Sonntag, 11. Dezember 2011

Avanti

Oh! Auf dem Hunderter-Geldschein in AVANTI ist tatsächlich Klopapier abgebildet. Das finde ich innovativ, und es erinnert mich an das, was ich vorhabe, sobald meine Million beisammen ist. Haha, das wird super. Aber es ist natürlich streng geheim.
Und auf dem Gästeklo wird’s auch nur Zwanziger geben.

Wie geht AVANTI? Wir wollen auf die Trauminsel. Die ist zwölf Schritte entfernt. Um voranzukommen, fahren wir Autorennen. Der Gewinner darf drei Schritte vorwärts, der Zweite und Dritte je einen weniger. Wer unterwegs viel Geld verdient, kann Schritte hinzukaufen. Wer seine Außenstände nicht zahlen kann, muss wieder zurück.
Zahlenkarten bestimmen, wie weit das eigene Auto fährt. Die Karten sind dreieckig. In jeder Ecke steht eine Zahl. Pro Runde wählen alle gleichzeitig und geheim eine ihrer Karten und legen sie vor sich ab. Die Zahl, die zum Spielplan zeigt, ist die gewählte Zugweite. Nur wer Zahlen von eins bis drei spielt, darf eine Karte nachziehen.
Immer das hinterste Auto fährt zuerst. Landet ein Spieler auf einem besetzten Feld, bekommt er solange Bonuszüge mit derselben Zugweite, bis sein Auto auf ein freies Feld gelangt. Der Vorderste fährt zuletzt und hat deshalb die geringste Planungssicherheit.

Was passiert? Die Bonuszug-Regel lässt auf dem Parcours gleichmäßige Fahrzeug-Ketten entstehen. Beispielsweise stehen mehrere Autos im Abstand von zwei Feldern zueinander. Für den Hintersten wäre es jetzt nahe liegend, eine Zwei zu spielen, um mit mehreren Bocksprüngen nach vorne zu hoppeln. Wenn sich der Zweithinterste darauf verlässt, spielt er ebenfalls eine Zwei und hoppelt direkt hinterher. – Nur ist ja leider nicht immer Verlass. Vielleicht hat der Hinterste gar keine Zwei? Oder vielleicht findet er es gewitzter, etwas anderes zu spielen?
Abzuschätzen, was die anderen machen werden, um dann davon zu profitieren, ist der Hauptreiz bei AVANTI. Spekulieren lässt sich beispielsweise auf die Sparsamkeit der Konkurrenten. Sicher werden sie zu Anfang doch so fahren, dass sie eine Karte nachziehen dürfen? Und spekulieren lässt sich auch auf die Feldgebühren. Nach jeder Runde müssen alle Fahrer so viel Geld an den Führenden zahlen, wie neben ihrem Standort angegeben ist. Und vermutlich wird doch niemand eins der Felder mit Kosten von 500 oder gar 1000 anpeilen?
Reizvoll ist schließlich die Einschätzung, ab wann man den Sprint anziehen und seine Karten verplempern darf. Die Karten müssen nur bis zum Ziel reichen. Im Folgerennen beginnt jeder mit einem neuen Blatt.

Was taugt es? Der schreiend bunte Spielplan flößte mir wenig Vertrauen ein. Die wirre Flowerpower-Spielstory rund um den seltsamen Mechanismus, ein Rennen zu fahren und unterwegs ständig Geld hin- und herzuschieben, wirkte aufgesetzt und zusammengestoppelt. AVANTI schien mal wieder eins dieser Spiele zu sein, bei dem die Niedlichkeit der Figuren den schwachen Rest überdecken soll.
Jedoch: Nicht immer sind Spiele, wie sie scheinen. Zwar empfinde ich sowohl die Rennen als auch das Spiel insgesamt als einen Tick zu lang, dennoch unterhält mich AVANTI gut. Es gibt spannende Momente, man wägt Möglichkeiten ab, man trifft Entscheidungen. Natürlich: Wenn man gerade ganz, ganz offensichtlich eine Fünf benötigt und leider keine hat, dann gibt’s nicht mehr viel zu entscheiden. Bei einem locker-leichten Spiel wie AVANTI sehe ich dies aber als verzeihlich an.

AVANTI von Heinz Meister für drei bis fünf Spieler, Zoch.

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