Freitag, 30. Januar 2009

Fauna

Die Menschheit hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. Dank Navi entfällt das Orientieren. Dank Handy das Planen. Dank E-Mail das Sprechen.
Und im Quizspiel muss man heutzutage nicht mal mehr irgendwas wissen. Hurra!

Wie geht FAUNA? Der Spielplan zeigt eine Weltkarte, unterteilt in 76 Meeres- und Landgebiete, sowie drei Skalen mit Gewichts-, Höhen- und Längenangaben. Jede Runde bestimmt eine Bildkarte ein Tier, beispielsweise das Streifengnu. Reihum setzen die Spieler nun Schätzsteine. Wer den Lebensraum des Gnus in der Wüste vermutet, könnte einen seiner Farbwürfel in der Kalahari platzieren; ein anderer versucht das Gewicht zu erraten und besetzt den Skalenabschnitt „100 bis 200 Kilogramm“. Richtige Tipps bringen Punkte, falsche führen zum vorübergehenden Verlust der Schätzsteine.

Was passiert? Bei FAUNA wird offen und reihum eingesetzt, deshalb kann man herrlich bei den anderen abgucken: Jemand verortet die giftgrüne Python im Amazonasbecken? Na, der wird´s wohl wissen! ... Und zack, zack und zack: Plötzlich haben alle anderen Spieler nichts Eiligeres zu tun, als ebenfalls ihre Klötzchen in Südamerika zu verstreuen. Und am Ende kommt das Vieh natürlich aus China. Oder Tasmanien. Oder wo immer auch her. Drauf getippt hat jedenfalls niemand.
Dumme Mitspieler plus eigene Dummheit erweisen sich leider als dumme Kombination: Eigentlich weiß man ja, dass die Waldeidechse nahezu gar nichts wiegt. Aber der Vordermann legt sein Steinchen auf "100 bis 200 Gramm", und das ist doch sehr irritierend. Weiß der etwa mehr? Ja, ganz bestimmt weiß der mehr! Und schon platziert man das eigene Klötzchen vorsichtshalber nur auf "20 bis 50 Gramm". Und liegt natürlich völlig falsch, weil so eine Eidechse noch viel, viel weniger wiegt. Fast gar nichts nämlich.

Was taugt es? FAUNA flutscht! Und es würde sogar noch besser flutschen, wenn der Verlag in der nächsten Auflage ein paar Fehler korrigiert. Manche Gebietsgrenzen mögen bitte klarer werden und manche Kartenangaben richtiger.
Aber bereits in der vorliegenden Form zeigt FAUNA, dass moderne Quizspiele einen Sprung nach vorne gemacht haben. An Stelle des schnöden Abarbeitens eines Fragenkatalogs treten spielerische Elemente wie Bluffen, Schätzen und Riskieren. Interaktion tritt an die Stelle von peinigenden Einzelverhören.

FAUNA von Friedemann Friese für zwei bis sechs Spieler, Huch & friends.

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