Die Jüngeren wissen vielleicht gar nicht mehr, was Postkarten sind. Und ich arbeite hart daran, auch Einleitungen in Vergessenheit geraten zu lassen.
Wie geht POSTCARDS? Wir radeln durch die 13 Regionen Frankreichs, um Postkarten zu verschicken. Die Postkarten müssen dazu vollständig frankiert sein. Und ich muss mich in der zugehörigen Region befinden. Postkarten mit korsischen Motiven darf ich eben nur von Korsika aus versenden. Das hat weniger mit dem Stolz der Kors:innen als mit den Spielregeln zu tun.
Bin ich am Zug, spiele ich drei meiner fünf Handkarten. Und nutze entweder ihre Farbe, um eine gleichfarbige Briefmarke auf eine meiner Postkarte zu kleben. Postkarten verlangen bis zu sechs Marken in vorgegebenen Farben. Oder ich nutze das Aktionssymbol und darf nun entweder um eine Region weiterradeln oder mir eine ausliegende Postkarte nehmen oder in meiner Region ein Lager aufschlagen.
Lager haben mehrere Vorteile. Während ich meine insgesamt 13 Lager-Marker verbrauche, schalte ich drei Zusatzaktionen und drei Punktwertungen auf meinem Tableau frei. Und mit Lager-Markern, die ich platziere, decke ich Symbole auf dem Spielplan ab. Falls dasselbe Symbol auf irgendeiner meiner Postkarten abgebildet ist (danach wird es abgedeckt), erhalte ich einen Zusatzeffekt.
Anschließend nehme ich mir drei neue Handkarten aus dem Markt oder ich ziehe vom Stapel. Das geht solange, bis jemand vier Postkarten verschickt.
Was passiert? Vier Postkarten sind gar nicht so viel, POSTCARDS ist ein Wettrennen. Jede:r von uns hat einen geheimen Auftrag, der belohnt, wenn die die verschickten Postkarten aus vier vorgegebenen Regionen stammen. Es ist also klar, welche Postkartensorten ich am liebsten hätte. Gleichzeitig ist es ärgerlich, wenn meine Start-Postkarte aus einer anderen Region stammt. Und es bleibt ärgerlich, wenn im Markt keine Postkarte auftaucht, die zu meinem Auftrag passt.
Wer die Postkarten-Aktion wählt, darf vorher die drei im Markt angebotenen Postkarten gegen drei vom Stapel austauschen. Aus der Not heraus wird davon häufig Gebrauch gemacht. Wir sind reichlich damit beschäftigt, die in der Tat Postkarten-großen Postkarten beiseite zu schaufeln und neue aufzublättern. Da ich alle meine Postkarten offen vor mir auslegen muss, um eventuell Briefmarken-Plättchen draufzulegen oder Symbole abzudecken, ist der Platzbedarf von POSTCARDS enorm.
In meinen Runden war vor allem die Lager-Aktion beliebt. Zumal die Lager noch weitere Vorteile besitzen: 1. Gelingt es mir, eine Region nur mit meinen Lagern vollzupflastern, gewinne ich Punkte. 2. Sobald ich eine Postkarte verschicke, bekomme ich eine „Geschenkkarte“. Und etliche dieser Geschenkkarten punkten in der Schlusswertung, wenn ich viele Lager-Marker auf bestimmten Symbolen abgelegt habe.
Der Run auf die Lager-Aktionen führte in meinen Runden dazu, dass Karten mit anderen Symbolen im Markt liegen blieben und oft auf gut Glück vom Stapel gezogen wurde. Ich will nicht ausschließen, dass gleich mehrere Gruppen da die falsche Gruppendenke hatten und die Lager-Aktionen überschätzten. Auf mich wirkte es allerdings eher so, als liege der Fehler bei POSTCARDS. Dass ich ab und zu Radfahr-Karten brauche, sehe ich noch ein. Warum ich wesentlich mehr als vier Postkarten besitzen sollte, erschließt sich mir dagegen nicht.
Ein ähnlich unbefriedigendes Gefühl hinterlässt der Markt für Geschenkkarten. Hier darf ich nicht mal vom Stapel ziehen, sondern muss von dem nehmen, was ausliegt. Und wenn alles unattraktiv ist, ist alles unattraktiv.
Was taugt es? Die Vorzüge von POSTCARDS habe ich bislang unerwähnt gelassen. Erstens und vor allem sind es die schön gestalteten und großformatigen Postkarten. Besonders funktional sind sie aufgrund ihrer Größe allerdings nicht. Und auch der Spielplan hätte, was das angeht, noch Optimierungsbedarf. Die Lager-Marker müsste man, um für die Geschenkkarten-Wertungen den Überblick zu behalten, eigentlich neben die Symbole legen. Dann jedoch wird es in einigen Regionen recht wirr.
Mir gefällt zweitens die mechanische Klarheit und Einfachheit von POSTCARDS. Trotz weniger Regeln ist das Spiel taktisch und auf strikte Optimierung ausgelegt. Allerdings spiele ich auch gegen einen merklichen Zufall an. Und das passt für mich nicht recht zu einem Spiel, das an gleich drei Stellen (Aktionskarten, Geschenkkarten, Postkarten) auf einen Karten-Auswahlmechanismus setzt und damit mehr Tiefe suggeriert als vorhanden ist.
*** mäßig
POSTCARDS von Éric Dubus und Simon Kayne für eine:n bis vier Spieler:innen, Synapses Games.




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