Donnerstag, 22. Oktober 2026

One Mind

One Mind: Cover

Der Jahrgang 2025/26 enthält auffallend viele Spiele, in denen es darum geht, mit den Mitspieler:innen übereinzustimmen. Eines davon – DITO! – wurde sogar Spiel des Jahres. Wie gut sind die anderen?

Wie geht ONE MIND? Wir spielen kooperativ. Wir beginnen mit zufälligen Begriffen. Jede:r zieht einen Buchstabenchip und notiert ein Wort, das mit diesem Buchstaben beginnt.
In allen kommenden Runden ziehen wir als Gruppe einen weiteren Chip, der entweder einen Buchstaben oder ein Fragezeichen zeigt. Falls Buchstabe, notiert jede:r ohne Absprache mit den anderen ein Wort, das mit diesem Buchstaben anfängt. Falls Fragezeichen, irgendein Wort. Wörter aus früheren Runden dürfen nicht erneut aufgeschrieben werden.
Unser Ziel ist, möglichst oft gleichzeitig dasselbe Wort zu notieren wie andere Personen. Das zählt Punkte für die Gruppenwertung. Je nach Gruppengröße und gewähltem Schwierigkeitsgrad müssen wir eine bestimmte Menge Punkte erreichen.

Was passiert? Damit das klappen kann, suchen wir nach Verbindungen. Liegen zu Beginn die Begriffe „Straße“, „Amsel“, „Wasser“ und „Nuss“ aus, und wir ziehen ein B, könnte ich gedanklich „Wasser“ und „Straße“ verbinden und „Bach“ bilden in der Hoffnung, dass noch jemand auf diese Idee kommt. Kann sein, dass es klappt. Kann aber sein, dass es nur beinahe klappt und jemand trotz ähnlichem Gedankengang „Brücke“ notiert. Oder „Boot“. Oder vielleicht hat jemand „Amsel“ und „Nuss“ verbunden und „Baum“ ausgeschrieben. Oder irgendwer versucht, alles unter einen Hut zu bringen, und schreibt „Biotop“. Mit den neuen Begriffen geht es nun in die nächste Runde.
Für mich hat sich dieser Prozess nicht so gut angefühlt. Oft war es wie Stochern im Nebel, weil man für alle Begriffe gemeinsam nur äußerst selten eine Verbindung findet und nicht ahnt, wer in der Gruppe sich für welches Begriffspaar entscheiden wird.
Vielleicht waren meine Mitspieler:innen und ich schlichtweg nicht raffiniert genug. Jedenfalls haben wir ziemlich oft aneinander vorbei gedacht.

Was taugt es? Grundsätzlich ist es nicht schlecht, wenn kooperative Spiele schwierig sind und man nicht gleich beim ersten Anlauf gewinnt. Außerdem lässt sich ONE MIND problemlos skalieren, indem man die Punkteanforderung nach unten schraubt. Das Problem ist hier aber gar nicht das Gewinnen oder Verlieren an sich, sondern die Aufgabenstellung und das Spielgefühl dabei.

One Mind: Material

Wiederholt haben wir lauter plausible Gedanken und gute Assoziationen – die aber leider nicht identisch sind. Es gehört zum Spielsystem von ONE MIND, dass wir mehrere Versuche benötigen, bis wir matchen. Treffer fühlen sich oft wie Glückstreffer an, nicht wie erarbeitet oder hergeleitet.
Klar, den Ehrgeiz zu gewinnen hat man trotzdem. Und mehrere Gruppen haben auch so oft gespielt, bis es geklappt hat. Ich konnte aber nicht beobachten, dass irgendwer ONE MIND danach noch einmal spielen wollte.
Einerseits: ONE MIND ist das originellste der vielen Übereinstimmungs-Spiele. Es ist wie das Open-World-Spiel unter den Übereinstimmungs-Spielen, weil es so wenige Vorgaben gibt. Obendrein ist es mit Schreibtafeln, Stiften, einem Säckchen für die Buchstabenplättchen und dicken, funkelnden Plastik-Edelsteinen als Siegpunktmarker auffallend wertig ausgestattet.
Jedoch: In meinen Runden entstand beim Spielen wenig Emotion und wenn, dann eher sogar negative Emotion. ONE MIND ist das intellektuellste und abstrakteste unter den Übereinstimmungs-Spielen, es hat wenig Party-Charakter. In meinen Gruppen hat es nicht gematcht.


*** mäßig

ONE MIND von Sophia Wagner für zwei bis acht Spieler:innen, Schmidt.

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