Freitag, 19. Juli 2019

Vor 20 Jahren (79): Giganten

„Einmal im Jahr mache ich mir keine Gedanken um die anständige Füllung dieser Seiten“, leitete Redaktionsgaul Harry alias Herbert Heller sein Editorial in der Fairplay 48 (1999) ein. „Denn dann rotten sich die besten Kritiker Deutschlands zusammen und arbeiten an ihrer Spieleauswahl. Da bleibt immer genügend Stoff für Schimpf und Schande, die diese Seiten auf das Angenehmste füllen.“ Auch die 1999er-Liste war für Harry ein gefundenes Fressen: RA fehlte und GIGANTEN war nominiert.

Es war nicht lange her, dass meine Meinung immer exakt dem entsprach, was in der Fairplay geschrieben stand. Was auch damit zu tun hatte, dass ich etliche Spiele nicht aus eigener Erfahrung kannte und dem Urteil der Fairplayer blind vertraute. Es ging so weit, dass ich die dort schlecht besprochenen Spiele am liebsten auch gar nicht kennenlernen wollte, weil ich davon ausging, sowieso zu demselben Urteil zu gelangen.

Mittlerweile, 1999, war ich aber nicht nur selber Mitarbeiter der Fairplay, ich war außerdem Rezensent einer Tageszeitung. Ich spielte viele Spiele, schon bevor sie in der Fairplay besprochen wurden. Und ich kam zu anderen Ergebnissen. Und in diesem Fall zu einem deutlich anderen. Als GIGANTEN 1999 für die Wahl zum „Spiel des Jahres“ nominiert wurde, überraschte mich das kein bisschen. Ich fand es absolut gerechtfertigt.


Vor allem die Materialausstattung von GIGANTEN – heute, in Zeiten der Miniaturenspiele, kaum der Rede wert – war überwältigend. Michael Knopf schwelgte in der spielbox 3-1999: „Unter uns Kindern darf man’s ja sagen: Es ist einfach herrlich, wenn ein Ölfäßlein ein Ölfäßlein ist und nicht nur ein fäßleinförmiger Klotz. Auch kleine Lastwagen, die tatsächlich wie Lastwagen aussehen, sind eine überaus putzige Angelegenheit, von den Lokomotiven – ach! – ganz zu schweigen.“ Nur Miesepeter Frank Kersten fand in Fairplay 49 (1999), angesichts des begrenzten Spielreizes werde hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Gewiss: GIGANTEN war kein tiefgründiges Spiel, aber doch auf sehr harmonische Weise so verwoben, dass man immer etwas zu entscheiden und immer auch ein bisschen Leidensdruck hatte, weil nicht alles gleichzeitig ging. Und mit den plastischen Plastikfiguren zu hantieren, schuf viel Atmosphäre. Ich hatte damals Spielerunden, die noch nicht so lange dabei waren, und für diese Runden war GIGANTEN genau auf dem richtigen Level.

Tja. Jetzt fehlt zum Abschluss nur noch eine lustige / kuriose / bemerkenswerte GIGANTEN-Anekdote, aber es gab keine. Okay, eine Sache will ich aber doch nicht unerwähnt lassen: James Dean hat mitgespielt. Kurz vor seinem Tod.


0 Kommentare:

Kommentar posten

Aufklärung über den Datenschutz
Wenn Sie einen Kommentar abgeben, werden Ihre eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie beispielsweise Ihre IP-Adresse) an den Google-Server übermittelt. Mit dem Absenden Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Aufzeichnung Ihrer angegebenen Daten einverstanden. Auf Wunsch können Sie Ihre Kommentare wieder löschen lassen. Bitte beachten Sie unsere darüber hinaus geltenden Datenschutzbestimmungen sowie die Datenschutzerklärung von Google.