Samstag, 18. Juni 2011

Strasbourg

Die Farbe Lila ist ja eigentlich für Schokolade, Frauenbewegung und Evangelische Kirche reserviert. Und für Sigurd natürlich. Und für Ralph. Aber der kommt nicht mehr. Und vielleicht deshalb hat man sich bei Pegasus gedacht: Da der Ralph das Lila anscheinend nicht mehr braucht, können wir seine Portion gut und gerne für unseren STRASBOURG-Karton verwenden.
Zugegeben: Ich weiß nicht sicher, ob das so stimmt. Aber die schiere Logik des skizzierten Szenarios ist überwältigend. Jeder wird das einsehen.
Ach, und bevor es Missverständnisse gibt, ich sagte: „JEDER“!

Wie geht STRASBOURG? STRASBOURG ist ein Versteigerungsspiel und hat mit anderen Versteigerungsspielen gemein, dass man eine Lernpartie braucht, um die Höhe sinnvoller Gebote abschätzen zu können. Ansonsten ist einiges anders als üblich: Vor jedem der fünf Durchgänge legt man sich fest, an wie vielen der sieben Versteigerungen man teilnehmen wird und mit welchen Geboten. Nicht vorab festgelegt ist: a) an welchen Versteigerungen und b) mit welchem Gebot an welcher Versteigerung. Und genau das ist das Interessante. Zwangsläufig werden einige Pläne nicht aufgehen. STRASBOURG erfordert (und bietet die Möglichkeit!) noch während des Durchgangs zu reagieren und taktisch umzuschwenken.
Konkret läuft das so ab: Für das gesamte Spiel besitzen die Spieler Bietkarten mit Werten von eins bis sechs. Von jedem Durchgang zieht jeder von seinem Vorratsstapel so viele davon, wie er möchte. Anschließend gruppiert er die Scheine verdeckt zu Geboten. Kommt ein Spieler während einer Auktion an die Reihe, setzt er eins seiner Gebote ein oder lässt es bleiben. Was ungenutzt liegen bleibt, geht am Ende des Durchgangs allerdings in den Schrott.

Was wird versteigert? Der Spielplan zeigt ein buntes Raster, das sich bei näherer Betrachtung als die Stadt Straßburg mit ihren Zunftvierteln herausstellt. Hier will man seine Männchen hineinstellen. Das bringt Punkte, und zwar so richtig viele, wenn die Kameraden auch noch neben wertvollen Gebäuden stehen. Wo die wertvollen Gebäude errichtet werden, klärt sich allerdings erst im Laufe der Partie und natürlich per Versteigerung. Obendrein besitzt jeder Spieler geheime Auftragskarten, die beispielsweise erfordern, dass man mehrere Pöppel in einer Diagonale oder in einem bestimmten Viertel oder angrenzend zur Stadtmauer (etc., etc.) aufstellt.
Der Gewinner und der Zweitbeste (und manchmal auch der Dritte) einer Auktion dürfen eine Figur in dem versteigerten Stadtviertel platzieren. Das kostet allerdings zusätzlich Geld, und so trifft es sich gut, dass der Auktionsgewinner und der Zweite auch eine Ware erhalten, die sie später zu Geld machen können. Wofür jedoch eine weitere Auktion gewonnen werden muss.

Was taugt es? Der Wert der Gebäude hätte im Verhältnis zum Wert der Aufträge für mein Empfinden etwas niedriger ausfallen sollen. Und STRASBOURG ist ganz klar ein vom Mechanismus dominiertes Spiel. Somit eher eines, das man achtet, als eines, das man innig liebt.
Ab jetzt nur noch Lobhudelei: STRASBOURG ist spannend! Bestimmte Auktionen muss man gewinnen, sonst klappt der Auftrag nicht mehr. Gleichzeitig ist das Geld oft knapp, so dass die Spieler genau vorausplanen müssen, wann sie wo wie viel ausgeben dürfen und wann wieder etwas hereinkommen könnte. Weil niemand die Pläne der anderen Mitspieler kennt, ist das Zusammenstellen der Gebote prickelnde Zockerei. Bei STRASBOURG greift alles sinnvoll ineinander, STRASBOURG schleppt keine unnötigen Mechanismen mit sich herum, es kann schnell gespielt werden und stellt endlich mal wieder eine Bereicherung für das Genre der Versteigerungsspiele dar.

STRASBOURG von Stefan Feld für drei bis fünf Spieler, Pegasus Spiele.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

In erster Linie sind FLÜCHE lila! Welch frevelhafte Farbe!

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