Samstag, 12. September 2026

13 Leaves

13 Leaves: Cover

Auf 13 Blätter könnte man 13 Einleitungen schreiben. Dank Masato Uesugi gibt es eine Alternative.

Wie geht 13 LEAVES? Ich möchte meine Karten loswerden. Karten gibt es mit Zahlenwerten von eins bis 13, die mittleren Werte häufiger, die Extremwerte seltener.
Bin ich am Zug, darf ich Karten derselben Zahl in die Mitte spielen, also etwa eine Acht oder zwei Zehnen. Es entsteht eine sortierte Zahlenreihe. Beginnt irgendwer mit der Sieben, und ich lege zwei Zehnen, bedeutet das: Achten und Neunen dürfen in dieser Runde gar nicht mehr gelegt werden. Denn Werte zwischen der aktuell höchsten und niedrigsten Zahl sind tabu.
Außerdem bedeutet es: Wer nun hohe Zahlen spielen möchte, also weitere Zehnen oder noch höher, muss mindestens zwei Karten legen. Denn die Kartenzahl am Ende der Reihe bestimmt, wie viele Karten fortan mindestens an dieses Schlangenende gelegt werden müssen. Am niedrigen Ende der Schlange (sieben oder tiefer) ist es noch nicht so prekär. Hier genügt eine Einzelkarte … bis vielleicht jemand drei Fünfen spielt und die Gangart verschärft.
Kann oder will ich nicht spielen, muss ich aus der Runde aussteigen und eine der Karten auf meine Hand nehmen. Dadurch können sich für die verbliebenen Spieler:innen neue Möglichkeiten auftun. Nehme ich etwa eine der beiden Zehnen, genügt am oberen Ende der Schlange nun wieder eine Einzelkarte.

13 Leaves: Karten

Die Runde geht solange, bis nur noch eine Person übrig ist. Die gespielten Karten werden abgeräumt, diese Person kommt neu raus. Ist jemand alle Karten los, ist sofort Schluss. Alle Handkarten zählen einen Minuspunkt.

Was passiert? 13 LEAVES erinnert an SCOUT, ist aber trotzdem ungewöhnlich. An SCOUT erinnert: Aus der vermeintlichen Strafe, Karten wieder auf die Hand nehmen zu müssen, kann durchaus ein Vorteil erwachsen, sofern die neue Karte eine bereits vorhandene Zahlenserie verlängert. Sowie: Die Legeanforderungen können durch das Nehmen einer Karte auch wieder sinken.
Ungewöhnlich ist: die Legeregel als solche. Sie wird oft nicht unmittelbar verstanden (vielleicht ist das Prinzip auch ein bisschen konstruiert) und lässt sich am besten durch Beispiele einüben. Was daraus entsteht, ist dennoch sehr unterhaltsam. Zuverlässig ereignen sich schadenfreudige, emotionale Momente. Da bin ich mir fast sicher, im nächsten Zug Schluss zu machen, und muss dann eine saublöde Strafkarte nehmen, weil irgendwer etwas Unerwartetes legt. Und weil man saublöde Karten schwer wieder loswird, bekomme ich in der nächsten Runde gleich noch eine.
Amüsant für alle anderen ist es auch, wenn jemand sehr aggressiv gleich einen Mehrling vorlegt, um andere Spieler:innen zum frühen Aussteigen zu zwingen – und am Ende selber aussteigen und womöglich eine der eigenen Karten zurücknehmen muss.
Es hilft, mitzudenken und sich im Bestfall auch zu merken, welche Karten andere Spieler:innen genommen haben, um sie im Endspiel gezielter in Bedrängnis bringen zu können: indem ich eine Serie spiele, die sie nicht toppen können, oder einen Extremwert, um den Zwischenraum stark anwachsen zu lassen. Oder indem ich einfach nur an das richtige Ende der Reihe spiele. Oder beim Passen das Richtige nehme.

Was taugt es? Kartenspiele erfordern oft Kartenglück, auch bei 13 LEAVES ist das so. Allerdings habe ich schon mit vermeintlich guten Blättern verloren und mit vermeintlich schlechten Blättern gewonnen. Der Spielverlauf ist schwer vorhersehbar.

13 Leaves: Karten

Man lernt taktisch ein bisschen dazu. Wer aufmerksam und überlegt spielt, schneidet besser ab. Es gibt dennoch keinen Anlass, das Spiel irgendwie zu zergrübeln. Ohnehin macht 13 LEAVES auch rein intuitiv gespielt wegen der überraschenden Wendungen und knappen Finalausgänge Spaß.
13 LEAVES ist sehr unterhaltsam – und benötigt bemerkenswert wenige Regeln und nur Zahlenkarten von eins bis 13 dafür. Das Spiel rangiert für mich auf ungefähr derselben Stufe wie MEISTER MAKATSU. Diese beiden halte ich für die besten Kartenspiele des Jahrgangs 2025/26. Zu sechst empfehle ich 13 LEAVES nicht. Bei nur neun Handkarten pro Person kann eine Runde enden, bevor ich überhaupt nennenswert ins Spiel eingreife.


***** reizvoll

13 LEAVES von Masato Uesugi für drei bis sechs Spieler:innen, Cranio / Elznir Games.

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