Mittwoch, 17. Januar 2018

Exit – Der Tote im Orient-Express

Gute Websites, die Wert darauf legen, ihre Leser aktuell zu informieren, haben EXIT natürlich schon vor einem Jahr abgefrühstückt. Andere Websites ... na ja.
DER TOTE IM ORIENT-EXPRESS ist ein besonderer unter den bislang erschienenen Fällen und dringender Anlass, um endlich mal etwas über die Gesamtreihe zu schreiben.

Wie geht EXIT – DER TOTE IM ORIENT-EXPRESS? Wie alle EXIT-Fälle. Wir beginnen mit einer kleinen Broschüre, in der wir auf mindestens ein Rätsel stoßen. Haben wir den dreistelligen Code geknackt, finden wir weitere Rätsel und weiteres Rätselmaterial. Haben wir alle Rätsel gelöst, ist das Spiel beendet und weder wir noch jemand anderes kann es noch einmal spielen, weil wir Material beschriftet oder zerstört haben.
DER TOTE IM ORIENT-EXPRESS unterscheidet sich von den anderen bisher erschienenen Teilen durch ein Meta-Rätsel: Am Ende muss ein Täter überführt werden. Dazu muss man während des Spiel Indizien sammeln und richtig deuten.


Was passiert? DER TOTE IM ORIENT-EXPRESS fühlt sich genauso an wie die anderen EXIT-Spiele. Und das ist eine gute Nachricht. Mittlerweile frage ich mich ja, ob den Autoren nicht irgendwann die Ideen ausgehen müssten, und nach jedem weiteren Spiel stelle ich überrascht fest: Nein, noch ist es nicht soweit! Bislang enthielt jeder Teil mindestens ein Rätsel, das ich besonders kreativ und besonders überraschend fand. Und auch diesmal ist es wieder so.
Nebenbei: Nur zwei Arten von Rätsel finde ich weniger gelungen: a) Rätsel, die eigentlich keine Rätsel, sondern eher Fleißaufgaben sind, b) Bastelrätsel, deren wackelige Konstruktion Unsicherheit hervorruft, ob die ermittelte Lösung wohl stimmt. Die Qualität der EXIT-Rätsel besteht – normalerweise – darin, dass die Lösungen nie hergeholt oder willkürlich sind. Wenn man erst einmal darauf gekommen ist, was das Rätsel von einem will, gibt es keinen Auslegungsspielraum und keinen nagenden Zweifel mehr. Es bleibt nur eine Lösung übrig. Außer – leider – bei den Bastelrätseln.
DER TOTE IM ORIENT-EXPRESS ist vergleichsweise stringent. Rätsel folgt auf Rätsel. In anderen Teilen sind manche Rätsel mehr miteinander verwoben; man weiß nicht, ob man schon alle lösungsrelevanten Informationen gesammelt hat. Obwohl vom Verlag im Profi-Level einsortiert, hat uns DER TOTE IM ORIENT-EXPRESS weniger Kopfzerbrechen bereitet als manch anderer Fall.
Und noch etwas nebenbei: Als optimal empfinde ich den Schwierigkeitsgrad, wenn man mehrfach kurz davor ist, eine Hilfekarte in Anspruch zu nehmen – und plötzlich doch noch auf die Lösung kommt. Dieses Level wird bei jeder Gruppe woanders liegen. Gut also, dass der Verlag das ungefähre Level neuerdings auf der Schachtel angibt.

Was taugt es? Die besondere Stärke der EXIT-Reihe sehe ich in den klaren, logischen, nachvollziehbaren und zugleich abwechslungsreichen Rätseln. Nach neun Teilen ist mir noch immer nicht langweilig geworden. Ich bin auf weitere EXIT-Fälle gespannt, während ich an anderen eingeführten Escape-Reihen das Interesse verloren habe. Dass das Spiel zerstört wird, ist kein Gimmick oder Marketing-Trick, um mehr Spiele zu verkaufen: Ohne das Zerstören von Material wären einige der besten EXIT-Rätsel schlichtweg nicht möglich gewesen.
Das kartengesteuerte Hilfe-System von EXIT ist das mit Abstand beste, dem ich in Escape-Spielen bislang begegnet bin: Ich brauche hier keine App, ich muss nicht während des Spiels ins Internet gucken. Ich kann frei wählen, an welcher Stelle ich Hilfe bekommen möchte und in welchem Umfang. Bis hin zur Lösung.
Zusammengefasst: Die Stärke von EXIT ist, dass es keine Schwächen hat. Außer vielleicht die schmalbrüstige thematische Einkleidung. Mich stört die Konzentration auf die Mechanik allerdings überhaupt nicht. An ein Spiel im Mitbringformat, das ich nur ein einziges Mal spielen kann, habe ich nicht die Erwartung, dass es mich in Welten eintauchen lässt.
Und um zum Schluss doch noch mal etwas speziell zum ORIENT-EXPRESS zu sagen: Jetzt haben auch Menschen, denen das Thema wichtiger ist als mir, ihren EXIT-Fall. Man sollte aber trotzdem nicht erwarten, in diesem Spiel forensisch zu arbeiten und sich dabei wie ein weltberühmter Privatdetektiv zu fühlen.


***** reizvoll

EXIT – DER TOTE IM ORIENT-EXPRESS von Inka und Markus Brand für einen bis vier Spieler, Kosmos.

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