Wasser ist flüssig, und was über dem Wasser steht, ist demzufolge überflüssig.
Wie geht AQUATICA? Die Spielgeschichte ganz kurz: Wer das tollste Meervolk hat, gewinnt. Und was macht ein Meervolk toll? 1. Ich erwerbe und werte „Stätten“. 2. Ich erreiche Ziele, möglichst schnell.
Wir starten mit identischen Kartendecks, unseren „Meeresbewohnern“. Bin ich am Zug, spiele ich eine meiner Handkarten aus. Sie initiiert eine Aktion, beispielweise könnte ich einen weiteren Meeresbewohner anheuern, der Dinge kann, die meine Startkarten nicht können. So gestalte ich mein Deck. Mit einer meiner Meeresbewohner-Karten nehme ich das gespielte Personal wieder auf die Hand. Das ist ein Tempoverlust – aber muss ja, denn nur so bekomme ich meine starken Karten wieder zurück.
Viele Aktionen dienen dazu, Stätten entweder zu kaufen oder zu erobern. Dafür bezahle ich in den Währungen Gold bzw. Macht. Die auslösende Meeresbewohner-Karte bringt eine bestimmte Menge Gold oder Macht mit. Ich könnte zubezahlen, indem ich vorhandene Manta-Spielsteine erschöpfe.
Stätten zählen Siegpunkte – aber erst wenn ich sie in die Wertung bringe. Jede neu erworbene Stätte lege ich in einen Kartenschuber. Auf der linken Seite der Stätte sind bis zu sechs Blasen zu sehen. Das sind Stufen, um die ich diese Karte in ihrem Slot hochschieben muss, um sie schließlich mit einer Meeresbewohner-Aktion aus dem Schuber herausnehmen und in meinen Wertungsbereich legen zu dürfen.
Die meisten Blasen zeigen Symbole, etwa Gold oder Macht. Wenn ich diese Ressourcen beim Kauf einer anderen Stätte einsetze, verbrauche ich damit die Blase und muss die Karte einen Schritt höher schieben. Das ist doppelt gut, denn sie soll ja geschoben werden. Und ich habe sogar noch einen Spielvorteil davon.
Blasen können aber auch lästig sein, denn das Hochschieben ist nun mal an die Bedingung geknüpft, dass ich das Gold oder die Macht tatsächlich verbrauche. Und manchmal ergibt sich das nicht.
Zum Glück gibt es auch Meeresbewohner, die Stätten hochschieben, ohne die Blasen zu benutzen. Manche Blasen sind ohnehin leer und können nur auf diese Weise überwunden werden. Und neben den passiven Blasen mit Gold oder Macht, die nur genutzt werden können, indem eine Meeresbewohner-Aktion das initiiert, gibt es auch Blasen, die aktiv eine Aktion zusätzlich zur Meeresbewohner-Aktion ausführen können und etwa andere Stätten einen Schritt hochschubsen oder werten, falls die Bedingung erfüllt ist.
Was passiert? Das Optimieren und Kombinieren der Blasen ist das Kernstück von AQUATICA. Natürlich will ich Stätten, die mir Siegpunkte und zusätzliche Mantas bringen. Aber abgesehen davon, dass ich die Stätten auch bezahlen können muss und durch meine Ressourcen limitiert bin, sollten die Stätten auch harmonieren und nicht zu lange meine Slots verstopfen. Immer wieder passiert es, dass man sich eine Stätte kauft, weil es von den Kosten her gerade gut passt. Und was die Blasen angeht, denkt man: Das ergibt sich schon. Aber dann ergibt es sich eben nicht, und die Aktionen in den Blasen erweisen sich als schwer einsetzbar.
Wie in vielen aktuellen Spielen kommt es auch in AQUATICA zu Kettenzügen, nämlich immer dann, wenn jemand verschiedene Blasen-Aktionen kombiniert und mit dem einen Effekt gleich den nächsten auslöst. Naturgemäß kann sich diese Kaskade bei manchen Spieler:innen etwas hinziehen.
Generell aber ist AQUATICA ein Wettrennen. Die Maschine sollte flutschen, zumal die Partien überraschend schnell enden können. Für ein langfristiges Konzept bleibt nicht die Zeit. Spielt man mit den Basis-Zielen, ist das Spiel sogar lächerlich kurz und kommt gar nicht richtig ins Laufen. Das kann man in der ersten Partie machen, um die Mechanismen einzuüben. Danach macht man es nicht mehr.
Was taugt es? AQUATICA ist attraktiv aufgemacht. Die doppellagigen Tableaus, in deren Fächer man die Stätten sehr komfortabel hineinschieben kann, unterstützen das Spiel sehr gut. Die Illustrationen sehen überdies schön aus. Allerdings hatten auffallend viele Mitspieler:innen Schwierigkeiten, die Symbole zu erkennen und zu unterscheiden. Manches ist etwas zu klein und offenbar auch unintuitiv geraten.
Das Prunkstück von AQUATICA ist der neuartige Schiebemechanismus. Die Blasen, die mich auf den Weg zu Wertungen bremsen, kann ich bei guter Kombination in einen Vorteil ummünzen. AQUATICA gehört zur Gattung der Engine Builder; allerdings ist jede Engine flüchtig. Die Blasen samt ihren Effekten verschwinden nach Gebrauch.
Herkömmlicher ist das Handkartenmanagement. Das grundlegende Konzept kennt man zum Beispiel aus CONCORDIA. Der Deckbuilding-Aspekt war in meinen Partien untergeordnet. Oft waren die Partien zu schnell vorbei, als dass es sich gelohnt hätte, viele weitere Meeresbewohner anzuwerben.
Die Mechanismen in AQUATICA empfinde ich als stimmig, und dass es nicht wirklich ein Thema gibt, stört mich auch nicht weiter. Trotzdem ist mein Interesse an AQUATICA erlahmt, und ich glaube, es liegt an einer Kombination aus zwei Dingen: Sobald die Ziele ausgelost sind, habe ich eine klare Vorgabe. Ich will / sollte / muss diese Ziele erfüllen. Die Frage ist nicht, was ich vorhabe, sondern wie gut ich es hinkriege. Das Hinkriegen wiederum ist abhängig davon, ob im Markt Stätten auftauchen, die mir weiterhelfen und obendrein bezahlbar sind. Und es ist abhängig von kleinteiligem Optimieren. Und das in Kombination fühlt sich eher einengend statt immer wieder neu an und lässt mich eben nicht denken: Hey, gleich morgen noch mal!
**** solide
AQUATICA von Ivan Tuzovsky für eine:n bis vier Spieler:innen, Frosted Games.





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