Freitag, 4. Dezember 2020

Vor 20 Jahren (96): Halali!

Der Verlag, der meine Kindheitsträume wahr werden lässt, ist offenbar Kosmos. Zwar mit einer Frequenz von rund 20 Jahren, aber ich will mal nicht meckern. Mit SWITCH & SIGNAL bekomme ich, wie neulich beschrieben, endlich meine Modelleisenbahn. Mit HALALI bekam ich 2000 völlig unverhofft mein geliebtes JAG UND SCHLAG.

JAG UND SCHLAG lernte ich als Grundschüler kennen, als mein Lehrer es zu Vorführungszwecken mit meinem Mitschüler Harald spielte. Die Klasse stand derweil in einer Traube um den Tisch herum und war elektrisiert. Das wollten wir jetzt alle spielen!

JAG UND SCHLAG ist ein asymmetrisches Spiel mit zwei Parteien. Auf der einen Seite Jäger und Holzfäller, auf der anderen Bär und Fuchs. Es ist ein Schlagspiel: Jäger schießt Tiere, Bär frisst Menschen. Wer dran ist, deckt entweder ein verdecktes Plättchen auf oder zieht eine Figur. Die eigenen Protagonisten zu finden, ist erst mal Glückssache. Doch je weiter die Partie fortschreitet, desto taktischer wird sie.


Als Kind liebte ich vor allem die konkrete Spielgeschichte. Ein Wald mit Tieren. Ein Holzfäller, der Bäume umhaut. Fressen und gefressen werden. Weil ich JAG UND SCHLAG nicht oft genug spielen konnte, bastelte ich mir mein Exemplar für zu Hause, wobei ich mich als eher pragmatisch orientiertes Kind mit der künstlerischen Ausgestaltung nicht lange aufhielt: Bären kriegte ich noch halbwegs erkennbar hin. Aber statt mühsam Füchse zu malen, schrieb ich ein „F“ auf die Kärtchen. Der Jäger war ein Strichmännchen mit Pfeil.

Bald baute ich sogar noch eine zweite Version. Eine viel bessere. Wenn man etwas supertoll findet, will man nämlich mehr davon. Heutzutage gibt es für diesen Zweck Erweiterungen. In den tristen 70ern musste man selbst erweitern. Mein zweites Spiel war statt 49 gleich 81 Felder groß, und es gab zusätzliche Waldtiere, die Autor Rudi Hoffmann offenbar durch die Lappen gegangen waren.

Nur leider spielte das niemand mit mir. Ab und zu konnte ich meine Schwester überreden. Als fünf Jahre Älterer zog ich sie dann ab und kam mir schlau vor – aber ich war nicht schlau. Nach einer Partie wollte sie erst mal nicht mehr, und so musste ich mein JAG UND SCHLAG meistens alleine spielen. Und da kommen wir zum zweiten Manko der 70er: keine Solo-Varianten.

Nun aber zu HALALI. Das brachte vor 20 Jahren in modernisierter Optik und mit leicht geglätteten Regeln das verhinderte Lieblingsspiel meiner Kindheit zurück. Jetzt konnte uns niemand mehr trennen!

Selbst wenn ich jahrzehntelangen Nachholbedarf und eine gewisse subjektive Verklärung einrechne: HALALI fühlt sich trotz seines Alters von 47 Jahren für mich nicht alt an. Um es mit etwa Zehnjährigen zu spielen, wäre es für mich immer noch erste Wahl.


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