaufen. Die Preise wären ohnehin überirdisch, da ja bereits ein Einzelgespräch mit dem Ministerpräsidenten 20.000 Euro kostet.

Wie geht SULTAN? Wir wollen also Edelsteine. Blaue sind wertvoller (und seltener) als grüne, die wiederum wertvoller (und seltener) sind als gelbe und so weiter. Einen fetten Bonus kassiert, wer viele gleichfarbige Steine besitzt. Die Farbe spielt dabei keine Rolle.
Für den Kauf spielen wir verdeckt je eine Geldkarte. Jeder Spieler besitzt einen Kartensatz von eins bis 15, von dem er dreimal im Laufe des Spiels je fünf Karten auf die Hand bekommt.
Da die Zahl der teilnehmenden Spieler stets höher ist als die Zahl der angebotenen Edelsteine, müssen zumindest einmal pro Runde zwei Spieler auf denselben Stein bieten. Wer die höhere Karte gelegt hat, gewinnt. Alle Einzelgebote erhalten ihre Klunker kampflos.

Was passiert? Es ist natürlich viel Zufall im Spiel. Der Rest ist Psychologie und Bluff: Auf welche Edelsteinfarbe kann ich am ehesten gehen, ohne einen Konflikt zu riskieren? Oder: Mein Mitspieler hat gezögert – besitzt er also nur noch schwache Karten? Außerdem hat er die ganzen letzten Runden schon einen hohen Wert gespielt. Da muss doch endlich auch was Kleines kommen?!
Trotzdem ergeben sich schnell Automatismen: Wer weiter vorne sitzt, wird meistens auf einen Edelstein ohne Gebot gehen, um nicht dem hinteren Spieler etwas kampflos zu überlassen. Und wer das Glück hat, eine Farbe zu sammeln, in die kein anderer eingestiegen ist, schafft viel leichter eine lange gleichfarbige Serie.

Was taugt es? Das Bemerkenswerteste an SULTAN ist die aufwändige Ausstattung. Ablageplan, Sichtschirme und Plastikklunker plustern das Mitbringspiel mächtig auf und suggerieren eine Gewichtsklasse, in der SULTAN nicht mithalten kann.

SULTAN von André Zatz und Sergio Halaban für zwei bis fünf Spieler, Queen Games.

2 Kommentare:

Felix hat gesagt…

> Einen fetten Bonus kassiert, wer viele gleichfarbige Steine besitzt. Die Farbe spielt dabei keine Rolle.

Das ergibt aber keinen Sinn ;)

Udo Bartsch hat gesagt…

Treffer! Das ist eine schlampige Formulierung. Gemeint war eigentlich: Die Höhe der Prämie für viele gleichfarbige Steine ist unabhängig davon, ob es sich nun um eine Serie blauer, grüner, gelber etc. Steine handelt.

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