Sonntag, 7. Februar 2010

Carson City

Wer CARSON CITY nicht toll findet, setzt sich dem Verdacht aus, eine Lusche zu sein. Denn bei CARSON CITY wird geschossen, und so was vertragen bekanntlich nur echte Kerle.
REZENSIONEN FÜR MILLIONEN steckt somit in einer fürchterlichen Klemme. Unter dem Text steht „mäßig“, und das muss jetzt phantastisch begründet werden, damit tunlichst niemand merkt, was für ein Softie-Blog das hier in Wirklichkeit ist.

Wie geht CARSON CITY? CARSON CITY ist Worker-Placement. Reihum setzen wir unsere Cowboys auf Aktionsfelder, hinterher werden die Aktionen abgewickelt. Neu ist: Sollten zwei Leute dasselbe Feld betreten haben, duellieren sie sich um das Recht der Aktion. Peng = Anzahl der gesammelten Revolver + Anzahl Figuren im Vorrat + Würfelwurf.
Neu ist zudem: Auch auf dem Landschaftsplan dürfen Cowboys eingesetzt werden. Etwa auf leere Parzellen, um diese in Besitz zu nehmen. Oder auf Häuser der Gegner, um diese zu überfallen. Auch hier kann es zu Duellen kommen.
Die Häuser sind der eigentliche Kern des Spiels. Auf unseren Grundstücken errichten wir Gewerbe, die einen möglichst guten Ertrag erwirtschaften sollen. Silberminen baut man dazu angrenzend an Berge, Saloons an Wohnhäuser. Die meisten Gebäude müssen ans Wegenetz anschließen, notfalls muss man mit Wegstrecken aus dem eigenen Besitz aushelfen.

Was passiert? Obwohl CARSON CITY voller Entscheidungen steckt, stellt sich hier nicht das besondere „Ach, ich wollte doch noch...“-Gefühl ein. Erstens weil alle Planungen durch das Geschieße sowieso unsicher sind. Zweitens weil in CARSON CITY so viel drinsteckt, dass man mit seinen pro Partie rund zwanzig Spielzügen ohnehin nur an der Oberfläche schöpft.
Nebenbei bietet das Spiel nämlich noch einen ungewöhnlichen Siegpunktmechanismus: Punkte gibt es für Geld. Aber nicht einfach so, sondern man muss es auf Aktionsfeldern zu im Laufe der Partie immer schlechter werdenden Kursen eintauschen. Nur eine begrenzte Menge Bares kann mit in die nächste Runde genommen werden. Wie viel, hängt von der gewählten Rolle ab. Und jede Rolle bringt natürlich noch eine Spezialeigenschaft mit sich. Und regelt die Spielreihenfolge. Und auch die Häuser haben noch ihre Eigenheiten...

Was taugt es? An sich ist CARSON CITY nicht überkompliziert. Die Regeln lassen sich in vertretbarer Zeit erklären. Fürs Spielgefühl wäre es trotzdem besser gewesen, der Autor hätte sich die Hälfte seiner interessanten Einfälle für andere Gelegenheiten aufgehoben. Indem CARSON CITY alle Elemente nur anreißt, geht es in die Breite statt in die Tiefe. Letztendlich fehlt dem Spiel der rote Faden.

CARSON CITY von Xavier Georges für zwei bis fünf Spieler, QWG Games / Huch & friends.

2 Kommentare:

Björn. hat gesagt…

Sehr scharf beobachtet! Zuviel Aktionsmöglichkeiten für zuwenig Aktionen - das ist auch mein Gefühl bei Carson City und deshalb hat es mir auch nicht so gefallen. Nur weil jedes einzele Element im Spiel Sonderfähigkeiten hat, muss das Spiel nicht super variabel sein. Fehlt nur noch, dass jeder Geldschein eine Sonderfähigkeit hat...

Christof hat gesagt…

Das mit den Sonderfähigkeiten für Geld finde ich ziemlich interessant, Björn :-).
Was heißt hier kein roter Faden? Der liegt alleine schonmal in der sehr guten Umsetzung des Themas und das ist mehr als 80% der Eurogames der letzten zwei Jahre vorweisen kann.
Es ist nicht so ganz von der Hand zu weisen, dass man in sehr kurzer Zeit mehr machen möchte als man kann und dass man sich z. B. mal so richtig auf die Häuser oder die Schießeisen oder was immer konzentrieren will. Dass aber die einzelnen Sachen nicht zum tragen kommen kann ich nicht sehen. Es gibt zum Beispiel immer wieder sehr große Einkommensunterschiede durch die Gebäude.
Bei Acricola, Le Havre und Konsorten hat man auch IMMER das Gefühl man hat zu wenig Aktionen. Nur hat man dort dieses Gefühle wesentlich länger und öfter (wegen der längeren Spieldauer). Dass die Elemente dort deswegen dort mehr zum Tragen kommen ist dort ja auch nicht der Fall.
Ich denke bei Carson City ist es einfach knapper und für mich damit auf den Punkt gebracht. Das kann man einfach mal in 90 minuten durchspielen.
Außerdem mag es mein 11jähriger Sohn auch (und spielt es viel zu gut).

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