Freitag, 12. Oktober 2018

Spielejahrgang 2017/18:
Was vom Jahrgang übrig bleibt (3: Anspruchsvolles)

Ob ich ein Spiel am Ende des Jahrgangs behalte, hängt nicht allein vom Wiederspielreiz ab, sondern auch von den Wiederspielmöglichkeiten. Und was das angeht, haben kleine Spiele einfach einen Vorteil. Falls ich die Regeln nicht mehr ganz genau weiß, kann ich sie mir viel schneller wieder erarbeiten. Einer Gruppe, die das Spiel nicht kennt, kann ich das Spiel viel leichter erklären. Und nicht zuletzt gibt es für einfache Spiele auch viel mehr Adressaten und somit Möglichkeiten, um die Spiele einzusetzen.

Sofern man nicht genügend Zeit hat, um die Spiele oft zu spielen, verwandelt sich der Vorteil anspruchsvoller Spiele sogar in einen Nachteil. Komplexe Spiele wollen vertieft werden, am besten in immer derselben Besetzung. Aber will ich wirklich Stunden investieren, um nach langer Zeit mal wieder DIE MACHER / NATIONS / DIE FÜRSTEN VON FLORENZ zu spielen, und dann stümpern wir alle bloß herum, kratzen an der Oberfläche und haben das Gefühl, das eigentliche Spiel nicht erfahren zu haben? Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Och nö.

Trotzdem bleiben in diesem Jahr drei anspruchsvolle Spiele übrig. Begründung: Sie sind einfach zu gut, um nicht übrig zu bleiben.


PANDEMIC LEGACY – SEASON 2: Na gut, ehrlich gesagt: Dieses Spiel bleibt gar nicht übrig. Jedenfalls nicht physisch. Klar, ich werde es noch eine Weile im Regal stehenlassen. Vielleicht hole ich auch noch mal das Spielbrett heraus, um mir unsere geniale Weltenrettung wieder in Erinnerung zu rufen. Aber ein Spiel, das nicht erneut gespielt werden kann, kriegt im mörderischen Wettbewerb um einen Regalplatz keinen Ehrenbonus. Trotzdem gehört PANDEMIC LEGACY – SEASON 2 natürlich zu den Höhepunkten der Saison, muss also hier genannt werden und bleibt, wenn nicht wirklich übrig, dann doch immerhin in allerbester Erinnerung.



GAIA PROJECT: Dass GAIA PROJECT hier auftaucht, hat sehr viel mit den Völkern zu tun. Spieltiefe allein ist angesichts des Standards, den Spiele inzwischen erreicht haben, schon gar nichts so Besonderes mehr. Das Zauberwort heißt – zumindest für mich – „Variabilität“. Wenn das Spiel immer wieder anders ist und überrascht, wenn es immer Neues zu entdecken gibt, dann fesselt es dauerhaft. Und ich glaube, es ist nicht mal entscheidend, dass man all diese Möglichkeiten wirklich ausprobiert. Allein das Wissen, dass man es könnte, macht das Spiel attraktiver.



HEAVEN & ALE: Schlichtweg das beste Spiel zum Thema Bierbrauen, in dem es nicht ums Bierbrauen geht. Und ansonsten? Ein Spiel, an dem man sich reibt. Weil es knallhart ist und der Intuition widerspricht. Das merkt man vor allem in der ersten Partie, in der durchaus mal alles schieflaufen kann. Ab Spiel zwei stand ich schon voll unter Strom. Zwänge, Dilemmata und der verzweifelte Versuch, Dinge unter einen Hut zu bringen, die so unkompliziert aussehen, dann aber doch so höllisch verzwickt sind.


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