Wie Zauberzutaten-Flasche leer.
Wie geht MORTY SORTY MAGIC SHOP? Wir sortieren Zauberzutaten-Flaschen in Regale ein. In jeder Runde werden zufällige Flaschenplättchen aus dem Sack gezogen. Reihum wählen wir eines.
Die Flaschen tragen Zahlen zwischen 1 und 16. Die Flascheninhalte gibt es in vier Farben. Obendrein sind die Deckel unterschiedlich: schwarz, silbern oder golden.
Ich besitze ein Tableau mit drei Regalen. Hier sortiere ich meine Flaschen ein. In allen Regalen müssen die Zahlen der Flaschen von links nach rechts aufsteigen (ich muss aber nicht links mit dem Legen beginnen). In das oberste Regal dürfen nur Flaschen mit goldenen Deckeln, in das mittlere auch silberne Deckel, in das unterste alle Deckel. Flaschen mit schwarzen Deckeln sind also am schwierigsten unterzubringen.
Punkte bekomme ich, wenn ich Regale komplett fülle. Außerdem ist vorteilhaft, mich auf bestimmte Flascheninhalte zu konzentrieren, statt alle Farben gleichmäßig zu sammeln. Ich gewinne Extrapunkte, wenn ich an vorgegebenen Regalschildern genau die passenden Flaschen platziere, also etwa beim Schild 5 eine Flasche mit der 5. Und: Gruppen, die mehr wollen, können obendrein Aufgaben ins Spiel bringen. Beispielsweise sollen wir dann möglichst schnell drei gleiche Zahlen direkt übereinander platzieren. Oder fünf silberne Deckel zueinander benachbart.
Was passiert? MORTY SORTY erweist sich als knifflig. Selten bekomme ich die perfekte Flasche, nicht mal, wenn ich als Erster wählen darf. Irgendeinen Kompromiss muss ich eingehen: Ich kriege nur einen schwarzen Deckel und muss die Flasche in die unterste Reihe legen, obwohl die am wenigsten Punkte bringt. Oder die Farbe der Flasche passt mir nicht. Oder ich bekomme die 7 zu der 8, die ich schon habe, was eigentlich gut ist – aber ich müsste sie auf einen Regalplatz mit dem Schild 6 legen …
Verschärft werden meine Nöte dadurch, dass ich möglichst oft drei verschiedene Farben in derselben Senkrechten anordnen möchte. Immer dann bekomme ich als Bonus eine Flasche, die ich wie einen Joker in jedes der drei Regale legen darf. Von solchen Jokern kann ich gar nicht genug haben. Die Flaschen, die ich auf normalem Weg erhalte, reichen nicht annähernd aus, um mein Tableau zu füllen.
Es gibt also einiges zu grübeln und zu kalkulieren. Ich hadere, ich zocke, ich bin hin- und hergerissen. Ich bin gespannt auf die nächste Flaschenauswahl und hoffe, dass die anderen was Brauchbares für mich liegenlassen.
Weil MORTY SORTY Denkstoff liefert, ziehen sich manche Entscheidungen hin. Zwar könnte ich mir, während andere am Zug sind, schon mal überlegen, was meine zweite oder dritte Wahl wäre für den Fall, dass mir die besten Flaschen mal wieder weggeschnappt werden. Abwarten muss ich aber trotzdem.
Im Spielgefühl ähnelt MORTY SORTY Roll-and-Write-Spielen, bei denen wir reihum Würfel wählen, um deren Augenzahlen auf unseren Blättern zu notieren – nur dass es eben mit Plättchen statt Würfeln umgesetzt ist. MORTY SORTY ähnelt außerdem dem Flip-and-Write-Spiel WELCOME TO, bei dem wir ebenfalls Zahlen in drei Reihen aufsteigend anordnen.
Was taugt es? MORTY SORTY fühlt sich nicht völlig neuartig an, macht aber trotzdem Spaß und ist spannend. Die Umsetzung als Legespiel statt etwa als Roll-and-Write schafft einen spielerischen Mehrwert: Das Geschehen ist haptisch schöner und konkreter. Und sinnbildlicher: Einige Regeln werden durch die Materialvorgaben anschaulich transportiert.
Besonders gefällt mir, wie gut sich der Verkopftheitsgrad von MORTY SORTY an die Gruppenbedürfnisse anpassen lässt. Schon in der Grundversion entfaltet sich das Dilemma von MORTY SORTY. Man hat nicht das Gefühl, ein reduziertes Spiel zu spielen. Für Leute, die Abwechslung wollen, gibt es acht verschiedene Aufgaben. Es gibt zwei Tableau-Seiten. Und im Fortgeschritten-Spiel punktet jede Flaschenfarbe auf eine andere Weise, was Wertigkeiten und Spielweisen nochmals variiert.
MORTY SORTY ist meinen Gruppen ein Dauerbrenner, zu dem auch ich immer Lust habe. Etwas zu sortieren und Ordnung in eine chaotische Welt zu bringen, ist vermutlich ein menschliches Grundbedürfnis. MORTY SORTY gibt mir das Gefühl, mit meinen Entscheidungen viel mitzubestimmen. Gleichzeitig ist mein Entscheidungsrahmen klar definiert durch das, was mein Tableau verlangt und was aus dem Beutel gezogen wird. Der Zufall spielt kräftig mit, aber genau das macht den Wiederholungsreiz aus. Ich hoffe aufs Glück, ich hoffe auf eine legendäre Runde, ich hoffe auf die perfekt geordnete Welt.
***** reizvoll
MORTY SORTY MAGIC SHOP von Markus Slawitscheck für zwei bis vier Spieler:innen, Schmidt.









































