Sonntag, 14. November 2010

EinSATZ - bitte!

Nach einer Spielemesse interessieren natürlich niemanden mehr die Spiele von vor der Spielemesse. Schon gar nicht im schnellen Medium Internet. Ein Blogbetreiber, der nach der Messe allen Ernstes noch Spiele von vor der Messe bespricht, hat entweder den Kontakt zur Realität oder zu seinen Lesern verloren. Oder er hat seine erste Million beisammen, und jetzt kann ihm alles egal sein.
Hupps... verplappert!

Wie geht EINSATZ BITTE? Einer erklärt einen Begriff. Der Rest des Teams rät. Der Begriff könnte zum Beispiel „Löffelchen“ lauten; folglich wäre nun ein Vortrag über... ähm, kleine Häschen und ihre Öhrchen angebracht. Doch es gibt zwei fiese Bedingungen: 1. Zur Erklärung darf nur ein einziger Satz verwendet werden. 2. Eine gezogene Karte gibt den Satzanfang vor. „Es riecht garantiert nach...“ Oder: „Meine Eltern haben mich davor gewarnt, weil...“ Oder: „Schließt man es an den Strom an, dann...“

Was passiert? Eine Partie EINSATZ BITTE provoziert innerhalb kürzester Zeit faszinierend dummes Geschwafel, viel Gestotter und Gelächter. Wer sich Spielen dieser Art nicht generell verschließt, hat Spaß.
Am besten funktioniert EINSATZ BITTE mit Menschen, denen sowohl das Gewinnen als auch die Spielregeln weitgehend schnuppe sind. Denn die Einhaltung der Regeln fällt ausgesprochen schwer. Im Eifer des Gefechts passiert es immer wieder, dass der Erklärer schnell noch einen zweiten Satz nachlegt. Oder den ersten Satz zu einem von der Grammatik nicht mehr abgedeckten Bandwurm ausdehnt. Viele Mitspieler neigen in ihrer Formulierungsnot auch dazu, den gesuchten Begriff in den Satz einzubauen und durch ein gesprochenes „Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen“ zu ersetzen.
Und die Spielregel sieht es eigentlich streng. Eine nicht korrekte Umschreibung für den Begriff „Eifelturm“ wäre beispielsweise: „Es riecht garantiert nach... einem Stahlmonstrum, das im Jahr 1899 für die Weltausstellung gebaut wurde.“ Begründung: Der Hinweis auf die Weltausstellung hat nichts mit „Riechen“ zu tun. Na gut, stimmt. Aber die meisten Mitspieler wären glücklich, unter Zeitdruck überhaupt einen derart prägnanten und beinahe logischen Satz hinzubekommen!

Was taugt es? „Letztlich gilt immer“, sagt die Spielregel ganz zum Schluss versöhnlich, „das Spiel soll Spaß machen! Nur echte Fehler werden geahndet, ansonsten wird im Zweifel zugunsten des Hinweisgebers entschieden.“ Das ist weise gesprochen, denn anders ist EINSATZ BITTE ohne Sprach-Trainingslager kaum spielbar.

EINSATZ - BITTE! von Reinhard Staupe für vier bis viel mehr Spieler, Heidelberger Spieleverlag.

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